Der Protest von Wackersdorf - Hans Schuierer

Stand: 19.01.2018, 12:32 Uhr

Franz Josef Strauß schäumte vor Wut. Bayrische Richter erklärten im Januar 1988 den Bebauungsplan für die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf für nichtig. "Gspinnerte" nannte er die Gegner.

Von Wolfgang Steil

Hans Schuierer, Protestler gegen Wackersorf WDR 5 Erlebte Geschichten 21.01.2018 23:46 Min. Verfügbar bis 19.01.2028 WDR 5

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Als Hans Schuierer vor einem Jahr 85 Jahre alt wurde, konnte selbst der amtierende CSU-Landrat nicht umhin, dem SPD-Jubilar ein Lob auszusprechen: "Sie sind ein Kümmerer, darauf sind wir stolz!" Dem dieses Lob gilt, ist Hans Schuierer, Sozialdemokrat und in der Oberpfalz eine Art regionaler Rebell. Es war nämlich Hans Schuierer, damals amtierender Landrat im Landkreis Schwandorf, dem Unheil schwante, als in der bayrischen Landesregierung mit viel Verve, aber ziemlich lautlos, der Plan vorangetrieben wurde, in der strukturschwachen Region eine Uran-Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) mit neuen Arbeitsplätzen zu bauen.

Erst allmählich regte sich der Protest, gestärkt durch viele kritische Fragen von Landrat Schuierer – dann wurde daraus eine bundesweite Bewegung, die sich in Camps und Auseinandersetzungen am Bauplatz lautstark in Szene setzte. Letztlich führte der Weg zur Justiz zum Erfolg – Ende Januar 1988, vor 30 Jahren, erklärte der bayrische Verwaltungsgerichtshof den zugrunde gelegten Bebauungsplan für nichtig. Das Ende der geplanten WAA Wackersdorf war eingeläutet, obwohl Ministerpräsident Strauß, der im Oktober 1988 starb, nicht müde wurde zu erklären, dass die Anlage kaum gefährlicher als eine "Fahrradspeichenfabrik" sei.

Redaktion: Mark vom Hofe