Marcel H. zeigt keine Emotionen und gibt Taten zu

Der Angeklagte Marcel H. (M) steht am 8.9.2017 im Bochumer Landgericht an der Anklagebank.

Marcel H. zeigt keine Emotionen und gibt Taten zu

Von Sebastian Wehner

  • Angeklagter widerspricht Tatvorwürfen nicht.
  • Viele Zuschauer und Reporter am Bochumer Landgericht.
  • Geistige Reife muss geklärt werden.

Seit vergangenen März wurde immer wieder über Marcel H. berichtet, dass er emotionslos sei und keine Gefühle zeige. Dieses Bild hat sich zum Prozessauftakt am Freitag (08.09.2017) bestätigt. Nahezu regungslos verfolgte der 19-Jährige, dem der Mord an zwei Menschen vorgeworfen wird, den ersten Prozesstag in dem holzvertäfelten Gerichtssaal.

Landgericht Bochum

Öffentliches Interesse am Prozess ist groß

Nachdem Staatsanwalt Danyal Maibaum die Anklage verlesen hatte, in der die grausamen Details zu den Morden am neunjährigen Jaden und 22-jährigen Christopher zu hören waren, ließ Marcel H. eine Erklärung über seinen Anwalt Michael Emde abgeben. Darin hieß es, dass er einräumt, zwei Menschen getötet und eine Wohnung angezündet zu haben. "Er selber ist nicht in der Lage, dass in einer für einen Prozess vernünftigen Art zu formulieren", erklärte Emde.

Pullover und Badelatschen vor Gericht

"Mein Mandant wollte sich auch dafür entschuldigen lassen, dass er nicht angemessen gekleidet vor Gericht erschienen ist", sagte Anwalt Michael Emde. Marcel H. erschien in einem schlabbrigen, grau-braunen Pullover und Badelatschen. Von seiner Familie sei niemand bereit gewesen, ihm Kleidung ins Gefängnis zu bringen.

Durch seine schwarze Brille blickte der schmächtige junge Mann, der ein halbes Jahr nach der Tat mittellange dunkelblonde Haare hat, meistens schräg auf den Tisch vor sich. Die andauernden starken Blicke der Mütter der Opfer, die ihm gegenüber saßen, erreichten ihn anscheinend nicht. Auch im bis auf den letzten Platz voll besetzten Zuschauerraum verfolgten viele Familienangehörige und Freunde der Opfer den Prozess.

Zeuge: Marcel wirkte schlau

Als Zeuge wurde unter anderem ein ehemaliger Mitschüler von Marcel H. vernommen, der ihn als Einzelgänger beschrieb, der in der Schule oft gefehlt habe. Wenn er aber da gewesen sei, hätte er viel gewusst und schlau gewirkt. Danach wurde auch noch der Mitschnitt des Polizeinotrufs vorgespielt, als Marcel H. nach den Taten aus einem griechischen Imbiss in Herne angerufen hat. Dort gab er völlig ruhig und abgeklärt an, dass er der Gesuchte sei und fragte, wann denn die Beamten kommen würden.

Im weiteren Prozess, der bis mindestens Mitte November dauern soll, werden in den nächsten Tagen viele wichtige Zeuge vernommen. Aus Sicht des Gerichts wird zu klären sein, wie die Taten genau abgelaufen sind. "Es geht insbesondere dann auch um Zeugen, die uns mehr über sein Seelenleben sagen, wie er sich entwickelt hat", blickte Rechtsanwalt Reinhard Peters voraus. Er vertritt die Mutter des neunjährigen Jaden.

Diese Einschätzungen sind am Ende wichtig, ob bei einer Verurteilung Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht angewendet wird. In beiden Fällen könnte über eine Sicherungsverwahrung gesprochen werden. "Es spielt auch die Motivation für die Taten eine wichtige Rolle", erklärte Gerichtssprecher Volker Talarowski. "Wesentlich ist, ob eine Reifeverzögerung festzustellen ist." Marcel H. sitzt aktuell in der JVA Wuppertal in U-Haft.

Anmerkung der Redaktion

Wir haben entschieden, Marcel H. nicht unverpixelt zu zeigen. Rechtlich wäre dies möglich, weil Marcel H. vor Gericht sogar den ausdrücklichen Wunsch geäußert hat, er wolle nicht unkenntlich gemacht werden. Der Grund für unsere Entscheidung: Wir wollen niemandem eine Bühne bieten, der schockierende Fotos seiner Opfer ins Netz gestellt und mit seinen Taten geprahlt haben soll.

Stand: 08.09.2017, 16:30