Die Teilnehmenden der Dialogrunde sitzen nebeneinander auf der Bühne, dahinter drei Leinwände des Künstlers

Start des Karlspreis-Programms in Aachen: Dialogrunde über Antisemitismus

Stand: 08.04.2024, 06:48 Uhr

Das Rahmenprogramm zur Karlspreisverleihung hat Sonntagabend im Aachener Rathaus begonnen.

Der Pianist Igor Levit spielte Beethoven und Brahms. Außerdem gab es eine Dialogrunde: "Ja zu jüdischem Leben in Europa. Nein zu jeder Form von Antisemitismus".

Bei der Diskussionsrunde dabei waren Bundesminister Cem Özdemir, Ex-NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und die Berliner Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz, Felor Badenberg. Rund 700 Gäste waren gekommen.

Özdemir: Diskurs als Antwort

"Im Kampf gegen Antisemitismus ist jede Generation aufs Neue gefragt“, sagte Igor Levit in der Diskussionsrunde. Er stammt aus einer jüdischen Familie und ist seit Jahren politisch aktiv. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass Antisemitismus verschwinden werde. Es gebe ihn schon seit Jahrtausenden.

Bundesminister Cem Özdemir, unter anderem vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet, sprach von einem Gift, das die freiheitlich demokratische Grundordnung angreife – egal ob Antisemitismus von Linken, Muslimen oder Rechten komme.

Die Antwort darauf sei der Diskurs. Kein Kind komme als Antisemit auf die Welt. Deswegen lohne es sich, um jeden zu kämpfen.

Badenberg: Erschütternd, beschämend und befremdlich

Mit Antisemitismus hat die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg schon viel zu tun gehabt. Die gebürtige Teheranerin hatte vorher mehrere Jahre beim Bundesverfassungsschutz gearbeitet.

Antisemitismus gebe es nicht erst seit dem 7. Oktober, sagte sie in Aachen. Dass aber Menschen das Massaker der Hamas in Israel direkt im Anschluss auf der Straße gefeiert haben, sei "erschütternd, beschämend und befremdlich" gewesen.

Levit: Wo ist Loyalität gegenüber Israel?

Pianist Igor Levit

Pianist Igor Levit

Igor Levit sagte, er habe in den ersten Wochen nach dem Hamas-Terror die Solidarität der breiten Bevölkerung mit dem jüdischen Volk vermisst. Als in Deutschland lebender Jude habe er gefragt, wo die Loyalität gegenüber Israel sei.

Als Antwort darauf habe er gehört: "Ja, Israel ist kompliziert.“ Zu dem Zeitpunkt habe es noch keine militärischen Angriffe von Israel auf Gaza gegeben.

Start des Karlspreis-Programms in Aachen: Dialogrunde über Antisemitismus

WDR Studios NRW 08.04.2024 00:52 Min. Verfügbar bis 08.04.2026 WDR Online


Veranstaltungen rund um die Karlspreisverleihung

Rund um die Karlspreisverleihung gibt es vier Wochen lang ein Rahmenprogramm für die Bürgerinnen und Bürger. Angekündigt sind mehr als 40 Lesungen und Vorträge, Ausstellungen sowie weitere Gesprächsrunden und Konzerte.

Dienstag wird das Programm vorgestellt. Der Karlspreis wird am 9. Mai 2024 an den Präsidenten der Konferenz der europäischen Rabbiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa verliehen.

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • Pressestelle der Stadt Aachen

Über dieses Thema berichten wir am 09.04.2024 auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit Aachen.