Hochhaus in Wuppertal wegen Brandschutzmängeln evakuiert

Einsatzfahrzeug der Polizei steht in Wuppertal vor einem Hochhaus

Hochhaus in Wuppertal wegen Brandschutzmängeln evakuiert

In Wuppertal ist am Dienstag (27.06.2017) ein komplettes Hochhaus wegen Brandschutzmängeln evakuiert worden. Die Fassadendämmung ist entflammbar - ähnlich wie bei dem Grenfell Tower.

Die Brandkatastrophe in einem Londoner Hochhaus hat jetzt auch Konsequenzen in NRW. In Wuppertal musste am Dienstag (27.06.2017) ein komplettes Gebäude evakuiert werden. Der Grund: Die Fassadendämmung ähnelt dem Londoner Grenfell Tower - sie ist entflammbar. Das teilte die Stadt mit. Man habe sich kurzfristig zu dieser Vorsichtsmaßnahme entschlossen, sagte eine Stadtsprecherin.

Ersatzwohnungen für Bewohner

Bewohner tragen Taschen mit Habseligkeiten am 27.06.2017 in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) aus einem Hochhaus, das wegen Feuergefahr geräumt wird.

Teilweise mit Plastiktüten verlassen Bewohner der Haus

Das elfgeschossige Haus wurde von der Polizei abgesperrt. Laut der Stadt sind dort 72 Bewohner gemeldet. Sie durften kleines Gepäck mitnehmen. Die Stadt stellt ihnen Wohnungen zur Verfügung, die eigentlich für Flüchtlinge gedacht waren, nun aber leer stehen.

Wann die Bewohner wieder zurück nach Hause können, ist unklar. Erst soll die Fassadendämmung entfernt werden. Die Wohnungen werden zur Sicherheit versiegelt. Ein Wachdienst soll aufpassen, dass nicht geplündert wird.

Unter den Bewohnern war der Ärger über die plötzliche Räumung groß. Einige erfuhren davon auf dem Heimweg von der Arbeit. "Ich habe übers Radio gehört, dass wir raus müssen", schimpfte eine ältere Frau. "Da äußerten sich die ersten Experten schon im Fernsehen dazu und ich wusste nichts, das ist eine Sauerei." "Unfassbar", raunzte ein Mann, der beim Auszug aus den eigenen vier Wänden nur einen Koffer mitnehmen durfte.

Hochhaus-Evakuierung in Wuppertal

Wegen mangelnden Brandschutzes mussten mehr als 70 Bewohner eines elfstöckigen Hochhauses in Wuppertal ihre Wohnungen räumen. Wann sie wieder zurückkehren können, ist noch offen. Zumindest ein paar persönliche Gegenstände durften sie unter Aufsicht noch aus ihrem Zuhause holen.

Die Polizei hat das Gelände um das Hochhaus abgesperrt

Das feuergefährdete Wuppertaler Haus ist versiegelt, es wird bewacht.

Das feuergefährdete Wuppertaler Haus ist versiegelt, es wird bewacht.

Die Fassade hat eine ähnliche Dämmung wie der Grenfell-Tower in London, wo vor zwei Wochen bei einer Brandkatastrophe mindestens 79 Menschen starben.

Feuerwehr und Ordnungsamt überwachten die Evakuierung und sichern den Eingang.

Die Polizei war vor Ort, Busse holten die Bewohner ab.

Nur das nötigste an Gepäck: Unter Aufsicht dürfen die Bewohner noch ihre Habseligkeiten aus den Wohnungen holen.

Wer keine andere Möglichkeit hat, wird von der Stadt in derzeit leerstehenden Flüchtlingsunterkünften untergebracht.

Wann die Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können, ist noch unklar. Der Hauseigentümer hat sich nach großem Druck der Behörden inzwischen bereit erklärt, die Fassade sanieren zu lassen.

Holzkonstruktion festgestellt

"Es ist eine einschneidende Maßnahme für die Menschen, die dort wohnen", räumte Wuppertals Baudezernent Frank Meyer ein. "Das ist uns bewusst." Aber nach dem Londoner Brand sei das Risiko auch im Wuppertaler Hochhaus neu bewertet worden. Bei der letzten Brandschau seien brennbares Isoliermaterial und eine Unterkonstruktion aus Holz festgestellt worden. Zudem könne von den Wohnungen aus der Fluchtweg im Treppenhaus nur über kurze Balkone erreicht werden, erläuterte Wuppertals Baudezernent Frank Meyer. Es gebe keine Brandmeldeanlage in dem Haus. Außerdem könnten die Fluchtwege im Fall eines Feuers schnell durch Rauch blockiert sein.

Sicherheitsmängel seit 2010 bekannt

Die Sicherheitsmängel hat die Stadt bei einer Prüfung 2010 festgestellt, so Baudezernent Meyer. Er sagte, die Verantwortung für die Behebung der Sicherheitsmängel liege bei dem Eigentümer. Dieser sei 2010 aufgefordert worden die Mängel zu beheben. Dies sei jedoch nicht geschehen. Ferner haben die Eigentümer des Gebäudes in den vergangenen Jahren mehrfach gewechselt. Jedes Mal habe die Stadt den neuen Eigentümer aufgefordert, die Mängel zu beseitigen. Dem aktuellen Besitzer habe die Stadt nun ein hohes Zwangsgeld angedroht, um eine Sanierung zu bewirken.

Weitere Parallele zu London

Der linke Turm eines Hochhauses in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) wird am 27.06.2017 wegen Feuergefahr geräumt.

Der linke Turm des Hochhauses wurde geräumt

Wie in London waren die Bewohner wegen der Brandschutzmängel besorgt. Sie haben nach eigenen Angaben wiederholt darauf hingewiesen. "Es ist immer wieder gesagt worden, es werde etwas unternommen", sagte eine Bewohnerin. "Immer wurde etwas gesagt, nie wurde etwas gemacht. Beschissen ist das."

Bauministerium kennt keinen weiteren Fall

Ob in NRW noch weitere Gebäude betroffen sein können, ist unklar. Allein in Wuppertal würden noch etwa 70 Gebäude geprüft. Man gehe aber nicht davon aus, dass sie ebenfalls evakuiert werden müssen. "Wir wissen bislang von keinem anderen Fall", sagte eine Sprecherin des NRW-Bauministeriums in Düsseldorf.

Großbrand in Londoner Hochhaus

Bei dem Brand in London starben mindestens 79 Menschen

Bei dem verheerenden Hochausbrand in London gab es 79 Tote. Ein defekter Kühlschrank hatte das Feuer im Grenfell Tower entfacht. Der Brand griff auf den ganzen 24-stöckigen Sozialbau über. In Großbritannien sind nach der Feuerkatastrophe bereits 95 Gebäude bei stichprobenartigen Brandschutztests durchgefallen. Insgesamt soll dort bei 600 Hochhäusern die Fassadenverkleidungen untersucht werden. Als Reaktion auf die Testergebnisse hatten bereits rund 4000 Menschen ihre Wohnungen in Hochhäusern im Norden Londons in den vergangenen Tagen räumen müssen.

Stand: 27.06.2017, 22:06