100-Prozent-Festspiele bei der SPD

100-Prozent-Festspiele bei der SPD

Von Christian Wolf

Martin Schulz schüttelt mit dem Kopf, während man ihm von links und rechts auf die Schultern klopft. Es wirkt, als sei ihm dies gerade ein wenig unangenehm. Mit 410 von 410 gültigen Stimmen haben ihn die Delegierten gerade zum Spitzenkandidaten der NRW-SPD für die Bundestagswahl bestimmt. Schon wieder 100 Prozent - nach der einstimmigen Wahl zum Bundesvorsitzenden vor nicht einmal einer Woche.

Einstimmig in Serie

Die Sozialdemokraten präsentieren sich dieser Tage geschlossen wie lange nicht mehr. Ihren Auftakt hatten die 100-Prozent-Festspiele schon im Februar, als Landeschefin Hannelore Kraft einstimmig zur Spitzenkandidatin für die NRW-Wahl gewählt wurde. Und nun Schulz gleich zwei Mal. Inmitten der Schulz-Euphorie traut sich wohl niemand, die gute Stimmung kaputtzumachen.

Gerechtigkeit und Respekt im Zentrum

Martin Schulz spricht  in Münster  bei der Landesdelegiertenkonferenz der NRW-SPD

Martin Schulz tritt für die NRW-SPD an bei der Bundestagswahl

In seiner 45-minütigen Bewerbungsrede stellt Schulz auf der Landesdelegiertenkonferenz in Münster wie gewohnt die Begriffe Gerechtigkeit und Respekt in den Mittelpunkt. Dabei bekräftigt er die Forderung nach beitragsfreier Bildung von der Kita bis zur Uni sowie kostenloser Ausbildung. Auch in die Pflege wolle er als Kanzler investieren.

In der Europapolitik will der langjährige EU-Politiker auf Kontinuität setzen und bekräftigt: "Mit mir wird es kein Europa-Bashing geben." Die EU habe auch Schwächen, die gelte es abzustellen.

Attacke auf die AfD

Neben den bekannten Forderungen geht Schulz auch auf seine Kritiker ein. Dem Vorwurf, er rede das Land schlecht, hält er den offiziellen Armutsbericht der Bundesregierung entgegen - der auch von den CDU-Ministern abgesegnet worden sei. Und dass er kein Abitur habe, kontert Schulz mit dem viel umjubelten Satz: "Dieses Schicksal teile ich übrigens mit der Mehrheit der Bevölkerung in diesem Land."

Den meisten Applaus erhält Schulz für seine Attacke auf die AfD. Mit Verweis auf die Äußerungen des thüringischen AfD-Mannes Björn Höcke und die Diskussion um einen Schießbefehl gegen Flüchtlinge sagt Schulz: "Das ist keine Alternative für Deutschland, das ist eine Schande für die Bundesrepublik."

SPD kann auch Gegenstimmen

Hannelore Kraft spricht in Münster  bei der Landesdelegiertenkonferenz der NRW-SPD

Freude bei Ministerpräsidentin Kraft

Dass die SPD auch anders kann, zeigt sich zum Ende des Parteitreffens. Bei der Wahl der Listenplätze hinter Schulz gibt es tatsächlich auch Gegenstimmen. So bekommt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks für den zweiten Platz zwei Neinstimmen. Der Jubelstimmung tut das aber keinen Abbruch. Ministerpräsidentin Kraft freut sich zum Schluss über das "Zeichen großer Geschlossenheit".

Stand: 25.03.2017, 13:54