Brand in Kopenhagen: Der Tag danach

Aktuelle Stunde 17.04.2024 29:34 Min. UT Verfügbar bis 17.04.2026 WDR

Brandschutzexperte: So kann man historische Bauten besser vor Feuer schützen

Stand: 17.04.2024, 16:33 Uhr

Ein aus bislang ungeklärter Ursache ausgebrochener Brand hat am Montag große Teile der historischen Börse in Kopenhagen zerstört. Doch wie kann man solche Bauwerke besser vor Feuer schützen?

Die alte Börse in Kopenhagen beherbergt auch eine Kunstsammlung. Fernsehbilder zeigten, wie Menschen Gemälde aus dem brennenden Gebäude retteten. Das Gebäude selbst gilt als ein Wahrzeichen für Kopenhagen. Viele sind geschockt. Mit Blick auf den Brand werden Forderungen nach besserer Unterstützung zum Schutz von Kulturgut auch in Deutschland laut.

Dirk Aschenbrenner ist Präsident der Vereinigung zur Sicherung des Deutschen Brandschutzes, Leiter des Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie der Stadt Dortmund und Direktor der Berufsfeuerwehr Dortmund. Im Interview mit dem WDR geht er der Frage auf den Grund, wie man historische Bauten erhalten und gleichzeitig besser vor Feuer schützen kann.

Brandschutz historischer Bauten: "Anspruchsvolle Abwägung"

WDR 5 Morgenecho - Interview 17.04.2024 08:50 Min. Verfügbar bis 17.04.2025 WDR 5


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Wie schnell hat Sie die Nachricht vom Brand in Kopenhagen erreicht?

Dirk Aschenbrenner: Ich war gestern zufälligerweise auf einer Tagung von Restauratoren und habe dafür geworben, Kulturgutschutz gemeinsam zu betreiben. Im Laufe dieser Tagung wurde ich dann darauf angesprochen, dass es eine Pressemitteilung gibt. Ich habe mich dann natürlich sofort mit dem Brand auseinandergesetzt.

Der Brand in Kopenhagen ist besonders tragisch, weil das Gebäude gerade mitten in einer Sanierung war. Hat Sie der Brand überrascht? Oder ist das für Sie so ein ganz klassischer Fall?

Dirk Aschenbrenner: Brände in historischen Gebäuden kommen immer wieder vor. Das ist so, und gerade das Thema Sanierung hat natürlich damit zu tun, dass gewisse Risiken sich anreichern. Dort werden vielleicht Heißarbeiten durchgeführt, da wird geschweißt und ähnliches. Da sind dann natürlich besondere Sicherheitsvorkehrungen notwendig. Wir wissen, dass während der Bauphase im Grunde die Brandrisiken noch mal andere sind - auch höhere. Da müssen besondere Vorkehrungen getroffen werden. Von daher sage ich mal: Es lag für mich durchaus im Bereich des Möglichen, dass so etwas passieren kann.

Brandschutz und Denkmalpflege - ist das ein Widerspruch in sich?

Dirk Aschenbrenner

Dirk Aschenbrenner, Brandschutzexperte

Dirk Aschenbrenner: Nein. Das ist im Grunde kein Widerspruch. Natürlich ist das eine etwas anspruchsvollere Abwägung. Viele heute dem Stand der Technik entsprechende Brandschutzmaßnahmen lassen sich auch in alte Gebäude implementieren. Das Gebäude verliert dann an der einen oder anderen Stelle natürlich seine ursprüngliche Struktur, seine ursprüngliche Ausstrahlung. Das ist ein Abwägungsprozess, also wie viel Risikoschutz möchte ich durch zusätzliche Maßnahmen erreichen. Und wie viel Restrisiko akzeptiere ich, weil man eben sagt aus Kostengründen, aber auch aus Umsetzungsgründen verzichte ich auf bestimmte Brandschutzmaßnahmen. Das heißt, die Verantwortlichen müssen sich mit den Brandschutzexperten hinsetzen, genau diese Risikoabwägung durchführen und dann für so ein Objekt ein optimiertes Brandschutzkonzept entwickeln.

Ist es ein Problem, dass man guten Brandschutz immer sieht? Oder ist es einfach nur besonders teuer, wenn es keinem auffallen soll?

Dirk Aschenbrenner: Also, je weniger es auffallen soll, desto teurer wird es. Kann man jetzt nicht ganz pauschalieren, aber man kann natürlich viele Maßnahmen schon durchführen. Wenn sie dann sozusagen in die Gebäudestruktur integriert werden soll, ist das häufig aufwendiger, als wenn man beispielsweise Sprinklerleitungen oder Rauchmelder ganz ungeniert unter die Betondecke heften kann.

Wenn ich die verstecken will, wenn ich die hinter bestimmte Verkleidungen bringen will, dann ist das immer aufwendiger und dadurch wird es auch ein Stück weit teurer. Letztendlich ist es mit Sicherheit - und der Erhalt von historischen Gebäuden ist da sowieso schon relativ kostenaufwendig - irgendwo auch eine Abwägung zwischen der Risikoabdeckung und der Kostenfrage.

Wie groß ist mittlerweile das öffentliche Bewusstsein, dass guter Brandschutz in historischen Gebäuden wichtig ist?

Dirk Aschenbrenner: Das wächst auf jeden Fall. Also, wir haben jetzt erst kürzlich eine Vereinbarung zwischen unserer Brandschutzorganisation und den Restauratoren getroffen, die sich interdisziplinär das Thema Kulturgutschutz angucken will.

Also von präventiven Maßnahmen auch über die Maßnahmen: Wie können wir im Falle eines Falles - ich denke mal an den Archiveinsturz in Köln, was jetzt mal gar nichts mit Feuer zu tun hatte, oder das Ahr-Hochwasser, wo ja auch viele Kulturgüter betroffen waren, - dann noch die Kulturgüter bestmöglich schützen und retten. Das ist ein Prozess, der jetzt langsam richtig ins Laufen kommt. Und ich halte es für einen sehr wichtigen Prozess.

Sie sagen "interdisziplinär" - haben Sie ein Beispiel, wo eine solche Zusammenarbeit schon gut funktioniert?

Dirk Aschenbrenner: Es gibt sogenannte Notfallverbünde, wo Kulturgutschützende, die also die Kulturgüter betreiben und betreuen, sich mit Feuerwehren, mit dem Technischen Hilfswerk und so weiter auf örtlicher Ebene zusammengeschlossen haben, um sogenannte Notfallverbünde zu bilden, die sich dann gegenseitig ausbilden können. Die ihre jeweilige Situation einander vorstellen, die gewisse Prozesse gemeinsam definieren.

Das Zweite ist, in diesem Bereich wird auch geforscht - das ist das Forschungsprojekt Brava. In diesem Projekt ging es darum, außerhalb des baulichen und originär technischen Brandschutzes, also dessen, was heute so Stand der Technik ist, Verfahren zur Entwicklung, Kulturgüter im Brandfall besser zu schützen.

Man hat also eine ganz eigene neue Sensortechnik entwickelt, die kleinste Abweichungen in diesen Gebäuden feststellen kann und dann eine entsprechende Alarmierungs-App anstößt, so dass beispielsweise Ersthelfer, also Menschen, die sich in dem Gebäude aufhalten oder für das Gebäude zuständig sind, sehr, sehr schnell alarmiert werden mit entsprechenden Handlungsanweisungen. Diese Helfenden werden speziell ausgebildet. Das heißt, neben den klassischen Brandschutzmaßnahmen versucht man auch, den digitalen Brandschutz voranzubringen, um eben solche historischen Objekte im Brandfall schneller und besser schützen zu können.

Das Interview führte Rebecca Link im WDR 5 Morgenecho. Es wurde für die schriftliche Fassung sprachlich leicht angepasst und gekürzt. Der Sinn der Aussagen ist allerdings unverändert.

Quellen:

  • Interview mit Brandschutzexperte Dipl.-Ing. Dirk Aschenbrenner (WDR 5 Morgenecho)
  • Nachrichtenagentur dpa