Paul McCartney: When I'm Seventy-Five

Paul McCartney: When I'm Seventy-Five

Von Ingo Neumayer

Er hat Musik-, Kultur-, ja sogar Weltgeschichte geschrieben: Paul McCartney ist ohne Zweifel einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Am 18. Juni 2017 feiert "Macca" seinen 75. Geburtstag.

Paul McCartney 1961 in Hamburg

Den Deal seines Lebens macht Paul McCartney mit 14, nachdem er im Radio Little Richard gehört hat: Er tauscht seine Trompete gegen eine Gitarre. Kurz danach trifft er einen gewissen John Lennon, der in einer Band namens The Quarrymen spielt. McCartney steigt als Rhythmusgitarrist ein, später kommt noch George Harrison dazu. 1960 gibt sich die Band einen neuen Namen: The Beatles. Und der Rest ist Geschichte.

Den Deal seines Lebens macht Paul McCartney mit 14, nachdem er im Radio Little Richard gehört hat: Er tauscht seine Trompete gegen eine Gitarre. Kurz danach trifft er einen gewissen John Lennon, der in einer Band namens The Quarrymen spielt. McCartney steigt als Rhythmusgitarrist ein, später kommt noch George Harrison dazu. 1960 gibt sich die Band einen neuen Namen: The Beatles. Und der Rest ist Geschichte.

1961 verlässt Stuart Sutcliffe die Beatles. Einen neuen Bassisten findet die Band, die inzwischen ein festes Engagement in Hamburg hat, in den eigenen Reihen: McCartney übernimmt das Instrument, wenn auch anfangs ohne große Begeisterung.

1962 nehmen die Beatles ihre erste eigene Single auf. Doch Produzent George Martin hält wenig von Drummer Pete Bests Künsten. Schließlich wird er durch Ringo Starr (2.v.l.) ersetzt. Die Beatles, wie man sie kennt, sind geboren.

Und dann geht es Schlag auf Schlag: Die vier Jungs aus Liverpool stürmen die Charts – und die Herzen der Fans. Die Beatles sind weit mehr als eine erfolgreiche Beat-Band. Sie sind ein weltweites Phänomen, ein Erdbeben, das die Jugend- und Popkultur nachhaltig erschüttert. Wo sie auftauchen, herrscht der Ausnamezustand.

Mitte der 60er kann es eigentlich nur einer mit den Beatles aufnehmen: Muhammad Ali, der "Greatest of all time".

Ein Großteil der Beatles-Songs wird zwar offiziell als Teamwork von "Lennon/McCartney" deklariert. Doch intern gibt es eher Konkurrenz als Miteinander zwischen den beiden musikalischen Hauptverantwortlichen. Das spornt die beiden eine Zeitlang zu wahren Höchstleistungen an. So schreibt McCartney Klassiker wie "All My Loving", "Eleanor Rigby", "Penny Lane", "Can't Buy Me Love", "Yellow Submarine", "Hey Jude". Und auch das am meisten gecoverte und am öftesten im Radio gespielte Lied aller Zeiten geht auf sein Konto: "Yesterday".

Doch der unfassbare Erfolg und der Starkult um die Band geht den Beatles immer mehr an die Substanz. Auch Verkleidungen helfen nicht dabei, sich ein bisschen Privatsphäre und persönliche Freiheiten zu schaffen. Die Beatles gehören nicht mehr sich selbst, sondern der ganzen Welt.

Die Antwort der Band lautet Verweigerung. Sie gehen nicht mehr auf Tour, ziehen sich aus der Öffentlichkeit zurück, sind auf der Suche nach einem neuen Weg für sich und die Band. Dabei probieren sie so einiges aus: Drogen, Guru-Besuche, Egotrips. Musikalisch setzen die späten Beatles weiter Maßstäbe: "Sgt. Pepper" oder das "Weiße Album" bilden das Fundament der modernen Popmusik, wie wir sie heute kennen.

Doch das Verhältnis untereinander wird immer schwieriger. Im September 1969 teilt Lennon den anderen mit, dass er die Band verlässt. Sein Ausstieg soll allerdings vorerst geheim gehalten werden, bis das Abschiedsalbum in den Läden steht. Schließlich ist es Paul McCartney, der im April 1970 seinen Ausstieg öffentlich macht. Die Beatles sind damit Geschichte.

Was tun, wenn man gerade die erfolgreichste und wichtigste Band der Welt verlassen hat? Paul McCartneys Vater Jim (li.) scheint auch keinen Rat für seinen Sohn zu haben.

Schließlich ist es die Liebe, die McCartney wieder in die Spur bringt. Schon auf seinen ersten beiden Soloalben, die 1970 und 1971 erscheinen, ist seine Frau Linda zu hören, die er 1969 geheiratet hat. Nach und nach gewöhnt er sich an die Idee, wieder in einer Band zu spielen – wenn Linda mitmacht.

Ende 1971 rufen Paul und Linda die Wings ins Leben. Anfangs tourt die Band inkognito, spielt in britischen Studentenkneipen vor einer Handvoll Zuschauer – für Paul eine Wohltat nach dem Riesenrummel um die Beatles. Doch auch bei den Wings lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten. Die Band schreibt den Titelsong für den James-Bond-Film "Live And Let Die", hat Hits wie "Band On The Run", "Jet" oder "Mull Of Kintyre".

So läuft es, wenn die Eltern beide in einer Band spielen: Wenn die Wings Termine haben und auf Tour gehen, müssen die Kinder (links James, rechts Stella) eben mit.

1981 wird auch das Wings-Kapitel geschlossen. McCartney firmiert fortan nur noch unter eigenem Namen – natürlich mit riesigem Erfolg. Dabei greift er gerne auch den nachkommenden Popstar-Generationen unter die Arme. Er singt Songs mit Stevie Wonder, Michael Jackson und Rihanna, engagiert Elvis Costello als Co-Songwriter, tritt mit George Michael (li.) auf.

Und Musikmachen reicht natürlich nicht, wenn man als kulturelle Ikone einen derart großen gesellschaftlichen und politischen Einfluss hat. McCartney, der streng vegetarisch lebt, engagiert sich für Tierrechte, gegen Landminen, unterstützt diverse Umweltprojekte. Und er findet sogar noch Zeit für die Malerei – hier sieht man ihn 1999 in Siegen vor einem seiner Bilder.

Kürzertreten? Warum sollte er? Paul McCartney ist auch mit Mitte 70 noch äußerst fit und gut bei Stimme, nimmt weiter Platten auf und geht regelmäßig auf Tour. Dabei zeigt er, dass er mit sich und seiner musikalischen Vergangenheit im Reinen ist: Er spielt Solo-Songs, aber auch Beatles- und Wings-Nummern. Und als 2016 beim "Desert Trip"-Festival Neil Young zu ihm auf die Bühne kommt, nehmen sich die beiden sogar eine John-Lennon-Nummer vor: "Give Peace A Chance".

Mit "When I'm Sixty-Four" hat McCartney schon vor 50 Jahren skizziert, wie er sich einen Geburtstag als älterer Herr vorstellt: Mit einer Flasche Wein, guten Wünschen, ein paar Postkarten und einem Menschen, der es gut mit ihm meint und an ihn denkt. Das müsste doch zu machen sein, wenn er am Sonntag (18.06.2017) seinen 75. Geburtstag feiert. Happy Birthday, Sir Paul!

Stand: 14.06.2017, 16:13 Uhr