Dancing Queens and Kings: ABBAs "Arrival" wird 40

Dancing Queens and Kings: ABBAs "Arrival" wird 40

Pop und Disco, Liebe und Drama, Glitzer und Fönfrisur: Die Vier von ABBA waren in den 70ern Stilikonen, ihre Hochglanz-Pop-Songs sind bis heute Evergreens. Am 11. Oktober 1976 erschien ihr erfolgreichstes Album: "Arrival"

Popgruppe ABBA 1978

Agnetha, Björn, Benny, Anni-Frid – wer mit diesen vier Namen und der daraus abgeleiteten Abkürzung ABBA nichts anfangen kann, hat die letzten Jahrzehnte wahrscheinlich unter einem Stein verbracht, der sich mitten in einem Geröllfeld auf der Rückseite des Mars befindet. Alle anderen wissen natürlich Bescheid über eine der größten Popbands aller Zeiten und diskutieren höchstens darüber, was denn spektakulärer war: die Kompositionen oder die Kostüme.

Agnetha, Björn, Benny, Anni-Frid – wer mit diesen vier Namen und der daraus abgeleiteten Abkürzung ABBA nichts anfangen kann, hat die letzten Jahrzehnte wahrscheinlich unter einem Stein verbracht, der sich mitten in einem Geröllfeld auf der Rückseite des Mars befindet. Alle anderen wissen natürlich Bescheid über eine der größten Popbands aller Zeiten und diskutieren höchstens darüber, was denn spektakulärer war: die Kompositionen oder die Kostüme.

Das erste internationale Ausrufezeichen setzt die schwedischen Band 1974 beim Grand Prix de la Chanson. Schon den schwedischen Vorentscheid entscheidet sie mit "Waterloo" für sich. Der Song ist natürlich ein Hit, aber auch die Inszenierung der Band erregt Aufsehen: Das Klavier blau, die Schuhe mit Plateau, die Klamotten bunt und glitzernd.

Wenig später entscheidet ABBA in Brighton mit großem Abstand den Grand Prix für sich. "Waterloo" verkauft sich über fünf Millionen mal und erreicht sogar in den USA die Top Ten der Charts.

Die Aufteilung innerhalb der Band ist von Anfang an klar: Benny und Björn schreiben die Songs, Agnetha und Anni-Frid singen sie ein und sorgen auch für eine optisch außergewöhnliche Umsetzung.

Dass Björn und Agnetha verheiratet und auch Benny und Anni-Frid seit Jahren ein Paar sind, ärgert zwar das ein oder andere Groupie, doch das allgemeine Interesse an der Band wird dadurch natürlich noch verstärkt: Ist dieser Text auf sie gemünzt? Wie ist sein Blick zu deuten? Warum kommt sie nicht näher? Und würde sie nicht viel besser zu ihm ...?

Was heute kaum mehr bekannt ist: Die Karriere von ABBA in den 1970ern läuft keineswegs immer glatt. Nach dem Erfolg von "Waterloo" gibt es erst einmal eine kleine Durststrecke zu bewältigen. Einzig in Schweden und Australien sind Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid zu dieser Zeit richtig angesagt. Im Rest der Welt sinkt ihr Stern schnell wieder, sie spielen in halbleeren Hallen, manchen gelten sie als harmloses One-Hit-Wonder.

Das ändert sich aber 1976: Am 11. Oktober erscheint "Arrival", das das erfolgreichste Studioalbum von ABBA wird. Schon die Liste der Singles, die aus "Arrival" ausgekoppelt werden, ist beeindruckend: "Dancing Queen", "Money Money Money", "Knowing Me, Knowing You" - allein beim Lesen der Songtitel wird das Ohrwurm-Zentrum im Hirn nachhaltig aktiviert.

"Arrival" verkauft sich millionfach, Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid werden mit dem Album endgültig zu Weltstars.

Bye-Bye Glitzer: Ab Ende der 70er wird der Look der Band etwas gemäßigter ...

... um nicht zu sagen: spießiger. Doch wer Hits wie "Take A Chance On Me", "Gimme! Gimme! Gimme!", "Super Trouper" oder "The Winner Takes It All" veröffentlicht, hat alle Argumente auf seiner Seite.

So gelöst und harmonisch wie auf diesem Bild geht es bei ABBA in der Spätphase der Karriere eher selten zu. 1978 trennen sich Björn und Agnetha, 1981 Benny und Anni-Frid.

Doch die Karriere der Band soll nicht unter dem privaten Ärger leiden. ABBA entschließt sich zu einem professionellen Umgang miteinander und macht weiter.

Ob es am fehlenden emotionalen Funken zwischen den Bandmitgliedern liegt? Oder an den etwas düstereren und anspruchsvolleren Kompositionen? Fakt ist: ABBAs perfektionistischer Hochglanz-Pop ist in den 80ern nicht mehr so gefragt. Das Album "The Visitors", das Ende 1981 erscheint, wird ein ziemlicher Flop. Aufnahmen zu einem neuen Album im Sommer 1982 scheitern – wenig später gibt die Band bekannt, dass sich die Mitglieder eine "Pause" gönnen. De facto bedeutet das die Auflösung von ABBA.

Dem Erfolg schadet die Trennung aber nicht. Im Gegenteil: Nach der Auflösung sind die Umsätze höher als zu den aktiven Zeiten der Band: Die Songs werden zu Dauerbrennern in Radio, Film und TV, mit "Mamma Mia!" gibt es ein höchst erfolgreiches ABBA-Musical, das später auch verfilmt wird. Und in Stockholm eröffnet 2013 das ABBA-Museum.

Und was ist mit dem von den Fans heiß ersehnten Comeback? Nichts. Im Jahr 2000 lehnt ABBA das Angebot für eine Welttournee ab - obwohl der Band angeblich eine Milliarde Dollar geboten wird. Immerhin: 2016 stehen die vier Mitglieder zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder gemeinsam auf einer öffentlichen Bühne. Gesungen wird dabei aber nicht. ABBA weiß offenbar sehr gut, wie man einen Mythos am Leben hält. In diesem Sinne: Thank You For The Music.

Stand: 06.10.2016, 09:23 Uhr