Katharina Sieverding - Stauffenberg-Block WESTART Meisterwerke 04.11.2014 04:28 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

K21, Düsseldorf

Katharina Sieverding: Stauffenberg-Block

Stand: 28.10.2014, 16:53 Uhr

Wie mal eben abgestellt stehen sie auf dem Boden. Es sind alles andere als Glamour-Porträts. In glühendem Rot, überlebensgroß und in ikonisch monsterhafter Frontalansicht bekommen wir die Wucht eines Gesichts auf Augenhöhe zu spüren. Der Stauffenberg-Block von Katharina Sieverding: Das bedeutet sechzehn Mal die Konfrontation mit einem Flammengesicht.

Der Stauffenberg-Block von Katharina Sieverding: Das heißt sechzehn Mal die Konfrontation mit einem Flammengesicht. | Bildquelle: WDR/Martina Müller

Irritierender Titel

Der Titel irritiert. Denn zu sehen ist nicht die Symbolfigur des Widerstands im Dritten Reich, sondern der fragende Blick der Künstlerin selbst. Wie kann ich als Angehörige der Täternation, geboren 1944 im Jahr des gescheiterten Hitler-Attentats, in das eigene Gesicht schauen? 1969 hält sie sich und uns den Spiegel vor. Damals wurden die nationalsozialistischen Verbrechen verdrängt. "Ich möchte Arbeiten schaffen, die davon zeugen, dass ich in dieser Zeit gelebt habe", so die Künstlerin.

Als Vorlage dienten Katharina Sieverding Aufnahmen aus einem Passbildautomaten. | Bildquelle: WDR/Martina Müller

Als Vorlage dienten Aufnahmen aus einem Passbildautomaten. Katharina Sieverding hat sie erneut abgelichtet, danach in Negative verwandelt, durch Solarisation vergrößert und durch Rotfilter verfremdet. Die Künstlerin in der Rolle einer monumentalen Sphinx: erschrocken, beschämt, zornig über die Untaten der Elterngeneration.

Neue Wege in der Fotokunst

Sieverdings Lehrer Joseph Beuys sah in der Fotografie nicht mehr als reine Dokumentation. Eine Herausforderung für die Schülerin. Orientiert an amerikanischer Pop Art, entwickelte sie in ihrer eigenen Factory malerische Transformationen. Und eröffnete mit dem Stauffenberg-Block bereits 1969 neue Wege einer Fotokunst, die nicht auf Abbildung der Realität aus sind, sondern auf das, was in der Wirklichkeit nicht zu fassen ist.

Autorin: Martina Müller

Buchtipp

Katharina Sieverding: Mal D'Archive.
Katalog zur Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 2014
Die Gestalten Verlag 2014, Preis: 38 Euro