"Hier sind überall Hände an mir dran"

Augenzeugen von Silvester-Übergriffen

"Hier sind überall Hände an mir dran"

Sie wurden begrabscht, ausgeraubt und ausgelacht - so berichten Augenzeugen und Betroffene von den Übergriffen rund um den Kölner Hauptbahnhof an Silvester. Die Stimmung war offenbar äußerst aggressiv. Viele berichten von sexuellen Übergriffen.

Julia W. (40), war in der Silvesternacht mit ihrem Freund auf dem Weg nach Troisdorf. Sie musste im Kölner Hauptbahnhof auf den Zug warten und berichtete dem WDR:

"Die Stimmung war aggressiv. Plötzlich wurde ich von hinten - ohne dass mein Freund es sah - von mehreren Männern angegrabscht. Ich kann sagen, dass es mehrere waren, da zeitgleich Hände an meinen Brüsten und an meinem Po waren."

Ein junger Mann wartete mit seiner Freundin im Bahnhof vor dem Aufgang zu einem abgesperrten Gleis. Er erzählte dem WDR-Fernsehen:

"Dann ging es von allen Seiten los. Meine Freundin stand hinter mir und die hat irgendwann nur noch panisch gesagt: 'Ich muss hier weg, ich muss hier weg. Hier sind überall Hände an mir dran.' Es war überhaupt nicht mehr zuzuordnen, wer das überhaupt war. (...) Die hat mich ganz fest an die Hand geklammert und hat mir nur noch ins Ohr geflüstert: 'Lass uns hier verschwinden. Lass uns hier verschwinden. Ich hab Angst.' (...) Die Situation war extremst angespannt und aggressiv. Auch dadurch, dass die Mädels auch nicht wirklich bestimmen konnten, wer es genau war. Also selbst ich mit meiner Freundin an der Hand habe von umschlagenden Mädels Schläge abbekommen, weil die sich einfach nur noch versucht haben, sich zu wehren - egal wer hinter ihnen stand. (...) Man muss leider dazu sagen, es waren keine mitteleuropäischen Leute. Zumindest war eine starke arabische Ausprägung dabei. Die haben auch kein Deutsch gesprochen. Alles auf Arabisch kommuniziert. Ein paar Schimpfwörter verstehe ich und die musste ich mir dann leider auch anhören. War wirklich sehr unschön. Egal wo man hingeguckt hat, man hat eigentlich nur in Gesichter geguckt, die einen höhnisch angelacht haben. Es war sehr unschön."

Jaqueline Kiefer aus Völklingen (Saarland) erzählte im Saarländischen Rundfunk:

"Wir waren mittendrin. Meine Schwiegertochter ist auch unsittlich berührt worden. (...) Neben uns stand eine Frau fix und fertig, gezittert, vor dem Kollabieren. Die wurde an ihren langen blonden Haaren auf den Boden gezogen. Jemand schmiss sich über sie, hat sie erzählt. Sie wurde von ihrem Mann getrennt und sprach nur Englisch. Es war Wahnsinn. Dann haben wir uns über die Domplatte ans Rheinufer durchgekämpft und da kamen die uns auch alle entgegen. Einer hat meiner Schwiegertochter in den Schritt gegriffen. Es war wirklich krass. Und auch nachher am Rheinufer. Die haben keine Berührungsängste. Die waren alle höchstens um die 20."

Sascha Frohn, Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, war Augenzeuge und berichtete dem WDR:

"Keiner wusste mehr, wo er hinlaufen sollte. Wir selber standen mit dem Rücken an der Wand und haben beobachten können, wie sämtliche Diebstähle in unserem Umkreis stattfanden. Wie deutsche Mädels betatscht wurden, einfach so in einer Gruppe. Die Deutschen haben sich nach und nach hier verzogen. Es war einfach so, dass ich von einer zwischen 50 bis 60 arabischer Kultur stämmigen Personengruppe umzingelt war. Die kamen auch zu uns hin, Shakehands, und dann versuchten sie in die Tasche reinzugreifen. Unserem Organisator sind 850 Euro gestohlen worden aus der Tasche."

Jutta Roggendorf ist WDR-Mitarbeiterin und erzählte:

"Die Menschen, die zum Rhein wollten, waren alle sehr verunsichert, weil die Jungs warfen einfach immer Böller und man kann ja nicht sehen, was sie werfen. Es war sehr laut, es krachte. Vor allen Dingen der Weg am Römisch-Germanischen Museum dieser Durchgang, da waren Geräusche - wenn ich Krieg kennen würde, würde ich es mir wahrscheinlich so vorstellen. Polizei haben ich leider keine gesehen."

Eine junge Frau berichtete dem WDR:

"Eigentlich waren es nur Männer. 50 Männer ungefähr. Die waren alle glaub ich einer Nationalität - arabischstämmig. Kommt vielleicht blöd, aber es entspricht einfach der Wahrheit. Die Stimmung allgemein war aggressiv. Die Atmosphäre war sehr gefährlich. Die haben halt erst mal am Hintern so ein bisschen gestreift. Und dann wurden sie ein bisschen direkter, sage ich mal. Das war dann aber auch der Punkt, wo ich wirklich sauer wurde. Ich habe um mich geguckt und die sahen alle ähnlich aus und ich hab mir irgendeinen gepackt und wollte fast schon zuschlagen."

Ein Polizist mit 25 Jahren sagte dem "Express":

"Kurz nach Mitternacht kamen die ersten Frauen auf uns zu. Weinend und geschockt schilderten sie, wie sie massiv sexuell belästigt worden seien. Wir hielten daher Ausschau nach Frauen in der Menge. (...) Ich bekam sie zu packen. Sie schrie und weinte. Man hatte ihr den Slip vom Körper gerissen. Ihre drei Freundinnen konnten wir nicht aus dem Pulk retten, denn wir selbst wurden mit Böllern beworfen."

Anmerkung der Redaktion: Die Polizei Köln wollte auf WDR-Nachfrage hierzu keine Stellungnahme abgeben. "Die uns jetzt vorliegenden Anzeigen sind zwar gesichtet. Vernehmungen stehen aber noch aus. Wir können deshalb noch keine Auskunft zu solchen Details geben", sagte eine Polizeisprecherin.

Eine 50-Jährige sagte dem Magazin "Emma":

"Ich wollte mit meiner Freundin eigentlich nur kurz durch den Bahnhof gehen, um im Brauhaus auf der anderen Seite ein Bier zu trinken. Aber schon, als wir auf dem Bahnhofsvorplatz ankamen, habe ich plötzlich nur noch Männer gesehen. Es waren Hunderte. Und sie haben uns behandelt wie Freiwild."

Stand: 05.01.2016, 13:28