Festgenommene wieder auf freiem Fuß

Köln nach den Silvester-Übergriffen

Festgenommene wieder auf freiem Fuß

  • Zwei Männer mangels Tatverdachts wieder auf freiem Fuß
  • Zettel mit anzüglichen Texten auf Deutsch und Arabisch gefunden
  • Möglicherweise Handys mit Videos aus der Silvesternacht beschlagnahmt
Übersetzungszettel

Der Übersetzungszettel

Zwei Männer, die in der Silvesternacht am Bahnhof gewesen sein sollen und als mutmaßliche Trickdiebe Freitagnacht (08.01.2016) festgenommen worden waren, sind wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Wie die Staatsanwaltschaft sagte, habe sich der Tatverdacht gegen die beiden 16 und 23 Jahre alten Männer aus Marokko und Tunesien nicht erhärtet. Zuvor hatte ein Polizeisprecher erklärt, man habe bei ihnen Handys mit Videos sichergestellt.

Nach WDR-Informationen zeigen die Videos Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen. Außerdem wurde ein Zettel mit arabisch-deutschen Übersetzungen von sexistischen Begriffen sichergestellt. Nach WDR-Informationen standen auf den Zetteln Aussagen wie: "Ich will Sex mit dir", schöne Brüste", aber auch Bedrohungen wie: "Ich töte dich".

Bundespolizei: Asylbewerber unter den Tätern

Das Bundesinnenministerium bestätigte am Freitag (08.01.2015), dass unter den bislang ermittelten Tatverdächtigen auch Flüchtlinge sind. Die Bundespolizei erfasste an Silvester nach WDR-Informationen am Kölner Hauptbahnhof 32 Tatverdächtige, darunter waren 29 Ausländer: Neben drei Deutschen wurden neun algerische, acht marokkanische, vier syrische, fünf iranische, ein irakischer, ein serbischer und ein US-amerikanischer Tatverdächtiger ermittelt. Insgesamt sollen 22 von ihnen Asylbewerber sein.

Verwirrung um Zahl der Verdächtigen

Die Kölner Polizei führt aktuell nach eigenen Angaben (Stand: 08.01.2015) Ermittlungsverfahren gegen insgesamt 21 Tatverdächtige. Viele davon wurden zwar identifiziert, befinden sich aber nicht im Polizeigewahrsam. 170 Anzeigen sind inzwischen bei der Polizei eingegangen. Bei 117 davon geht es um sexuelle Gewalt. Demnach kamen seit Donnerstagmittag 49 neue Anzeigen hinzu. Der "Spiegel" berichtete am Freitagmittag, insagesamt sei die Zahl auf fast 200 gestiegen. Inwiefern sich die Angaben über die Personen, gegen die ermittelt wird, decken, ließ sich Freitagmittag nicht ermitteln. Weder Bundespolizei noch Kölner Polizei waren für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte dem WDR, umfassende Zahlen inklusive Personenfestellung der NRW-Polizei habe er nicht.

Offenbar waren auch Flüchtlinge aus Duisburg in Köln

Laut WDR-Informationen sollen in der Silvesternacht auch Flüchtlinge aus Duisburg nach Köln gereist sein. Wie der Duisburger Polizeisprecher Ramon van der Maart in einem Gespräch mit dem WDR sagte, habe die Polizei den Hinweis von einer arabisch sprechenden Frau bekommen. Sie soll angegeben haben, ein Gespräch unter Bewohnern einer Duisburger Flüchtlingseinrichtung mitgehört zu haben. Einige hätten sich darüber unterhalten, in der Silvesternacht ebenfalls am Kölner Hauptbahnhof gewesen zu sein. Auch Asylbewerber aus anderen umliegenden Städten sollen in der Silvesternacht in Köln gewesen sein.

Gestohlene Handys in Flüchtlingsheimen geortet?

Einem Bericht des "Spiegel" zufolge haben Ermittler auf der Suche nach gestohlenen Handys aus der Silvesternacht mehrere Geräte geortet. "In manchen Fällen führte deren Spur in Flüchtlingsheime oder deren unmittelbares Umfeld", heißt es dort. Eine Bestätigung von offizieller Seite steht noch aus.

Stand: 08.01.2016, 19:00