Darum solltet ihr nicht jeder Studie glauben

Wissenschaftler zeigt Studienergebnis

Darum solltet ihr nicht jeder Studie glauben

Von Vanessa Reske

  • Wirtschaftsunternehmen kaufen Studien.
  • Forscher verzerren Ergebnisse für Geld.
  • Medikamente helfen oft nur bei Ratten.

Viele Ernährungsstudien sind nicht belastbar

Je nach dem, welcher Studie man glaubt, ist Kaffee wahlweise krebserregend oder schützt vor Krebs. Eine Metaanalyse der amerikanischen Wissenschaftler Jonathan Schoenfeld und John Ioannidis zeigt, dass etwa 80 Prozent der amerikanischen Ernährungsstudien nicht wissenschaftlich belastbar sind und sich teilweise gegenseitig widersprechen. Wie kann das sein?

Grafik: Krebsstudien widersprechen sich.

Nicht eindeutig: Krebsstudien

Verzerrte Ergebnisse

Um mehr Geld für ihre Forschung zu bekommen, versuchen Wissenschaftler Ergebnisse zu veröffentlichen, die neu und weltbewegend sind. In der Realität sind die Erkenntnisse allerdings oft unspektakulär oder lassen mehr Fragen offen, als sie beantworten.

Die Versuchung ist groß, die Daten etwas zurechtzubiegen oder kleinste Tendenzen aufzubauschen – wie eine Verbindung zwischen Kaffee und Krebs.

Gekaufte Studien

Manche Umfragen deutscher Marktforschungsinstitute sind fast vollständig frei erfunden, hat eine Recherche des Magazins "Der Spiegel" aufgedeckt. Auch manche medizinische Studien zu schwerwiegenden Erkrankungen werden von Wirtschafts- und Pharmaunternehmen manipuliert. Sie bestechen Universitäten oder Marktforschungsinstitute mit großen Summen, um Studienergebnisse zu erstellen, die ihr Produkt hervorheben.

Menschen sind keine Ratten

Das Krebsmedikament RGFP966 hilft bei Alzheimer, haben Medien im Jahr 2015 getitelt und große Hoffnungen bei Patienten ausgelöst. Dieser Fall ist nur ein Beispiel für eine Reihe von Missverständnissen, die aufgrund von Tierversuchen zustande kommen. Denn: Das Medikament zeigte lediglich bei Ratten einen Erfolg. Es ist nicht belegt, dass es bei Menschen dieselbe Wirkung hat.

Oft werden Ergebnisse von Studien mit weniger als 20 Teilnehmern auf die gesamte Gesellschaft übertragen. Zum Beispiel basiert eine Untersuchung zum Krebspräparat Keytruda nur auf wenigen Interviews. Vor allem in der Marktforschung passiert das nach der "Spiegel"-Recherche häufig.

Wo sind die seriösen Studien?

Zwar ist es nicht immer einfach, gute von schlechten Studien zu unterscheiden. Es gibt aber einige Hinweise: In der Regel werden gute Studien von unabhängigen, renommierten Instituten durchgeführt und sie haben eine große Teilnehmerzahl, sind nicht finanziell beeinflusst und laufen über einen langen Zeitraum. Gibt es keine Informationen dazu, sollte man misstrauisch bleiben.

Stand: 02.03.2018, 16:30