"Restlos glücklich" mit dem, was andere wegwerfen

Wegwerf-Restaurant

"Restlos glücklich" mit dem, was andere wegwerfen

In Berlin gibt es Deutschlands erstes Restaurant, in dem fast ausschließlich Reste aufgetischt werden - um der Verschwendung entgegenzuwirken. Denn jährlich werden in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet.

Im Restaurant "Restlos Glücklich" in Berlin steht täglich ein anderes Essen auf der Karte. Am Wochenende sogar ein Drei-Gänge-Menü. Nichts Ungewöhnliches für ein Restaurant. Das Besondere: Was die Köche hier verarbeiten, sagt Leoni Beckmann, einer der Betreiberinnen, war ursprünglich mal für die Mülltonne bestimmt, hauptsächlich Gemüse. "Das wird halt möglicherweise ein bisschen schrumpelig oder ähnliches." Brot sei auch meist dabei. "Was mich sehr überrascht ist, dass wir fast immer Physalis bekommen. Diese kleinen orangenen Früchtchen. Das ist glaube ich so ein Ding, das relativ schnell aussortiert wird, und relativ schnell schlecht wird."

Noch kein Fleisch im Angebot

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Bananen, gerne auch mit Flecken

Zu den Spendern zählen ein Biosupermarkt und viele kleinere Produzenten. Sie geben ab, was abgelaufen oder unansehnlich geworden ist. Fleisch gibt es im Restlos Glücklich nicht – nicht aus Prinzip, sondern weil noch ein Handelspartner dafür fehlt.

Leoni Beckmann und ihre Mitstreiter arbeiten ehrenamtlich im "Restlos Glücklich". Sie eint der Wunsch der Lebensmittelverschwendung im Handel entgegenwirken. Jedes Jahr werden in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet. Das Team zeigt, dass vermeintliche Wegwerfware zu Gourmet-Gerichten verarbeitet werden kann.

Kreativität gefragt

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Gerichte aus Gemüse

Das sei allerdings mit ein wenig Mehraufwand verbunden, sagt Leoni Beckmann. "Wenn man sich jeden Tag etwas neues überlegen muss, dauert es viel länger als bei normalen Restaurants, bis man sich seine Wochenkarte zusammengebastelt hat." Und manchmal braucht es auch die ganze Kreativität der Köche. Wenn die sagen, 'jetzt hätte ich aber Bock auf Champignons', und das Team sagen muss: "gibts halt nicht, du musst dich mal wieder mit der Paprika begnügen und dir etwas neues ausdenken."

'Gemischte Blattsalate mit konfierter Topinambur auf Tomatenbrot, Kürbisbrotbratling an Würzelgemüse mit Paprikabulgur, Süßer Knödel mit Vanillesauce und Pflaumen-Apfelkompott', so könnte zum Beispiel eine Bestellung aussehen. Es sind Gerichte, die es locker mit dem Essen in jedem anderen Restaurant aufnehmen könnten. Trotzdem ist das Restlos Glücklich bisher Deutschlands einziges Resterestaurant.

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Hier wird aufgegessen

Modell für die Branche?

"Wenn einer sagt: Ich möchte das machen, heisst das nicht, dass es in einem anderen Betrieb auch funktionieren würde", sagt Christopher Lück vom Gaststättenverband Dehoga. "Es wird Betriebe und Kunden geben, die sagen: `Nein, ich möchte keine abgelaufenen Produkte verwenden. Ich möchte keine Kooperationen mit den Handelsketten.´"

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Resteverwertung auf hohem Niveau

Aber auch ohne feste Kooperationen mit Händlern sei die Branche seit jeher interessiert daran, Reste zu verwerten, sagt Lück. Um Geld zu sparen und weil es niemanden stört. Ist die Tomate erst in der Soße, merkt man nicht mehr, dass sie möglicherweise schrumpelig war. Wenn vom Apfel ein großer Teil weggeschnitten wird, merkt das auch niemand.

Gemeinnützig, aber nicht billig

Das Tagesmenü im "Restlos Glücklich" kostet 20 Euro. Nicht wenig, wenn man bedenkt, dass die meisten Lebensmittel geschenkt werden. Das Restaurant sei zwar gemeinnützig, also nicht auf Gewinnerzielung aus, sagt Leoni Beckmann. Dennoch werde das Geld dringend gebraucht, um andere Projekte zu finanzieren. Das Team veranstaltet Kochkurse und engagiert sich in Schulen, um gerade jungen Menschen einen weniger verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln beizubringen.

Autorin des Radiobeitrags ist Stephanie Eichler.

Stand: 14.12.2016, 10:50