Weltweit nur noch eine Zeitzone - ist das denkbar?

Weltweit nur noch eine Zeitzone - ist das denkbar?

Von Andreas Sträter

  • Weltweit ticken Uhren anders
  • Was passieren würde, wenn alle 39 Zeitzonen wegfielen
  • Wo es jetzt schon eine einheitliche Zeit gibt

Eine Zeitzone für alle. Das wäre durchaus möglich. Es müssten sich nur alle Länder darauf einigen, erläutert Johannes Graf vom Deutschen Uhrenmuseum. "Dafür spräche, dass man weltweit nur noch eine Zeit hätte", sagt Graf und ergänzt: "Bei Reisen müsste man die Uhr nicht mehr umstellen." Eine Weltzeit jedoch widerspreche unserem Alltagsverständnis, wonach dann immer Mittag ist, wenn die Sonne am höchsten steht.

Worauf Zeitzonen beruhen

Karte mit den Zeitzonen der Erde

Zeitzonen verlaufen selten linear

Darauf beruht auch unser jetziges Zeitzonensystem – zumindest im Wesentlichen. Die Erde wird in 24 Zeitzonen aufgeteilt, wobei jede Zeitzone aus 15 Längengraden besteht. Doch die meisten Zeitzonen verlaufen nicht von Pol zu Pol, sondern sie fransen westlich und östlich aus, weil sie teilweise entlang von Ländergrenzen verlaufen. Die Unregelmäßigkeiten haben also oft politische oder geografische Gründe.

Das hat zur Folge, dass aktuell 39 Zeitzonen benutzt werden. Manche Länder haben ihre eigene Zeit. Sie weichen zum Beispiel eine halbe Stunde  oder eine Viertelstunde von der koordinierten Weltzeit (UTC) ab. Dieser Nullpunkt, also der Bezugspunkt aller Zeitzonen, wurde bei der Washingtoner Längengradkonferenz im Jahr 1884 festgelegt. "Hier hat sich England gegen etliche Konkurrenten durchgesetzt", erklärt Andreas Bauch von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig.

Wer darf Gewohnheiten behalten?

Zu einem vergleichbaren Konflikt würde es auch kommen, wenn sich die Welt auf nur eine Zeitzone verständigen würde: "Die Bewohner einer Zone könnten ihre Gewohnheiten beibehalten, andere hätten eine ziemliche Umstellung zu ertragen", sagt Bauch.

Singapur, Stadtansicht bei Nacht

UTC weltweit: So würde es in etwa um 12 Uhr mittags in Singapur aussehen.

Nehmen wir an, es gebe nur noch die UTC. Wenn die Sonne in London mittags um 12 Uhr ihren höchsten Punkt erreicht, wäre es zu dieser Tageszeit in New York 7 Uhr (+5). In Singapur fiele der "gelernte Mittag" auf 19 Uhr (-7). Auf den Kopf gestellt wäre die Zeit in Neuseeland: Steht die Sonne in Wellington am höchsten, wäre dort Mitternacht (-12). Morgens, mittags, abends müssten neu definiert werden.

  • Nepal hat eine eigene Zeitzone und ist uns in Deutschland (Winterzeit) 4 Stunden und 45 Minuten voraus. Damit hat das Land eine Viertelstunde Unterschied zu Indien (+4:30 zu uns), obwohl es genau nördlich dazu liegt.
  • Afghanistan (+ 3:30 zu uns) leistet sich mit einem halbstündigen Rückstand auf Pakistan (+4) ebenfalls eine eigene Zeitzone. 
  • Australien hat drei Zeitzonen, in der Sommerzeit aber fünf. Die Bundesstaaten South Australia, New South Wales und Victoria gibt es eine Sommerzeit; in Western AustraliaNorthern Territory und Queensland nicht.

Sinnvolle Organisationseinheit

Die Weltzeituhr und der Fernsehturm, aufgenommen auf dem Alexanderplatz in Berlin

Mit der Uhrzeit verbinden wir auch hell und dunkel

Solche Gedankenspiele erschweren eine Umstellung: "Die Hell-Dunkel-Rhythmen bestimmen für uns Tag und Nacht und somit auch die Zeit", erläutert Zeitforscher Jürgen Rinderspacher: "Die Zeitzonen haben den Sinn, unser Alltagsleben sinnvoll zu organisieren und in diesem Sinne die Uhren kollektiv richtig zu stellen."

Uhren mit der aktuellen Zeit aus verschiedenen Zeitzonen in einer Lounge der Lufthansa am Frankfurter Flughafen

Die UTC ist in einigen Bereichen Standard.

In bestimmten Bereichen gibt es schon jetzt eine gemeinsame Zeit, die UTC. Das betrifft etwa weltumspannende Technik wie das Internet, den Flugverkehr, die Raumfahrt, aber auch bestimme Forschungsbereiche (etwa die Erdbebenforschung). Die gemeinsame Zeit dient dazu, sich besser miteinander verständigen zu können.

Stand: 21.12.2017, 06:00