Wahlcomputer gefährden die Demokratie

Verschlüsselung

Wahlcomputer gefährden die Demokratie

  • Ein Deutscher Wissenschaftler hat einen US-Wahlcomputer gehackt.
  • Dafür brauchte es nur eine Stunde, wegen erschreckender Sicherheitsmängel.
  • Experten halten moderne Wahlcomputer für ebenso anfällig.

Carsten Schürmann brauchte weniger als eine Stunde, um in den Wahl-Computer einzudringen. Der Professor lehrt an der Universität für IT in Kopenhagen. Er benötigte lediglich einen Laptop, um sich per WLAN mit dem Gerät zu verbinden. "Das Passwort war ABCDE", erzählt Schürmann dem ARD-Studio Washington. Es sei erschreckend gewesen, wie leicht es war, in das Herz des WinVote 2000 einzudringen, der in mehreren US-Bundesstaaten bis 2014 im Einsatz war.

Keine Sicherheitsupdates

Auf schwarzen Grund wird das Windows XP Logo dargestellt

Windows XP - Sicherheitslücken aus 13 Jahren

Die technischen Hürde sei extrem niedrig gewesen. Das Betriebssystem: Windows XP im Urzustand. Microsoft hatte die Unterstützung dafür Anfang 2014 endgültig eingestellt. Der "WinVote 2000" lief aber immer noch in einer Version, die praktisch den Sicherheitsstandards aus dem Jahr 2001 entsprach. Kein Sicherheitsupdate war installiert worden.

"Schlimmster Wahlcomputer aller Zeiten"

"Wenn man mal drin ist, sieht man Datenbanken, Geheimschlüssel, man hat vollen Zugang zu allen Daten", so Schürmann. Wählerstimmen lassen sich verändern wie in einem Schreib-Dokument. Der WinVote 2000 gilt deshalb als schlimmster Wahlcomputer aller Zeiten. Rund zehn Jahre war dieses Modell im Einsatz, zuletzt 2014 im Bundesstaat Virginia.

USA setzt seit vielen Jahren auf Wahlcomputer

Paswort hacken (ohne Kopf)

Hackerangriffe "aus dem russischen Umfeld"?

Wahlcomputer sind beinahe in allen Wahlkreisen der USA im Einsatz. Überraschenderweise räumen die Behörden auch ein, dass das Hacken der Geräte jederzeit technisch möglich sei. Sie bestätigen auch, dass während der vergangenen Präsidentschaftswahl Hackerangriffe stattgefunden haben, auf Wahlsysteme und Datenbanken.

"Hacker haben ihr Ziel erreicht"

Symbolbild : Hacker am PC sitzend

Glaubwürdigkeit von Wahlen ist erschüttert

Bei Anhörungen im Kongress kam auch heraus, dass es mehrere Attacken in den Bundesstaaten Illinois, Florida und Arizona gab. Angeblich aus dem russischen Umfeld. Damit hätten die Hacker ihr Ziel bereits erreicht, sagt der frühere FBI-Direktor John Brennan. "Deren erstes Ziel war es, die Glaubwürdigkeit und Richtigkeit des Wahlvorgangs in den USA auszuhöhlen."

Ernüchterndes Fazit des Experten

Hinter den Kulissen hat ein Nachdenken begonnen, wie Wahlergebnisse in den USA künftig besser geschützt werden können. Es soll modernere Wahlautomaten und gut verschlüsselte Netzwerke geben. Es bleibt jedoch ein Restrisiko, sagt Carsten Schürmann. "Die Wahlcomputer sind ganz generell nie sicher. Computertechnologie kann immer gehackt werden", so das ernüchternde Fazit. Das wichtigste sei deshalb auch, dass man hinterher wenigsten merken kann, ob man angegriffen worden sei oder nicht.

Autor des Radiobeitrags ist Marc Hoffmann.

Stand: 02.08.2017, 12:06