Streit um Peanuts bei der Kfz-Steuer

KFZ-Steuer

Streit um Peanuts bei der Kfz-Steuer

Für Neuwagen wird die Kfz-Steuer höher, weil der neue Abgastest WLTP in der Regel zu höheren CO2-Werten führt. Kein Grund zur Aufregung, meint Martin Gent. Denn Autofahren ist billig wie nie.

Tatsächlich ist es eine Steuererhöhung durch die Hintertür. Doch die allgemeine Empörung ("Höhere Kfz-Steuer für Millionen Auto-Käufer“, „50 Prozent mehr Kfz-Steuer für einen neuen BMW“, „ADAC fordert Entlastungen für Autofahrer") ist völlig übertrieben.

Den Ball flach halten - drei Argumente

Erstens führten geschönte Verbrauchswerte zu Ausfällen bei der Kfz-Steuer. Die Grünen-Fraktion im EU-Parlament rechnet vor, dass 2016 dem deutschen Fiskus 1,2 Milliarden Euro durch die Lappen gingen. Der neue Testzyklus WLTP mit realitätsnäheren CO2-Werten zieht nur gerade, was schief gelaufen ist.

Zweitens profitieren die Autofahrer vom billigen Sprit. Die Autokosten stiegen nach Angaben Landes NRW seit 2010 nur um 8 Prozent. Tickets im Nahverkehr wurden seitdem aber um 25 Prozent teurer. Wer möchte, dass Autofahrer auf Busse und Bahnen umsteigen, müsste umgekehrte Preissignale setzen.

Und drittens ist die Kfz-Steuer gemessen an den Gesamtkosten fürs Autofahren kaum der Rede wert. Der Beispiel-BMW („50 Prozent mehr Kfz-Steuer“) kostet mit allem laut ADAC 668 Euro im Monat, also 8000 Euro im Jahr. Wie skandalös ist es, wenn der neue BMW bei der Kfz-Steuer 52 Euro teurer kommt? Mehr ist es nämlich nicht.

Hohe Auto-Subventionen

Die Aufregung um 50 Euro mehr oder weniger Kfz-Steuer zeigt, wie schwierig die Diskussion über eine Verkehrswende werden wird. Selbst auf Kongressen der Autoindustrie höre ich, dass Autofahren subventioniert wird.

Ein Einstieg könnte die schrittweise Abschaffung des steuerlichen Dieselprivilegs sein. Ende 2017 von Ex-VW-Chef Michael Müller ins Spiel gebracht, jetzt wieder Präsidentin des Umweltbundesamts Maria Krautzberger gefordert. In Pkw-Dieseltanks fließen rund vier Milliarden Euro Steuervorteil pro Jahr, also rund 250 Euro pro Auto. Die Angaben, wie stark der Autoverkehr insgesamt subventioniert wird, schwanken stark, liegen aber etwa beim Zehnfachen dieser Summe, also 2500 Euro pro Auto.

Autofahren wird teurer werden müssen

Der Berliner Thinktank Agora Verkehrswende hat Ende August eine Studie vorlegt. Danach funktioniert Klimaschutz im Verkehr nur mit sehr viel weniger Autos, sehr hohe Kraftstoffsteuern und Straßenbenutzungsgebühren.

Sieht alles so aus, als würde Autofahren teurer werden müssen. Wer klug ist, stellt sich schon jetzt drauf ein und kauft nach Möglichkeit ein kleines, sparsames Modell. Dann bleibt auch die Steuer im Rahmen.

Hier schreibt Martin Gent, Redakteur und Reporter in der WDR-Wissenschaftsredaktion. Als Mobilitätsexperte ist er stets auf der Suche nach Perspektiven für den Verkehr von morgen.

Abgastests werden nur ein wenig besser WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 31.08.2018 06:31 Min. Verfügbar bis 31.08.2023 WDR 5

Um zu messen, wie viel Kraftstoff ein Auto verbraucht und ob es die Abgasgrenzwerte einhält, schreibt der Gesetzgeber genormte Prüfverfahren vor. Für Neuwagen gilt aber ab morgen (01.09.2018) ein neues Messverfahren - kann das was? - AutorIn: Martin Gent

Stand: 03.09.2018, 12:00