Uber-Unfall unvermeidbar?

Nach tödlichem Unfall: Wie sicher sind autonome Autos?

Uber-Unfall unvermeidbar?

Ein selbstfahrendes Auto von Uber tötet einen Menschen. Der Unfall sei nicht "unvermeidbar" gewesen, sagt die Polizei. Und auch Martin Gent meint: Im Zweifel langsamer.

Den Unfall verursachte ein von Uber zum Roboterauto umgebauter Volvo-SUV. Uber träfe wohl keine Schuld, war schon kurz nach dem Unfall zu lesen. Zu unvermittelt hätte die 49-Jährige die Straße überquert. Möglicherweise hätte auch ein menschlicher Fahrer die Radfahrerin Elaine Herzberg überrollt. Keine Schuld? Niklas Maak stellte am Mittwoch (21.03.18) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung richtige Fragen: "Wenn dort ein uneinsehbarer Busch gewesen wäre - warum drosselte der Algorithmus den Zweitonner nicht auf 30 Stundenkilometer? Das Auto erfasste die Frau nämlich mit 64 Stundenkilometern, erlaubt waren 56."

Etwas mehr Tempo, viel mehr Wucht

Ein Unterschied von 8 km/h ist keine Lappalie. Die Aufprallenergie ist 30 Prozent höher. Wobei auch 56 ja die Höchstgeschwindigkeit ist und kein Freibrief unter allen Umständen 56 fahren zu dürfen. Schlechte Sicht, Passanten, Glätte, blendender Gegenverkehr - es gibt viele gute Gründe langsamer zu fahren, fahren zu müssen. Bei Tempo 30 hätte Elaine Herzberg vermutlich überlebt.

Hat die Elektronik was "übersehen"?

Porträtfoto von Martin Gent

Martin Gent

Eine Auswertung des Fahrzeug-Videos legt inzwischen nahe, dass die Verunglückte mehrere Fahrspuren überquerte, bevor sie vom Uber-SUV erfasst wurde. Für Prof. Dr. Raúl Rojas von der FU Berlin deutet alles "auf Versagen der Uber-Sensorik und -Programmierung hin". Das Video zeige eindeutig, dass die Passantin nicht erkannt wurde, "nicht mal als sie bereits vor dem Auto stand". Damit wäre der Unfall möglicherweise doch vermeidbar gewesen.

StVO fordert "Fuß vom Gas"

In ein oder gar zwei Tonnen Blech steckt Gefahr. Juristen sprechen von Betriebsgefahr und Gefährdungshaftung. Für Unfallfolgen müssen Autofahrer u.U. haften, auch wenn sie aus ihrer Perspektive (fast) alles richtig gemacht haben. Das gilt besonders gegenüber "verkehrsschwachen" Personen, sagt die Straßenverkehrsordnung. Man muss so fahren, dass eine Gefährdung von Kindern, Hilfsbedürftigen und älteren Menschen ausgeschlossen ist, "insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft".

Zu milde Strafen?

In vielen Gerichtsurteilen tritt die "Betriebsgefahr des Pkw" hinter dem Fehlverhalten zum Beispiel eines Radfahrers zurück. Heinrich Strößenreuther vermutet eine "Autojustiz". Der Verkehrsberater arbeitet für die Agentur "Clevere Städte" und ist Initiator des "Volksentscheid Fahrrad" – und damit auch des neuen Berliner Mobilitätsgesetzes. In einem Zeitungsinterview berichtet Strößenreuther von einem Unfall aus dem Jahr 2014, bei dem ein Radfahrer zu Tode kam. Der Lkw-Fahrer sei wegen "fahrlässiger Tötung" zu nur 5.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden, obwohl die Ampel für ihn schon vier Sekunden Rot zeigte und der Radfahrer Grün hatte.

Immerhin: Wenn es um Raser geht, gibt es inzwischen härtere Strafen. Am Donnerstag (22.03.2018) schickte das Kölner Landgericht zwei Autofahrer für Jahre ins Gefängnis – ohne Bewährung. Sie hatten 2015 bei einem illegalen Autorennen den Tod einer Radfahrerin verursacht.

Hier schreibt Martin Gent, Redakteur und Reporter in der WDR-Wissenschaftsredaktion. Als Mobilitätsexperte ist er stets auf der Suche nach Perspektiven für den Verkehr von morgen.

Stand: 23.03.2018, 12:12