Solarflieger überquert den Atlantik

Solarflieger überquert den Atlantik

Von Andreas Sträter

Kurz vor dem großen Finale muss der Solarflieger aus der Schweiz seine letzte schwierige Herausforderung meistern – den Flug über den Atlantik. Route und Ankunftsort müssen wegen Wind und Wetter ständig angepasst werden. Ziel ist die Stadt Sevilla in Spanien.

Bertrand Piccard sieht sich kurz vor dem Finale seiner Weltumrundung wie in einer Science-Fiction-Story. "Du schaust zur Sonne und begreifst: Sie ist deine einzige Energiequelle", sagt der Pilot, der zusammen mit seinem Kollegen André Borschberg in dem sonnenbetriebenen Leichtflugzeug "Solar Impulse 2" bereits zwei Drittel der Welt umrundet hat. Am Montagmorgen (20.06.2016) ist Piccard zu seiner letzten großen Etappe aufgebrochen. In drei Tagen und drei Nächten soll ihn der Flug über den Atlantik in Richtung Europa tragen, sagte ein Sprecher in Lausanne dem WDR. Von der Stadt Sevilla in Spanien soll der Solarflieger schließlich zurück zum Startpunkt Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten fliegen.

Der Pilot Andre Borschberg wirkt aus "Solar Impulse 2"

Pilot Borschberg muss flexibel sein

Beim Flug über den Atlantik spielen Faktoren wie das Wetter, Temperaturen, Strömungen oder Winde entscheidende Rollen. Tagsüber muss der Flieger genug Sonne tanken, damit die Batterien nachts aufgeladen sind. Meteorologen, Ingenieure und Mathematiker in einem Kontrollzentrum in Monaco berechnen die Route, halten die beiden Piloten auf Kurs und stehen mit ihnen in permanentem Kontakt. Zusätzlich werden die Piloten von einem 120-köpfigen Team vor Ort unterstützt. "Das Projekt ist auf Unsicherheiten, Unberechenbarkeit und Flexibilität aufgebaut", sagte ein Sprecher dem WDR. Die Crew hat aber bei ihrem Flug um den Globus schon reichlich Erfahrung sammeln können; etwa bei dem 62-stündigen Pazifiküberflug.

Ankunftsort steht noch nicht fest

Nach einer Zwangspause und einer mehrmonatigen Reparatur wegen eines Batterieschadens in Hawaii sowie unvorhersehbaren Wettermustern hat sich das Team zu einer Strategie-Änderung entschieden. Bei schwierigen Etappen – wie bei einem Ozeanüberflug – werden die Ziele erst während des Flugs benannt. So können Pilot und Team viel flexibler agieren. Weil die Wind- und Wetterbedingungen über dem Atlantik so schwierig einzuschätzen sind, gab das Team des Solarfliegers die Stadt Sevilla als endgültiges Ziel in Europa erst am Sonntag (19.06.2016) kurz vor Abflug der 15. Etappe bekannt. Zur Auswahl standen auch Irland, Frankreich, Portugal oder Marokko.

Pioniere wie einst die Gebrüder Wright

Selfie Solarflieger

Solarpilot Borschberg im Selfie

Aktuell liegen die Pioniere ein bisschen hinter dem Zeitplan. Beim Überflug über die USA hielten Gewitter und Regenschauer den mit 17.000 Solarzellen ausgerüsteten Einsitzer immer wieder am Boden. Umso größer sei das Interesse der Menschen an dem Solarprojekt gewesen, sagt Pilot André Borschberg. Er habe in den Vereinigten Staaten einen Innovationsgeist spüren können: "Sei es in Silicon Valley, dem Zentrum für technologische Innovation oder in Dayton (im US-Bundesstaat Ohio), dem Zuhause der Wright Brothers – Luftfahrtpioniere, die das erste Flugzeug konstruiert haben." Als die Gebrüder Wright zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals in die Luft gingen, war der gesteuerte Flug mit Motor eine Sensation. Über 100 Jahre später ist es allein die Kraft der Sonne, die einen Flieger mit 72 Metern Spannweite über den Wolken hält.

Eine Herausforderung wird der lange Flug vor allem für den Piloten. Piccard darf nicht länger als 20 Minuten schlafen. So soll sicher gestellt werden, dass sich der Pilot ausruhen kann und gleichzeitig bei einer Gefahr schnell reagieren kann, teilte ein Sprecher mit. Beim Überflug von Städten durfte der jeweilige Pilot aus Sicherheitsgründen gar nicht einschlafen.

Weltumrundung kostet 89 Millionen Euro

Solarflieger, Hawaii

Solarflieger über der hawaiianischen Inselwelt

Der Flug der "Solar Impulse 2" um die Erde soll Aufmerksamkeit auf erneuerbare Energien lenken. Die Kosten des Projekts belaufen sich Schätzungen zufolge auf mehr als 100 Millionen Dollar. Das sind etwa 89 Millionen Euro. Die Reise begann im März vergangenen Jahres in Abu Dhabi. Weitere Stationen waren Oman, Myanmar, China, Japan und die USA.

Stand: 20.06.2016, 09:00