Solarflieger hebt wieder ab

Solarflieger, Hawaii

Solarflieger hebt wieder ab

Von Andreas Sträter

Einmal um die Welt, aber ohne einen Tropfen Treibstoff – das ist der Traum von zwei Schweizer Piloten. Nach der Hälfte der Strecke mussten sie im vergangenen Jahr eine Zwangspause einlegen. Jetzt kann der Traum vom großen Abenteuer weitergehen.

Der Solarflieger aus der Schweiz geht wieder in die Luft. Acht Monate musste das Flugzeug in einem Hangar auf Hawaii überwintern, weil sich die Batterien auf der Pazifik-Überquerung überhitzt hatten. Frühestens am 15. April könne es – bei einer ruhigen Wind- und Wetterlage – weitergehen, teilte ein Sprecher des "Solar Impulse"-Teams auf Hawaii dem WDR mit. Ab Mitte April sind die Tage wieder lang genug, so dass das Flugzeug ausreichend Sonnenkraft für die Nacht tanken kann.

Das Ziel der Solar-Abenteurer Bertrand Piccard und André Borschberg ist die Weltumrundung ohne ein Tröpfchen fossilen Treibstoff. 20.000 Kilometer haben die beiden seit ihrem Start in Abu Dhabi bereits zurückgelegt. Die Pioniere mussten exakt auf der Hälfte ihres großen Abenteuers eine Zwangspause einlegen. Die Batterien, die den Flieger auch tagsüber über den Wolken halten, hatten auf dem Weg von Japan nach Hawaii bei zu steilen Aufstiegen zu viel Hitze abbekommen. In den vergangenen Monaten wurden Batterien und Kühlsystem ausgetauscht. Die ersten Probeflüge liefen problemlos.

Von vielen Faktoren abhängig

Solarflieger, Hawaii

Probeflug über die hawaiianische Inselwelt

Die Weltumrundung mit dem Solarflugzeug ist sehr anfällig. Faktoren wie das Wetter, Strömungen, Temperaturen oder Winde spielen eine Rolle. Deshalb werden die beiden Piloten von einem 120-köpfigen Team vor Ort und einem Kontrollzentrum in Monaco unterstützt. Meteorologen, Ingenieure und Mathematiker berechnen in enger Abstimmung die Flugroute und mögliche Startfenster. Berücksichtigt wird außerdem, wie Seitenwinde oder Rückenwinde den Flug beeinflussen. "Für das Team ist das oft sehr schwierig, weil das Projekt auf Unsicherheiten, Unberechenbarkeit und Flexibilität aufgebaut ist", sagte ein Sprecher. Es sei üblich eine Entscheidung am Montag zu treffen, am Mittwoch zu ändern und am Freitag zu hinterfragen.

Weil die Wettermuster immer weniger berechenbar seien, werde die Crew ihre Strategie für den zweiten Teil der Weltumrundung ändern, teilte ein Sprecher mit. Die Routen und ihre Zielpunkte sollen nun flexibler gestaltet werden, so dass nicht mehr festgelegt werden muss, wo genau der Flieger landen wird. "Wir haben uns entschieden, Optionen offen zu halten", sagte ein Sprecher. Die zweite Pazifik-Etappe wird demnach zwar an der Westküste der Vereinigten Staaten enden. Ob der Flieger letztlich in Phoenix, Los Angeles oder San Francisco landen wird, soll allerdings offen bleiben.

Spannweite wie bei einem Jumbo

Das Leichtflugzeug wird auf seiner Reise von mehr als 17.000 Solarzellen angetrieben. Der Flieger ist deshalb so leicht, weil er aus Karbonfaser-Bauteilen besteht, die vor allem in der Luftfahrt – zum Beispiel in Boeings "Dreamliner" – verbaut werden. Angetrieben wird das Flugzeug von vier Elektromotoren. Der Solarflieger erreicht eine Geschwindigkeit von rund 70 km/h. Mit 72 Metern hat er eine größere Spannweite als ein Jumbojet (Boeing 747), wiegt aber gerade so viel wie ein Mittelklassewagen.

Solarflieger Hawaii

Die Piloten Borschberg (links) und Piccard heben bald wieder ab

Das Flugzeug ist nicht nur aufgrund seiner enormen Flügelspannweite anfällig. Hinzu kommt der Faktor Mensch. Die Piloten, von denen immer nur einer mit dem Solarflieger in der Luft sein kann, dürfen in dem 3,8 Meter großen Cockpit nur jeweils 20 Minuten am Stück schlafen. In dieser Zeit übernimmt der Autopilot. Betrand Piccard wird das Flugzeug Mitte April an die amerikanische Westküste steuern. Er bereitet sich mit Hypnose auf den viertägigen Flug vor: "So kann ich mich von Stresssituationen innerhalb kurzer Zeit beruhigen und Entspannung finden", sagt er.

Über New York wieder nach Abu Dhabi

Für die Pioniere geht der große Traum im kleinen Cockpit nun also weiter. Von der Westküste aus geht es über New York und den Atlantik nach Europa, bevor "Solar Impulse" wieder in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten landen soll. Mit ihrer Weltumrundung wollen Borschberg und Piccard für erneuerbare Energien werben.

Stand: 30.03.2016, 06:00