Solarflieger glücklich in Hawaii gelandet

Der Pilot Andre Borschberg wirkt aus "Solar Impulse 2"

Langstrecken-Rekord eingestellt

Solarflieger glücklich in Hawaii gelandet

Noch nie hat ein Solarflugzeug eine so weite Strecke zurückgelegt: Nach fast fünf Tagen und fünf Nächten in der Luft ist der Schweizer André Borschberg am Freitag (03.07.2015) in Hawaii gelandet. Bei seinem Flug über den Pazifik durfte der Pilot nie länger als 20 Minuten schlafen.

Gegen 16.00 Uhr deutscher Zeit meldete das "Solar Impulse"-Team in Hawaii per Twitter den ersten Sichtkontakt. Zwei Stunden später setzte das Solarflugzeug auf dem Rollfeld des Flughafens Kalaleola auf. Dort wurde Borschberg von Kollegen, Freunden und seiner Familie in Empfang genommen. Zum Begrüßungskomittee gehörte auch sein Partner Bertrand Piccard, der bei der Weltumrundung des Solarfliegers bei der anderen Hälfte der geplanten Etappen am Steuer sitzt. "Ihm geht es sehr, sehr gut", sagte Elke Neumann vom "Solar Impulse"-Team in Hawaii dem WDR. Der Pilot habe alle Strapazen des Fluges offenbar ohne größere Blessuren überstanden. "Wahrscheinlich braucht er zunächst einmal eine Massage", meinte sie weiter. Eine ärztliche Behandlung werde aber wohl nicht nötig sein. Bei den Helfern herrsche "absolute Partystimmung" über den "wahnsinnigen Erfolg".

Twittermeldungen aus dem Cockpit

Solar Impulse 2, Skyline "Hawai"

Die "Solar Impulse 2" beim Landeanflug auf Hawaii

Auf der Strecke über den Pazifik brach Borschberg nach Angaben seines Teams den Rekord für den längsten Alleinflug, den Steve Fossett vor neun Jahren mit einem konventionellen Antrieb aufgestellt hatte. Der Pilot hatte sich in den vergangenen Tagen immer wieder per Twitter aus dem Cockpit gemeldet - meistens euphorisch, trotz der belastenden Bedingungen. "Ich liebe es", twitterte der 62-Jährige, es sei der "Flug meines Lebens". Ganz ohne Probleme war der Flug aber offenbar doch nicht verlaufen. Der Pilot sei "müde" und habe in 2.400 Meter Flughöhe mit Turbulenzen zu kämpfen, hieß es zuletzt in einer Twitter-Nachricht der Organisatoren, die am letzten Tag des Fluges abgesetzt wurde. "Die Lage ist schwierig."

Nach einer außerplanmäßigen Landung auf dem Flughafen von Nagoya in Japan hatte sich die "Solar Impulse 2" am Montagmorgen (29.06.2015) auf den Weg nach Hawaii gemacht. Ursprünglich sollte der Sonnenflieger von Nanjing im Osten Chinas bis nach Hawaii fliegen. Doch unerwartet schlechtes Wetter über dem Pazifik hatte Borschberg zur Zwischenlandung gezwungen. Der Flug über den Pazifik war nicht nur die längste Etappe der "Solar Impulse 2", sondern auch die anspruchsvollste. Weil es auf der mehreren Tausend Kilometer langen Strecke keine Möglichkeit für eine Zwischenlandung gab, hätte ein plötzlicher Wetterumschwung große Probleme hervorrufen können. Borschberg hatte sich mit Yoga und Meditation auf die Strapaze vorbereitet. Diese Methoden waren auch während des Flugs in dem 3,8 Quadratmeter großen Cockpit wichtig, weil der Kapitän nur 20 Minuten am Stück schlafen durfte.

Weltumrundung soll im August enden

Andre Borschberg (Pilot), Solar Impulse 2

Selfie aus dem Cockpit: André Borschberg

Das allein mit der Kraft der Sonne betriebene Flugzeug war am 9. März 2015 in Abu Dhabi gestartet. Die Reise führte es bisher über Oman, Indien, Myanmar und China, Japan. Von Hawaii aus soll "Solar Impulse 2" nun die USA überqueren. Bis Ende August soll die 35.000 Kilometer lange Reise um die Welt noch laufen. Angetrieben wird der aus Karbonfasern konstruierte, nur 2,5 Tonnen schwere Flieger von mehr als 17.000 Solarzellen. Vier Elektromotoren mit Propellern halten das Flugzeug, dessen Flügelspannweite etwa der eines Airbus A380 entspricht, in der Luft. Höhere Geschwindigkeiten als 70 Stundenkilometer sind noch nicht möglich.

Stand: 03.07.2015, 19:27