Rekordflug über den Pazifik

Solarflieger auf dem Weg nach Hawaii

Rekordflug über den Pazifik

Von Andreas Sträter

Noch nie ist ein Solarflugzeug so weit geflogen. Am Abend des 3. Juli will der Pilot André Borschberg in Hawaii landen. Dann hat er den Pazifik von Japan aus in fünf Tagen überquert, in denen er nie länger als 20 Minuten schlafen durfte.

"Schon die Hälfte von dem geschafft, was wahrscheinlich der Flug meines Lebens ist! Ich liebe es!", schrieb Borschberg am Mittwoch (01.07.2015) aus dem Cockpit über den Kurznachrichtendienst Twitter. Nach einer außerplanmäßigen Zwischenlandung auf dem Flughafen von Nagoya in Japan hatte sich der Schweizer Solarflieger "Solar Impulse 2" am Montagmorgen (29.06.2015) auf den Weg nach Hawaii gemacht. Für die Strecke werde der 62 Jahre alte Pilot André Borschberg fünf Tage und fünf Nächte in der Luft sein, sagte Sprecherin Elke Neumann gegenüber dem WDR. So weit ist noch kein Solarflugzeug geflogen. "Die Strecke ist extrem schwierig, da sich das Wetter über einen so langen Zeitraum immer wieder verändern kann."

Ursprünglich sollte der Sonnenflieger von Nanjing im Osten Chinas bis nach Hawaii fliegen. Doch unerwartet schlechtes Wetter über dem Pazifik zwang Borschberg zur Zwischenlandung in Japan. Während der frühere Militärpilot nach dem 44-stündigen Flug in guter Form war, machte sich das Team Sorgen um das Flugzeug, das 24 Stunden auf dem Flughafen im Freien stehen musste. Dabei sei die rechte Tragfläche beschädigt worden, so Neumann. Im mobilen Hangar hätten die Ingenieure den Flügel reparieren können und das Flugzeug so für die nächste Etappe der Weltumrundung startklar gemacht.

Mit dem Wind im Rücken

Der Flug von Japan über den Pazifik nach Hawaii gilt als das schwierigste Stück der Strecke, weil die Wetterlage über dem Ozean schwer vorauszusagen sei, erklärt Haley McInnis vom "Solar Impulse"-Team in der Schweiz. Um Energie zu sparen und die Strecke in fünf Tagen bewältigen zu können, sei Rückenwind (tailwinds) von Vorteil, so McInnis. In einem Kontrollzentrum in Monaco würden solche Einflüsse im Vorfeld berechnet. Auch die Erkenntnisse aus dem ersten Teilstück fließen in die Berechnung für den nächsten Flug ein.

Borschberg habe sich in Japan zunächst für ein paar Tage zurückgezogen, erläutert Sprecherin Elke Neumann, die zu dem Bodenteam gehört, das dem Sonnenflieger folgt. "Die Tage in Japan waren sehr hektisch, es musste viel koordiniert werden", sagte sie dem WDR. Borschberg habe sich mit Yoga und Meditation vorbereitet. Diese Methoden sind auch während des Flugs in dem 3,8 Quadratmeter großen Cockpit essentiell, zumal der Kapitän nur 20 Minuten am Stück schlafen darf.

Yoga-Tipps per Videochat

"Die Übungen erhöhen die Blutzirkulation in den lebenswichtigen Organen und halten den Piloten wach, der sich so auf das Fliegen konzentrieren kann", erklärt Haley McInnis in Lausanne. Während des Flugs könne sich Borschberg zudem über eine Videochatkonferenz mit einen Yogalehrer beraten. Der Pilot ist alleine im Flugzeug, löst sich allerdings auf der Weltumrundung mit dem zweiten Piloten, Bertrand Piccard, ab. Die Weltumrundung mit dem Sonnenflieger ist am Ende aber nicht nur eine technische, sondern vor allem eine menschliche Herausforderung.

Stand: 01.07.2015, 11:30