Mehr Pferde für die Waldarbeit

Forstmitarbeiter mit Rückepferd im Wald

Mehr Pferde für die Waldarbeit

Von Susanne Schnabel

In unseren Wäldern sollten mehr "Rückepferde" eingesetzt werden, fordert die Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ) bei den Kaltblut-Info-Tagen am Freitag (07.10.2016) im sauerländischen in Medebach-Berge. Die Schwergewichte sind Umweltschoner.

Ein Maschinenfahrer fällt und zersägt mit einem Harvester eine Kiefer

Ein "Harvester" im Einsatz

Rückepferde "rücken" das Holz im Wald - daher ihr Name. Die vierbeinigen "Waldarbeiter" belasten den Boden nicht so stark wie schwere Maschinen, machen weniger Lärm und brauchen weniger Platz. Die Mechanisierung in der Holzwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg machte die Arbeit der Rückepferde weitgehend überflüssig. Doch nun besinnt man sich wieder auf die sanften, starken Arbeitstiere, die vom sogenannten Pferderücker ausgebildet und im Wald begleitet werden.

Der Dachverband der Waldeigentümer (AGDW) setzt sich für die Erhaltung der traditionsreichen Branche ein. "Die Pferdrücker werden gebraucht: Sie sind auf sensiblen Standorten bestens geeignet, da sie den Waldboden schützen", sagt AGDW-Präsident Philipp zu Guttenberg. Vollerntemaschinen, sogenannte Harvester, verdichten den Waldboden mehr als Pferde. Das Regenwasser versickert schlechter und die Baumwurzeln bekommen weniger Sauerstoff. Rückepferde können in unwegsamem Gelände arbeiten, wo Harvester nicht mehr weiterkommen.

IGZ wünscht sich Förderung der Pferdebesitzer

Zwar gebe es gewisse Förderungen für den Einsatz von Pferden im Wald, aber hier gebe auf jeden Fall Verbesserungsbedarf, sagt Elmar Stertenbrink, Bundesvorsitzender der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ): "Zurzeit erhält der Waldbesitzer unter gewissen Umständen eine Fördersumme von Land oder EU. Die Interessengemeinschaft Zugpferde wünscht sich, dass die Pferdebesitzer gefördert werden". Dass dies der sinnvollere Weg sei, habe sich zwischen 2003 und 2006 gezeigt, als es in NRW eine solche Förderung gab und die Rückepferde Hochkonjunktur hatten.

Zwölf Unternehmen in NRW haben Rückepferde

Rückepferd im Einsatz

Nicht alle Pferderassen sind geeignet

Insgesamt bieten deutschlandweit rund 60 registrierte Rückebetriebe diese Dienste an, in NRW sind es zwölf. Eine davon ist "Die Starke Truppe", die gerade im Dinslakener Wald unterwegs ist. "Wir haben vor fünf Jahren schon mal sehr gute Erfahrung mit Rückepferden gemacht, deshalb haben wir auch jetzt wieder das Team aus Alpen engagiert", sagt Horst Dickhäuser, Sprecher der Stadt Dinslaken über den tierischen Einsatz. "Die Starke Truppe" aus dem niederrheinischen Alpen besteht aus dem Ehepaar Georg Stevens und Nicola Basten sowie ihren beiden Rückepferde Sam und Sepp. "Wir werden öfters von Kommunen gebucht, kürzlich waren wir noch in Mönchengladbach. Aber auch private Wald- und Gartenbesitzer buchen uns", sagt Stevens. Überall da, wo die Maschinen nicht durch passen und der Waldboden geschont werden soll, kommen ihre Pferde zum Einsatz. Die Kosten werden je nach Auftrag berechnet. "Meine Frau und ich haben uns das alles selber beigebracht und bieten unsere Pferde seit 2010 an. In der Pferderücker-Szene tauscht man sich aus und hilft sich gegenseitig", so Stevens.

Schlaue schwere Pferde sind geeignet für die Waldarbeit

Die Pferde, die im Wald eingesetzt werden, müssen gewisse körperliche und charakterliche Anforderungen erfüllen: Sie müssen mindestens 700 Kilogramm wiegen. Bringen sie mehr als 1.000 Kilogramm auf die Waage, fehlt meist die notwendige Wendigkeit - vor allem in bergigem Gelände. Die Pferde haben eine ausgeprägte Muskulatur und starke Gelenke. Innere Wesensmerkmale sind ein ausgeglichenes, ruhiges, fast phlegmatisches Temperament, gute Lernfähigkeit, gute Nerven und Geschicklichkeit, bedingungslose Zuverlässigkeit für sicheres Arbeiten und eine hohe Anpassungsfähigkeit. Geeignete Rassen sind Kaltblüter, schwere Warmblüter, Kleinpferderassen und verschiedene Kreuzungen.

Dankbarkeit gegenüber dem Tier

Rückepferd im Einsatz

Stertenbrink: "Enge Beziehung zwischen Mensch und Pferd"

Generell sei gegen die Arbeit der Pferde nichts einzuwenden: "Aus Tierschutzsicht gelten die selben Dinge, wie für Sportpferde. Die Pferde müssen artgerecht gehalten werden, ordentlich und gewaltfrei ausgebildet werden und dürfen körperlich und seelisch bei der Arbeit nicht überfordert werden", erklärt der Tierschutzbund Deutschland zu dem Thema. Moderne Pferderücker seien sich der Verantwortung sehr wohl bewusst, sagt Elmar Stertenbrink: "Es entwickelt sich eine Enge Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Ich für mich kann sagen, ich empfinde eine Dankbarkeit gegenüber dem Tier, weil es mit seiner Kraft Dinge schafft, die wir Menschen nicht hinbekommen."

Stand: 07.10.2016, 15:00