Kostenwahrheit statt Nulltarif

Archiv: Ein Bus fährt durch eine Unterführung , Nahverkehr

Kostenwahrheit statt Nulltarif

Von Martin Gent

Die Übergangsregierung schlägt vor, in fünf Städten testweise den öffentlichen Nahverkehr kostenlos anzubieten. Lieber mehr Qualität und ehrliche Preise fürs Autofahren, meint Martin Gent.

Keine Frage: Im Vergleich zum Auto sind Busse und Bahnen zu teuer, gerade in NRW. Eine Tankfüllung kostet nicht mehr als 2010, die Ticketpreise stiegen aber seitdem um 25 Prozent. Für 70 Nahverkehrs-Kilometer von Aachen nach Köln muss man 17,50 Euro in den Automat werfen. Für wenig mehr kommt man mit einem Sparpreis-Schnäppchen der Bahn oder dem Fernbus bis nach München.

Abschreckend hohe Preise

Dem Preis-Leistungs-Verhältnis geben die Kunden die Schulnote 4 – und die Verkehrsunternehmen nehmen das einfach so hin. Man kann den Eindruck gewinnen, mehr Kunden wären unerwünscht.

ÖPNV-Vorbild Schweiz

Was wir brauchen, ist eine Revolution bei Bus, Bahn und Verkehrsbetrieben: Schnell mehr Kapazität! Statt eines teuren Elektrobusses fürs gleiche Geld lieber drei saubere Dieselbusse – für ein enges Netz, dichte Takte und schnelle Verbindungen. Nahverkehr muss verlässlich sein und flächendeckend. Dann funktioniert es wie in der Schweiz, wo jeder Eidgenosse mehr als doppelt so viel fährt wie bei uns.

Ende mit Auto-Subventionen

Es braucht Tarife, die nicht abschrecken. Ein Nulltarif klingt zwar verlockend einfach und könnte sogar bezahlbar sein. Zum Beispiel, indem man die acht Milliarden Dieselsubventionen umschichtet und noch einmal die Hälfte drauflegt. Aber: Auch Busse und Bahnen haben Nebenwirkungen. Deshalb bin ich für Kostenwahrheit im Verkehr: Nahverkehr wird billiger, aber kein Gratisangebot. Und, keine Frage: Kostenwahrheit trifft Autofahrer: Hier müssten die Preise steigen.

Hier schreibt Martin Gent, Redakteur und Reporter in der WDR-Wissenschaftsredaktion. Als Mobilitätsexperte ist er stets auf der Suche nach Perspektiven für den Verkehr von morgen.

Stand: 14.02.2018, 12:00