Mülldeponien - Endlager mit Risiken und Nebenwirkungen

Deponie Eyller Berg

Mülldeponien - Endlager mit Risiken und Nebenwirkungen

Von Marion Kretz-Mangold

  • Deponien für Hausmüll, Asche und Dioxin
  • Neue Deponien müssen strengen Vorgaben entsprechen
  • Alte "Bürgermeisterkippen" belasten oft die Umwelt

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es dem Landesumweltamt NRW zufolge 432 Deponien, die aktiv sind oder gerade stillgelegt werden. Die meisten gehören zur Deponieklasse I und II.

Bauschutt, Fäkalien und giftiger Bohrschlamm

  • Deponien der Klasse I nehmen ungefährlichen Bauschutt und andere organische Abfälle mit einem geringen organischen Anteil auf, aber auch - eine NRW-Besonderheit - sehr viele Reststoffe aus dem Braunkohletagebau.
  • Normaler Hausmüll, Fäkalien oder Abfälle aus Arztpraxen werden als "Siedlungsabfälle" auf Deponien der Klasse II gelagert.
  • Auf oberirdischen Deponien der Klasse III, von denen es 18 gibt, liegen Sonderabfälle, die krebserregend oder infektiös sein können.
  • Deponien der Klasse IV, also solche unter Tage, gibt es in NRW nicht.

Gefahr durch Sickerwasser und Gase

Deponiegasschacht in Hünxe

Eine von mehr als 400 Deponien im Land

Deponien stehen, soweit sie bekannt sind, immer unter Beobachtung, weil sie eine ständige Gefahrenquelle sind. Das gilt vor allem für die alten Anlagen. Dabei drohen viele Gefahren vom Müll selbst, sie entstehen aber auch durch die Lagerung auf der Deponie.

Schwermetalle

Schwermetalle, etwa Quecksilber, wandeln sich zu wasserlöslichen Salzen um, die ins Grundwasser gelangen können. Wegen der Umstellung der Batterieproduktion machen sie auf modernen Deponien nur noch einen kleinen Teil aus, sind aber auf älteren Anlagen ein Problem.

Sickerwasser

Schadstoffe können mit dem Sickerwasser ins Erdreich gelangen. Das entsteht durch Niederschläge, durch die eigene Feuchte des Abfalls oder auch, wenn Grundwasser auf schlecht oder gar nicht abgedichtete Deponien eindringt. Um eine Umweltbelastung zu verhindern, muss es aufgefangen und gereinigt werden - etwa durch die Umkehrosmose, ein aufwändiges und teures Verfahren.

Deponiegase

Deponiegase entstehen durch biochemische Abbauprozesse. Dabei können nach gut 15 Jahren aus einer Tonne Hausmüll 100 bis 200 Kubikmeter Gas entstehen, das in manchen Kommunen aufgefangen und zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Allerdings enthält das Gas auch Methan, das brennbar ist und hochexplosiv sein kann.

Brand- und Rutschgefahr

Deponien können auch in Brand geraten und hochgiftige Abgase produzieren, wenn der Brand nicht schnell entdeckt wird. Manche geraten auch ins Rutschen - so eine ehemalige Zellstoffdeponie bei Arnsberg. Für den damaligen Umweltminister Johannes Remmel Anlass, die Deponie komplett abbauen zu lassen. Kosten: mindestens 20 Millionen Euro.

Viele Vorgaben zum Schutz der Umwelt

Sondermülldeponie Hünke-Schermbeck mit Tanks für Sickerwasser und Abdeckfolien über Müll

Sickerwassertanks und Abdeckfolie

Die technischen Anforderungen an Bau und Betrieb der Anlagen steigen, je höher der Schadstoffgehalt des Abfalls ist. In den gesetzlichen Vorgaben sind bestimmte Abdichtungskomponenten und Entwässerungsschichten vorgeschrieben, bei Sondermüll-Deponien muss die geologische Barriere mindestens fünf Meter dick sein.

Stand: 06.12.2017, 06:00