Mülldeponien in NRW: Giftiges Erbe

Mülldeponie Ville bei Erfstadt-Liblar, 2011

Mülldeponien in NRW: Giftiges Erbe

Von Marion Kretz-Mangold

  • Brückenbau in Leverkusen: Angst vor der Deponie
  • Mangel an Müll-Bewusstsein
  • Deponien als begehrte Brachflächen
Laster auf der Mülldeponie.

In die Landschaft gekippt

Im alten Steinbruch, am Bach oder im eigenen Garten: Müll wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein unbekümmert irgendwo entsorgt oder in Täler geschoben, auf denen dann neue Häuser gebaut wurden. Solange der Abfall organisch war, baute er sich ab - deswegen war er kein Problem für die Umwelt. Das änderte sich mit der Industrialisierung, als immer mehr gefährliche Chemikalien für die Produktion eingesetzt wurden. Sie wurden oft einfach in der Landschaft entsorgt.

Aber nicht nur Schadstoffe gelangten so in den Boden. Viele Kommunen kippten ihren Müll auf sogenannten "Bürgermeisterkippen" einfach vor der Stadt ab, Schrottautos und Bauschutt inklusive. Erst 1972 wurde ein erstes Abfallbeseitigungsgesetz verabschiedet, das ungeregelte Deponien verbot.

Das Ende der "Bürgermeisterkippen"

Die Bestimmungen waren aber auch nach dem Verbot noch ziemlich lax: Viele der neuen Großdeponien waren nicht nach unten abgedichtet, so dass Schadstoffe ins Erdreich und dann ins Grundwasser austraten. Das Gesetz wurde als "Kreislaufwirtschaftsgesetz" immer wieder nachjustiert, auch wegen neuer EU-Vorgaben: Seit 2005 müssen Siedlungsabfälle thermisch und mechanisch behandelt werden. So sollen die Mengen reduziert und Schadstoffe beseitigt werden: Organische werden verbrannt, Schwermetalle landen in den Filterstäuben und dann auf der Sondermülldeponie.

Ab 2009 dürfen nur noch solche Deponien betrieben werden, die auf der Höhe der Technik und des Umweltschutzes sind: Entweder wurden sie nachgerüstet, oder sie wurden geschlossen.

Alte Deponien - neue Nutzung

Ob zu klein, zu gefährlich oder technisch überholt: Wenn eine Deponie geschlossen wird, stellt sich schnell die Frage, was mit dem Gelände geschehen soll. Bis in die siebziger Jahre hinein wurden die Halden oft einfach planiert, Fußballstadien, Sportparks und ganze Siedlungen darauf gebaut.

Warnschild in der ehemaligen Siedlung auf der Dhünnaue

Die Siedlung auf der Deponie musste abgerissen werden

Das hatte Spätfolgen: In Bonn tat sich die Erde unter einem Fußballspieler auf, in Iserlohn traten im Sommer 2017 übelriechende Dämpfe unter dem Trainingszentrum aus. In Leverkusen musste die Siedlung, die in der Dhünnaue gebaut wurde, wieder abgerissen und das Gelände versiegelt werden. 2005 fand dort die Landesgartenschau statt.

Heute setzt man auf große Solarparks wie in Dortmund. In Bünde hat man damit begonnen, alte Hausmülldeponien mitten in der Stadt zu sanieren: Bauland ist knapp. Allerdings wird erst genau untersucht, wie hoch die Schadstoffbelastung ist.

Stand: 06.12.2017, 06:00