Wie gelingt die Verkehrswende?

Elektroauto an einer Stromtankstelle.

Wie gelingt die Verkehrswende?

Mehr E-Autos, höhere Kosten für Autofahrer, Abschaffen der Diesel-Privilegien: Das fordert jetzt der Umweltrat, um die längst fällige Verkehrswende einzuleiten.

Eine Quote für Elektroautos, eine streckenabhängige Maut auch für Pkw und höhere Steuern auf Diesel: Das sind einige der Forderungen, die der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), ein Umwelt-Beratergremium der Bundesregierung, in seinem neuen Gutachten vorschlägt. Bis 2025 sollen zudem mindestens ein Viertel aller Pkw und leichten Nutzfahrzeuge elektrisch fahren.

CO2-Einsparungen im Verkehr nötig

"Der Verkehrssektor hat bisher keinen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen geleistet", betont SRU-Mitglied Claudia Kemfert, Professorin für Wirtschaftswissenschaften. Der Verkehrssektor ist nach Expertenangaben für ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Daher sollte, so schlagen es die Mitglieder des Umweltrats in ihrem Gutachten vor, die Elektromobilität gefördert werden: Die Ladeinfrastruktur müsse ausgebaut und der Strom für E-Mobile billiger werden.

Aber mit dem Umstieg auf E-Autos allein sei es nicht getan, denn auch die Elektromobile haben ihre Probleme: Die Herstellung vor allem der Batterien sei energieaufwändig, der Betrieb nur dann umweltfreundlich, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen komme - dann bräuchten wir mehr Windräder und Photovoltaikanlagen.

E-Mobilität kein Allheilmittel

Windrad hinter Sonnenkollektoren

Erneuerbare Energien müssen weiter ausgebaut werden

Die E-Mobilität könne nur ein Baustein der notwendigen Verkehrswende sein, schreiben die Experten. Die Sachverständigen schlagen eine streckenabhängige Pkw-Maut vor - Autofahren, vor allem mit Verbrennungsmotor, soll also teurer werden. Lkw könnten auf weiten Strecken auf Autobahnen an elektrisch geführten Oberleitungen unterwegs sein. Schließlich gehe es auch darum, Verkehr zu vermeiden, Verkehrsströme auf Schiene und ÖPNV zu verlagern sowie Fußgänger und Fahrradfahrer stärker zu fördern.

Gefährliche Schadstoffe

Experten, die nicht an dem Gutachten beteiligt waren, betonen den großen Stellenwert einer Verkehrswende. Ein Umdenken sei auch für den Gesundheitsschutz wichtig: Der Straßenverkehr sei mit 38 Prozent Hauptverursacher der krebserregenden und gesundheitsschädlichen Stickoxide, in vielen Städten werden die zulässigen Grenzwerte regelmäßig überschritten. Zudem fühle sich fast die Hälfte der Menschen durch Verkehrslärm gestört.

Verkehr: Mehr Tote durch Luftverschmutzung als durch Unfälle

Dass Klimaschutz nicht das einzige Problem ist, das im Verkehrssektor gelöst werden muss, betont auch Manfred Boltze, Professor für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der TU Dresden: "Mindestens gleiche Brisanz hat die Problematik der Luftschadstoffe und ihre Wirkung auf die menschliche Gesundheit. Wir verlieren durch verkehrsbedingte Luftschadstoffe deutlich mehr Menschenleben als durch Verkehrsunfälle."

Rauchender Auspuff

Großes Problem: Luftverschmutzung durch Verkehr

Sachverständigenrat und externe Experten kommen zu dem Schluss, dass ein generelles Umdenken nötig sei - bei der neben den politischen Weichenstellungen auch jeder Einzelne gefragt ist: Ist es wirklich immer nötig, mit dem Auto zu fahren? Denn umweltfreundlichere Antriebe können nur ein Baustein der Neuausrichtung des Verkehrs sein, urteilt auch der externe Experte Marcel Weil vom Karlsruher Institut für Technologie. "Vielmehr muss der Anteil des Individualverkehrs und der durchschnittlich zurückgelegten Wegstrecken pro Kopf deutlich reduziert werden", betont Weil.

CO2-Steuer als weiteres Instrument

Ein Element zur steuerlichen Umgestaltung lasse der Expertenbericht allerdings außer Acht, kritisiert Felix Creutzig, Professor am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change in Berlin: Eine CO2-Steuer sieht der SRU nicht vor. Diese Steuer, die auf jeden gefahrenen Kilometer erhoben würde, wäre eine Möglichkeit, umweltfreundliche Fahrzeuge günstiger zu machen. "Außerdem würde Planungssicherheit für Verbraucher und Industrie geschaffen", sagt Creutzig. Diese Planungssicherheit könnte Raum für langfristige Investitionen schaffen. Und möglicherweise neue Innovationen für den Verkehr der Zukunft fördern.

Hinweis: In einer ersten Version hatten wir berichtet, der Sachverständigenrat fordere, dass bis 2025 mindestens ein Viertel aller Lkw und leichten Nutzfahrzeuge elektrisch fahre. Richtig aber ist: Bis 2025 sollen mindestens ein Viertel aller Pkw und leichten Nutzfahrzeuge elektrisch fahren. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. (27.11.2017)

Stand: 23.11.2017, 12:39