Grüne Welle für Radfahrer - Europäische Beispiele (2/3)

Radfahren in Kopenhagen

Grüne Welle für Radfahrer - Europäische Beispiele (2/3)

Das klingt nach einer einfachen Lösung. Ist aber leider nicht so einfach umzusetzen, ohne dabei die komplette Infrastruktur zu verändern. Europäische Metropolen wie Kopenhagen sind uns allerdings voraus, Innenstädte fahrradfreundlicher zu gestalten.

Wer in Deutschland mit dem Fahrrad auf eine rote Ampel zufährt, der darf - wenn ausreichend Platz ist - rechts an stehenden Autos vorbei fahren, um direkt vor der Ampel zu warten. Die Schweiz, Belgien und Frankreich gehen da sogar noch einen Schritt weiter. Manche roten Ampeln gelten dort für Radfahrer in bestimmten Situationen nicht mehr. In Paris zum Beispiel gibt es seit 2012 ein neues Verkehrszeichen an den Ampeln, das Radfahrern erlaubt, bei Rot nach rechts abzubiegen, wenn es der Verkehr zulässt. Auch in Brüssel ist das bereits gängige Praxis, in Basel läuft noch bis Ende des Jahres ein Pilotversuch. Testweise soll es das "Rechtsabbiegen für Radfahrer bei Rot" auch schon an wenigen Ampeln in München geben. Düsseldorf und Köln hätten ebenfalls Interesse an einem Pilotprojekt. Da diese Regelung aktuell jedoch noch nicht der Verkehrsordnung entspricht, warten die Städte noch auf das offizielle Go aus Berlin.

Anderswo wird nicht gewartet, sondern einfach ausprobiert: In Groningen in den Niederlanden sind Ampeln mit Regensensoren ausgestattet, die Radfahrer bei schlechtem Wetter bevorzugen, indem sie ihnen öfter und länger grün geben. Außerdem gibt es dort Kreuzungen, an denen alle Radfahrer aus allen Richtungen gleichzeitig grün bekommen, während die Autos warten müssen. Das klingt zwar erstmal nach einem großen Chaos, bringt aber klare Vorteile: Linksabbieger können die Kreuzung so diagonal und in einem Zug überqueren, - in einer Grünphase können insgesamt mehr Radfahrer in kurzer Zeit über die Kreuzung kommen - und durch die Trennung von Rad- und motorisiertem Verkehr wird das Unfallrisiko für Radfahrer deutlich reduziert.

Deutschland weit abgeschlagen im Vergleich zu beispielsweise Kopenhagen

Woran liegt es also, dass Deutschland seinen Nachbarn in Sachen fahrradfreundliche Kreuzungen so hinterher hinkt? Daniel Wegerich vom ADFC NRW sieht einen Grund in dem unterschiedlichen Blick der Leute aufs Rad. "In Holland oder auch in Kopenhagen, in Dänemark, ist das Fahrrad einfach selbstverständlich. Da ist das Fahrrad nicht so ideologisch aufgeladen wie bei uns."

Radfahren in Kopenhagen

Radwege so breit wie andernorts Straßen

In Kopenhagen – DER Fahrradstadt überhaupt – erledigen heute Studien zufolge immerhin zwei Drittel der Menschen ihre alltäglichen Wege mit dem Fahrrad anstatt das Auto zu nehmen. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 20 Stundekilometern kommen Radfahrer auf den gut ausgebauten Radwegen - die farblich vom Rest der Straße abgesetzt sind und mit über drei Metern Breite sicheres Radfahren ermöglichen - zügig durch die Stadt. - Seit zehn Jahren sogar ohne Stop and Go, denn im Jahr 2006 hat Kopenhagen auf einigen Straßen die Grüne Welle für Radfahrer eingeführt und so die Reisegeschwindigkeit des Radverkehrs um bis zu 30 Prozent erhöht. Das alles sei aber nur möglich, so Daniel Wegerich, weil die Stadt Kopenhagen vor mehr als 20 Jahren beschlossen hat, Fahrradstadt zu werden. Dafür wurde die komplette Infrastruktur verändert – von Auto-gerecht zu Fahrrad-freundlich.

München will fahrradfreundlich werden

Aber auch deutsche Städte fangen an, ihre Verkehrsplanung zu überdenken. Im Ruhrgebiet zum Beispiel wird ein Radschnellweg gebaut und viele Großstädte entwickeln Mobilisierungskonzepte, bei denen der Radverkehr stärker berücksichtigt werden soll. Ganz weit vorne mit dabei sein will München: Die Stadt hat sich selbst zum Ziel gesetzt, "Radlhauptstadt" zu werden und dafür eine eigen Kampagne ins Leben gerufen, die das Radfahren in München nachweislich attraktiver macht, erklärt Wigand von Sassen, Projektleiter der Initiative Radlhauptstadt im Kreisverwaltungsreferat München. "Also der Radverkehr boomt in München auf jeden Fall. Von 2002 bis 2011, also in neun Jahren, hat der Radverkehr ungefähr um 70 Prozent zugenommen."

München testet Grüne Welle für Radfahrer

Auch die Grüne Welle ist dort ein Thema. Zusammen mit der Technischen Universität München arbeitet die Stadt an einem Projekt, das Radfahrern dort, ähnlich wie in Kopenhagen, die Grüne Welle bescheren soll. Getestet wird die Grüne Welle erstmal nur auf einer Straße im Univiertel, auf der es bereits eine Busbeschleunigung gibt - also wo der Busverkehr an Ampeln derzeit bevorzugt wird:

Geplant sind die Tests für Anfang/Mitte 2017. Zusammen mit den Studierenden der TU München wird dann ermittelt, unter welchen Bedingungen sich die grüne Welle für den Radverkehr lohnt und ob sie in einer Stadt wie München umzusetzen ist. "Warum", fragt Wigand von Sassen, "soll man nicht auf bestimmten Routen, wo man besonders viele Radfahrer hat, warum soll man da nicht eine grüne Welle für den Radfahrer anbieten? Macht ja eigentlich total Sinn."

Autorin des Radiobeitrags ist Wiebke Dumpe.

Stand: 29.11.2016, 10:58