Was kaputt geht, kann weggeschmissen werden

Ein Tintenstrahldrucker

Was kaputt geht, kann weggeschmissen werden

Wenn Produkte absichtlich so konstruiert sind, dass sie eine deutlich verringerte Lebensdauer haben, nennt man das "geplante Obsoleszenz". Über die Tricks der Hersteller hat WDR 5 mit dem Wirtschaftsjournalisten Norman Laryea gesprochen.

Den meisten von uns ist das schon passiert: Kurz nach dem Ablauf der Garantie gibt das Elektrogerät den Geist auf. Das kann Pech sein. In vielen Fällen ist das aber offenbar bewusstes Kalkül der Hersteller. Denn Reparieren ist unmöglich, wenn es keine Ersatzteile gibt, oder die Reparatur beim Hersteller viel zu teuer ist - sofern überhaupt möglich. "Geplante Obsoleszenz" nennen das die Fachleute. Ein Paradebeispiel dafür sind viele Tintenstrahl-Drucker, hat Norman Laryea bei seiner Recherche herausgefunden.

WDR 5: Was war besonders auffallend?

Norman Laryea: Bei Tintenstrahldruckern ist meist der Tintenschwamm das Problem, auch Resttintenschwamm genannt. Das kann man sich tatsächlich wie einen Schwamm vorstellen, mit dem der Drucker von innen ausgelegt ist. Sinn des Ganzen: jedes Mal wenn die Druckköpfe eines Druckers gereinigt werden, landet ein bisschen Tinte in diesem Schwamm, damit das Gerät nicht verschmutzt. Im Prinzip also durchaus eine sinnvolle Sache, weil der Schwamm eine Schutzfunktion für den Drucker hat. Problem ist nur, dass dieser Tintenschwamm bei den meisten Geräten nicht ausgetauscht werden kann und fest verbaut ist. Bedeutet: Ist der Schwamm voll, muss er entsorgt oder eingeschickt werden.

WDR 5: Wie genau prüfen die Geräte, wie voll der Schwamm ist?

Frau wechselt eine schwarze Drucker-Patrone

Tintenpatronen

Norman Laryea: Meistens läuft es über einen so genannten "eingebauten Zähler". Das ist eine Software, die sich auf einem Mikrochip im Gerät befindet. Sie ist so programmiert, dass sie nach einer bestimmten Zahl gedruckter Seiten den Drucker lahmlegt. Die Software sagt quasi dem Drucker: 'so jetzt wurde so viel gedruckt und gereinigt, jetzt müsste der Tintenschwamm voll sein'. Ob er das aber wirklich ist, checkt die Software nicht. Kritiker sagen nun, das kann dazu führen, dass manchmal diese Schwämme nur zur Hälfte gefüllt sind, die Geräte aber trotzdem schon lahmgelegt werden.

WDR 5: Drucker sind nur ein Beispiel für schlecht reparierbare Produkte – elektrische Zahnbürsten sind offenbar auch ein Problem-Kandidat.

Elektrische Zahnbürste

Norman Laryea: Das Ärgerliche bei elektrischen Zahnbürsten ist, dass man die Akkus nicht austauschen kann. Man kauft sich also so eine schicke Zahnbürste, lädt die Akkus immer wieder auf, aber irgendwann sind sie nun mal verbraucht. Dann kann man die Zahnbürste im Grunde wegschmeißen. Denn man kommt nicht an die Akkus, weil das Gehäuse komplett verklebt ist. Wenn man bedenkt, dass so eine elektrische Zahnbürste auch mal 80 Euro und mehr kosten kann …

WDR 5: Da fragt man sich natürlich: warum sind die nicht so gebaut, dass man die Batterien einfach selber wechseln kann?

Norman Laryea: Das haben wir einen der größten Hersteller "Braun" gefragt. Antwort: es würde vor allem an Sicherheitsgründen liegen. Viele Kunden würden sich unter der Dusche die Zähne putzen und der Mund sei ja ein "feuchter Raum". Wenn man die Zahnbürsten nun so bauen würde, dass man die Batterien selbst wechseln könnte, wären die Geräte aber nicht mehr wasserdicht. Das Gerät könnte also quasi durch einen "Wasserschaden" kaputtgehen. Was uns gewundert hat: vom gleichen Hersteller gibt es für knapp neun Euro auch eine Zahnbürste mit austauschbaren Batterien. Dieses Gerät scheint also wasserdicht zu sein.

WDR 5: Gibt es denn da keine gesetzlichen Bestimmungen, die so etwas verhindern sollen?

Norman Laryea: Theoretisch gibt es die. Und zwar haben wir in Deutschland das so genannte "Elektrogesetz". Das soll eigentlich fördern, dass weniger Akkus fest verbaut werden und mehr Geräte mit austauschbaren Batterien zu finden sind. Im Gesetz steht deshalb, dass die Batterien für Fachpersonal entnehmbar sein müssen. Und möglichst sollten auch die Kunden selbst die Batterien herausnehmen können. Problem an dem Gesetz ist nun zum einen das Wort "möglichst". Danach besteht keine Pflicht für die Hersteller.

Zweites Problem ist das Wort "entnehmbar". Es bedeutet nur, dass man an die Batterien rankommen muss. Das kann ich aber auch, wenn ich das Gerät kaputtmache und so öffne – ich kann es dann nur nicht mehr benutzen. Also: leider hilft dieses Elektrogesetz dem Kunden am Ende nicht wirklich weiter.

WDR 5: Auch Kaffee-Maschinen sollen manchmal schwierig zu reparieren sein ...

Drei Kaffeepads auf Kaffeebohnen

Pads für Kaffeeautomaten

Norman Laryea: Experten stören sich da vor allem an den "Senseo-Maschinen". Das sind Geräte, die mit Kaffee-Pads betrieben werden. Mit diesen Geräten soll es nun sehr häufig ein bestimmtes Problem geben: sie gehen einfach aus, während das Wasser heiß wird. Grund dafür soll ein "Kondensator" sein. Das ist ein kleines Bauteil in der Maschine, kostet im Laden als Ersatzteil rund einen Euro. Wenn dieser Kondensator nicht mehr vernünftig funktioniert, kann es zu diesem Problem kommen. Und das scheint kein seltenes Problem zu sein. Das bedeutet: ein Bauteil, das noch nicht mal einen Euro kostet, legt eine Maschine lahm, die 60 Euro und mehr kostet.

WDR 5: Kann man sie dann nicht bei Philips reparieren lassen?

Norman Laryea: Ich habe Philips nach den Reparaturkosten für diesen Fehler gefragt – keine Antwort. Daraufhin habe ich beim Kundenservice angerufen. Ergebnis: erst einmal müsse ich 25 Euro für einen Kostenvoranschlag zahlen. Dann kämen noch Reparatur- und Versandkosten oben drauf. Der Mitarbeiter sagte mir, eine Reparatur würde sich nicht lohnen und hat mir geraten, besser ein neues Gerät zu kaufen. Wie gesagt: das kaputte Bauteil kostet rund einen Euro.

WDR 5: Wie kann ich als Kunde im Geschäft sichergehen, dass ich ein Produkt kaufe, das möglichst lange hält?

Norman Laryea: Hilfreich ist es auf den "Blauen Engel" zu achten. Bei manchen Geräten wird dieser nur vergeben, wenn sie auch besonders langlebig sind. Dazu gehören unter anderem Smartphones und Staubsauger. Was die Tintenstrahldrucker angeht: da lohnt es sich, auf Geräte zu achten, die einen so genannten austauschbaren Resttintenbehälter haben. Den kann der Kunde dann auch selber wechseln und man spart sich das Tintenschwamm-Problem.

Bei den elektrischen Zahnbürsten gibt es auch Modelle mit austauschbaren Batterien und für die kaputte Senseo-Maschinen hätte ich noch einen Spezial-Tipp. Es gibt so genannte "Repair-Cafes". Das sind Treffpunkte bei denen Hobbybastler kaputte Elektrogeräte reparieren – und das kostenlos. Lohnt sich also, auch seine Senseo unter den Arm zu klemmen und da mal nachzufragen.

Stand: 04.04.2017, 15:12