Service Mobil - Elektrisches Einrad

Leonardo-Autor Melih Serter testet ein elektrisches Einrad

Service Mobil - Elektrisches Einrad

Von Melih Serter

Handlich, elektrisch, cool. Wenn es darum geht, schnell und bequem durch die Innenstadt zu kommen, lassen sich Tüftler gerne mal was Neues einfallen. Elektrische Stehroller, elektrische Fahrräder und jetzt, der letzte Schrei: Elektrische Einräder.

Mikromobilität - Trend oder praktisch?

Einfach hinstellen, aufsteigen und losfahren; völlig lautlos und fast ohne Muskelkraft. In vielen Innenstädten der Metropolen, wie z.B. Paris, London oder Shanghai, nutzen immer mehr Menschen kleine, elektrisch betriebene Fortbewegungsmittel. Begonnen hat der Trend mit den Segways - beliebt, aber sehr teuer, schwer und groß.

Tüftler entwickeln immer kleinere Fortbewegungsmittel für die letzte Meile und mehr. Herausgekommen ist zum Beispiel ein elektrisches Einrad ohne Sattel, dafür aber mit schmalen Trittbrettern und einem Griff zum Tragen.

Die ersten Patente für sich selbst stabilisierende und motorgetriebene Einräder wurden schon in den frühen 1960er Jahren in den USA vergeben. Die klobigen Vorfahren von damals haben aber kaum eine Ähnlichkeit mit den modernen Elektro-Einrädern von heute.

Inzwischen haben Erfinder, darunter auch Tüftler aus Bielefeld, ein Gehäuse mit Motor, Stabilisatoren und Akku um einen 24-Zoll-Fahrradreifen verbaut. Das gesamte Gefährt ist gerade einmal so groß wie ein breiterer Aktenkoffer und wiegt etwa 15 kg.

Gyrosensoren sorgen für die Richtung

Die ersten Fahrversuche auf dem elektrischen Einrad können zermürbend sein. Kaum hat man auch nur einen Fuß auf dem Fahrzeug, macht es sich schon selbstständig.

Die eingebauten Gyrosensoren registrieren kleinste Gewichtsverlagerungen und somit den Neigungswinkel des Einrades. Je nachdem, ob man den Druck auf den Zehenspitzen oder auf der Ferse erhöht, will das Rad nach vorne oder nach hinten ausbrechen. Hat man aber einmal das Gleichgewicht gefunden, kann man sich mit einem leichten Schwung nach vorne abstoßen und den anderen Fuß sanft nachziehen. Lehnt man sich nach vorne, beschleunigt das Gefährt vorwärts. Verlagert man das Gewicht nach hinten, bremst es ab, bzw. fährt rückwärts.

Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, dass man seitlich das Gleichgewicht halten muss. Ab einer Geschwindigkeit von etwa 6 km/h steht man ziemlich stabil auf dem Einrad. Theoretisch könnte also jeder mit dem elektrischen Einrad fahren, der auch Fahrradfahren kann.

Erste Fahrerfolge schon nach 60 Minuten

Nach einer Übungszeit von etwa 30 bis 60 Minuten, kann der Anfänger in der Regel schon geradeaus fahren und die ersten, großen Kreise drehen. Wer sich intensiv zwei bis drei Tage mit dem elektrischen Einrad beschäftigt, fährt dann schon ziemlich sicher.

Während der Lernphase ist es ratsam, sich ein paar Protektoren umzubinden, wie man sie von Skatern kennt. Also: Knie, Ellbogen und - ganz wichtig - Handgelenkschoner. Zum einen geben sie einem das Gefühl der Sicherheit und zum anderen vermeiden sie, bei einem Sturz Prellungen und Verstauchungen.

Viel kann aber im Prinzip nicht passieren, da man sich nur langsam bewegt und gerade einmal 10 cm über dem Boden steht. Allerdings sollte man auf größeren Flächen, wie einem leeren Parkplatz oder einem Basketballfeld üben und nicht auf der Straße, auf der womöglich auch noch Autos fahren oder parken.

Große Reichweite trotz kleiner Größe

Ein neuer, voll aufgeladener Akku sorgt für eine Reichweite von bis zu 20 Kilometern. Das genügt, um durch die gesamte Innenstadt zu fahren. Dabei erreicht das Einrad, je nach Modell und Typ, eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 15 km/h. Bergauf verbraucht der Motor natürlich mehr Energie als bergab. Ein Energie-Rückgewinnungssystem sorgt aber dafür, dass sich die Bordbatterie beim Bremsen oder bergab wieder etwas auflädt.

Die verbauten Akkus sollen rund 1000 Lade-Zyklen aushalten. Nach mehreren tausend gefahrenen Kilometern bauen die Akkus aber ab und die Reichweite verkürzt sich. Dann kommt man nicht drum herum, noch einmal 300 bis 400 Euro in die Hand zu nehmen, um die Batterie tauschen zu lassen.

Elektrische Einräder gibt es schon für etwa 500 Euro. Allerdings, je nach Qualität der Gyroskopen und Motoren, kann der Preis für das Mikromobil auch etwa 2000 Euro betragen. Wenn möglich, sollte man sich vor einem Kauf die Geräte genau anschauen, vergleichen und Probefahren. Dabei ist es auch ratsam, auf die tragfähige Last des Einrades zu achten. Viele Modelle sind nur bis zu einem Körpergewicht von 100 kg ausgelegt.

Probleme bei der Zulassung

Das elektrische Einrad hat keine Straßenzulassung, d.h. man darf damit nicht auf öffentlichen Straßen herumfahren, dazu gehören auch Bürgersteige und Fußgängerzonen. Aus Polizeikreisen ist zu hören, dass Fahrzeuge ohne Betriebserlaubnis auch schon eingezogen wurden. Gegen den Fahrer bzw. Halter könne in solchen Fällen ermittelt werden.

Hersteller und Verkäufer der elektrischen Einräder berufen sich darauf, dass die Rechtslage noch ungeklärt sei. Sie arbeiten auf Landes-, Bundes-, und EU-Ebene für eine offizielle Zulassung. Das Problem an dem Gerät ist, dass es einerseits einen Motor hat, andererseits aber ein Sportgerät ist, das nicht schneller als 15 km/h fährt.

Alexander Roe - einer der Importeure von elektrischen Einrädern - berichtet, dass es bei seinen Kunden auch einen Fall gab, der bis vor Gericht ging. Der Richter hätte aber das Verfahren eingestellt, da es für ihn keine Grundlage gab, nachdem er das Fahren mit dem elektrischen Einrad auf öffentlichen Wegen hätte ahnden können.

Inzwischen habe die Bundesregierung der Bundesanstalt für Straßenwesen den Auftrag erteilt, Mikromobilität weiter zu erforschen. Bis Ende des Jahres könnte eventuell ein Gesetzesentwurf vorliegen, zumal auch Autohersteller an solchen Mobilitätslösungen für die letzte Meile interessiert sind.

Redaktion:
Martin Gent

Stand: 02.11.2015, 16:05