Warum Fahrverbote allein nicht ausreichen

Illustration: Schild Fahrverbot für Kfz mit qualmendem Auspuff

Warum Fahrverbote allein nicht ausreichen

Von Reinhart Brüning

  • Bundesverwaltungsgericht hat entschieden: Fahrverbote zulässig
  • Aus wissenschaftlicher Sicht reichen Fahrverbote nicht
  • Grund dafür ist die komplexe Luftchemie

Fahrverbote für Dieselautos sind aus wissenschaftlicher Sicht eher der Kategorie Notlösung zuzuordnen. Sie werden vor allem durch einen Umstand erheblich erschwert: Aus dem Dieselmotor direkt kommt an Stickoxiden fast ausschließlich das vergleichsweise wenig schädliche Stickstoffmonoxid (NO). In kürzester Zeit reagiert dieses NO mit natürlich in der Luft vorhandenem Ozon. Erst bei dieser Reaktion entsteht das gefährliche Stickstoffdioxid (NO2), dessen Grenzwerte zuletzt immer wieder überschritten wurden.

Komplexe Reaktionen in der Luft

Um Stickstoffdioxid loszuwerden, muss man also den Ausstoß von Stickstoffmonoxid aus Dieselmotoren reduzieren. Doch wenn man beispielsweise mit einem Fahrverbot die Menge an freigesetztem Stickstoffmonoxid halbiert, halbiert sich nicht automatisch auch die Menge an schädlichem Stickstoffdioxid. 

Stickoxid-Reduzierung bringt erstmal nichts

Der Grund: In den stark belasteten Innenstädten wird durch den Verkehr deutlich mehr Stickstoffmonoxid freigesetzt, als es Ozon gibt. Die vielen Stickstoffmonoxid-Moleküle können also gar nicht alle mit Ozon-Molekülen reagieren. Die Folge: Es gibt einen Überschuss an Stickstoffmonoxid (NO). Wird jetzt der NO-Ausstoß durch ein Fahrverbot verringert, bringt das erst mal wenig: Denn anfangs wird nur der vergleichsweise harmlose Überschuss an NO verringert. Die Menge an schädlichem NO2 bliebe aber so gut wie unverändert, weil immer noch alles Ozon reagieren kann.

Reduzierung muss drastisch sein

Erst wenn der Überschuss an Stickstoffmonoxid abgebaut ist, greifen die Maßnahmen: Eine drastische Reduzierung des NO-Ausstoßes führt dann dazu, dass nicht mehr alle Ozon-Moleküle ein NO-Molekül zum Reagieren finden. Das schädliche NO2 geht zurück.

Mit Fahrverboten allein nicht zu schaffen

Für sehr stark belastete Straßen bedeutet das: wir müssen den NO-Ausstoß um mehr als zwei Drittel reduzieren, um das NO2 um ein Drittel abzusenken. Das wird auch an einer Studie deutlich, die den Clevischen Ring, die am stärksten belastete Straße in Köln, betrachtet. Ausgehend von den Werten von 2017 müssten der Ausstoß von Stickoxiden um 74 Prozent gesenkt werden, um die durchschnittliche NO2-Belastung von 63 Mikrogramm auf die zulässige Höchstmarke von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zu senken. Das erschwert die Aufgabe.

Diesel-Fahrverbote sind deshalb allein keine Lösung, auch weil es zahlreiche weitere Stickoxid-Quellen gibt, wie etwa Fabriken oder Heizanlagen. Weitere oder andere Maßnahmen sind erforderlich.

Was bringen Dieselfahrverbote wirklich? WDR 5 Leonardo Top Themen 22.02.2018 07:22 Min. WDR 5

Was bringen Diesel-Fahrverbote in Städten? Wissenschaftler bezweifeln, dass sie allein das Problem dreckiger Luft lösen. - AutorIn: Volker Mrasek"

Stand: 27.02.2018, 12:00