Subventionen für "dicke Dinger" mit Diesel?

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen (VW)

Subventionen für "dicke Dinger" mit Diesel?

Von Martin Gent

Von „Attacken auf VW-Boss Müller“ berichtet ein Auto-Portal. Warum? Der als "Diesel-Judas" beschimpfte Konzernchef hatte sich für ein Umsteuern in Richtung Zukunft ausgesprochen – weg vom Diesel, hin zur Elektromobilität.

Umdenken im VW-Konzern: Das Dieselprivileg kann weg. Im Handelsblatt vom 11. Dezember schlachtet Matthias Müller eine heilige Kuh: „Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden. … Abstriche bei den Dieselsubventionen, dafür Anreize für Elektroautos wären jedenfalls das richtige Signal. Das würden wir aushalten.“

Diesel-Subvention verhindert Innovation

WDR 5 Leonardo Top Themen | 15.12.2017 | 06:46 Min.

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„VW-Chef Müller unter Beschuss“

So titelt der Branchendienst „Autohaus“. Kein Wunder, ein Stopp der Diesel-Subvention gefährdet das Geschäftsmodell deutscher Autobauer. Mit der Dieselstrategie schien die Quadratur des Kreises möglich: Autos konnten größer, stärker und zugleich sparsamer werden. Bessere Margen für die Hersteller, grünes Gewissen für die Käufer – was will man mehr?

Aufs falsche Diesel-Pferd gesetzt

Doch dieser Weg erweist sich als falsch. Der Abgasskandal zeigt die Schattenseite des Diesels: zu viel vom Luftschadstoff NO2 im Abgas. Schon vor 10 Jahren war das ein Thema auf dem Technischen Kongress des Autolobby-Verbandes VDA. Im Griff hat man das NO2-Problem immer noch nicht. Eine Top-Abgasreinigung kann helfen, macht aber den Dieselmotor so teuer, dass er z.B. gegenüber dem Hybridantrieb nicht mehr konkurrenzfähig ist.

Kritik am Dieselprivileg nicht neu

BMW, Audi und Mercedes verkaufen besonders viele Diesel. Subventioniert werden die selbsternannten „Premiumhersteller“, die vom Hybridantrieb lange nichts wissen wollten. Das Umweltbundesamt kritisiert den Diesel-Steuerrabatt (in Summe fast 8 Mrd. Euro pro Jahr) seit Jahren als umweltschädliche Subvention. Eigentlich müsste Diesel wegen seines höheren Energiegehalts sogar höher als Superbenzin besteuert werden. Die EU wollte das vor fünf Jahren einführen, scheiterte aber am Veto aus Auto-Deutschland.

Klimaschutz-Fluchten

Klimaziele lassen sich auch mit E-Autos und Plug-In-Hybriden erreichen. Deren CO2-Emission wird mit null bewertet oder mit Rechentricks runtergeschraubt. Vor allem aber bräuchte es Fahrzeuge, die Maß halten – also das Gegenteil des irrwitzigen, aber renditeträchtigen SUV-Booms. Immerhin: "Eine schrittweise Neuordnung des Steuersystems im nächsten Jahrzehnt ist denkbar, bedarf aber sorgfältiger Vorbereitung", erklärte der VDA diese Woche gegenüber einer Zeitung.

Hier schreibt Martin Gent, Redakteur und Reporter in der WDR-Wissenschaftsredaktion. Als Mobilitätsexperte ist er stets auf der Suche nach Perspektiven für den Verkehr von morgen.

Stand: 15.12.2017, 16:38