Mit zwei Plaketten zu sauberer Luft

Ein qualmender Autoauspuff und eine blaue Umweltplakette

Mit zwei Plaketten zu sauberer Luft

Von Martin Gent

Das Umweltbundesamt hat eine hell- und eine dunkelblaue Plakette vorgeschlagen – letztere für die neuesten, stickoxidarmen Diesel. Martin Gent meint, das ist konsequent. Diesel-Fahrverbote müssen nachvollziehbar sein.

Führende Politiker, wie der künftige Verkehrsminister Andreas Scheuer und Armin Laschet, wollen freie Fahrt. Falls einzelne Bezirksregierungen Fahrverbote umsetzen wollten, will der NRW-Ministerpräsident notfalls einschreiten. Was so klingt, als hätte es das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig nicht gegeben.

Alle anderen rechnen mit Fahrverboten

Mögen Politiker sich gegen Fahrverbote sträuben, selbst Fuhrparkleiter sehen sie laut einer Umfrage kommen. Nach einer Emnid-Erhebung halten auch 58 Prozent der Bundesbürger Fahrverbote in belasteten Städten für richtig. Die Stimmung scheint zu kippen, zumal die Deutsche Umwelthilfe Fahrverbote in 14 Städten gerichtlich durchsetzen will.

Nicht jeder Diesel ist dreckig

Dann ist es gut, wenn Fahrverbote fair und nachvollziehbar sind. Fahrverbote müssen die richtigen treffen. "Diesel gleich dreckig" gilt nicht immer. Tatsächlich gibt es einige wenige Dieselmodelle, die mit modernster Abgastechnik schon jetzt die Anforderungen von morgen erfüllen, die Abgasnorm "Euro 6d temp". Aus Umweltsicht gibt es keinen Grund, diese Autos schlechter zu stellen als Benziner-, Erdgas- oder Hybridfahrzeuge.

Euro 4 teils sauberer als 6

Minimalanforderung bei vielen Neuwagen ist aber derzeit nur die einfache Abgasnorm "Euro 6". In Sachen Stickoxide ist das ein Riesenproblem. Obwohl nagelneu, überschreiten nach ADAC-Tests die dreckigsten dieser Euro-6-Autos die Prüfwerte auf der Straße um mehr als das 20-fache. Viele neue Diesel sind in Sachen Stickoxide kaum sauberer als zehn Jahre alte Gebrauchtwagen mit Euro 4.

Mehr Akzeptanz mit ehrlichen Plaketten

Wer also Euro 6 Autos mit dem Argument "die sind ja neu" freie Fahrt gewährt, kommt schnell in Erklärungsnöte. Deshalb ist der UBA-Vorschlag richtig: Eine dunkelblaue Plakette bekämen danach nur jene Autos, die wirklich sauber sind. Also Elektroautos, Wasserstoffautos, Erdgasautos, saubere Benziner und eben jene Diesel, die schon "Euro 6d temp" schaffen. Hellblau, das wäre etwas für Autos, die deutlich besser sind als der Diesel-Durchschnitt: Euro-6-Diesel mit Software-Update und Euro-5-Diesel der Baujahre 2011 bis 2015 nach umfassender Hardware-Nachrüstung.

Städte können unterscheiden

Wo die Grenzwerte nur leicht überschritten werden, könnten auch die hellblau Etikettierten weiter fahren. An den Stickoxid-Hotspots wären nur die Dunkelblauen erlaubt. Das ist für alle, die gar keine Plakette bekommen, zwar nur ein schwacher Trost, wäre aber fair, nachvollziehbar – und hoffentlich auch wirksam.

Hier schreibt Martin Gent, Redakteur und Reporter in der WDR-Wissenschaftsredaktion. Als Mobilitätsexperte ist er stets auf der Suche nach Perspektiven für den Verkehr von morgen.

Stand: 03.03.2018, 12:00