Binnenschiffe sorgen für reichlich Feinstaub in NRW

Frachtschiffe im Duisburger Hafen

Binnenschiffe sorgen für reichlich Feinstaub in NRW

Von Andreas Sträter

Sind Binnenschiffe Umweltverschmutzer? Ein Schiff kann zwar viele Lkw ersetzen, doch die alten Dieselmotoren pusten jede Menge Schadstoffe in die Luft. Neue Grenzwerte sollen Besserung bringen.

Binnenschiffe gelten als umweltfreundliche Alternative zu Lastkraftwagen. "Ein Schiff kann bis zu 200 Lkw ersetzen", sagt Fabian Spieß, Referent beim Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg, dem WDR. Tatsächlich produzieren Binnenschiffe pro Tonne Fracht erheblich weniger Kohlenstoffdioxid als Lastwagen. Doch dafür verschmutzen sie die Luft umso stärker: "Binnenschiffe haben ein großes Problem mit Luftschadstoffen", sagt Dietmar Oelinger, der beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Berlin für Verkehrspolitik zuständig ist. Das belegen auch die Zahlen des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums. Zwei Prozent der in NRW freigesetzten Feinstaubmenge sind auf die Binnenschifffahrt zurückzuführen, heißt es.

Nachrüstung des Motors wird empfohlen

Abgas kommt aus dem Auspuff eines Autos

Rußpartikel sind auch auf dem Wasser ein Problem

In Städten wie Düsseldorf oder Köln geht ein beträchtlicher Teil der Feinstaubbelastung auf das Konto der Binnenschiffe. 49 Tonnen Feinstaub werden pro Jahr in Düsseldorf (14 Prozent des Gesamtausstoßes) und 61 Tonnen in Köln (8 Prozent) in die Luft geblasen. "Dieselmotoren verursachen in Binnenschiffen die gleichen gesundheitsschädlichen Luftschadstoffe wie im Straßenverkehr", erklärt das in Recklinghausen ansässige Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). "Betrachtet man den Rhein nach den Schadstoffmengen, die durch die Binnenschiffe freigesetzt werden, so ist er mit einer stark befahrenen Autobahn vergleichbar." Daher werde eine Nachrüstung der Schiffsmotoren empfohlen.

Binnenschiffsmotoren halten sehr lange

Das Problem ist nur: Die Schiffsmotoren von Binnenschiffen sind sehr langlebig. "20 Jahre sind keine Seltenheit", erläutert Florian Franken von einer Firma für Diesel-Emissions-Management in Moers. "Was zunächst einmal gut klingt, fällt emissionsmäßig natürlich überproportional ins Gewicht", sagt er und ergänzt: "Ein Motor aus den 90er-Jahren hält ganz andere Grenzwerte ein als ein neuer Motor." Im Straßenverkehr würden Motoren alle fünf bis sieben Jahre ausgetauscht, auf den Wasserstraßen sehe dies anders aus, erklärt der Schiffsmotor-Experte.

Dieselmotoren in der Schifffahrt
Jeder Dieselmotor – unabhängig von Leistung, Hubraum und Baujahr – erzeugt im Verbrennungsprozess jede Menge Schadstoffe. Rußpartikel, die für Feinstaub in der Luft verantwortlich sind, seien hierbei allerdings nur ein Thema, erklärt Diesel-Emissions-Experte Florian Franken aus Moers. Im Bereich der gasförmigen Schadstoffe kämen noch Kohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid sowie Stickoxide hinzu, so Franken. Auch für diese Stoffe gibt es Grenzwerte. Ein weiteres Problem: Dieselmotoren, die vor 20 oder 30 Jahren zugelassen wurden und noch immer in Betrieb sind, erreichen durch ihren Verschleiß die damaligen Zulassungswerte gar nicht mehr.

Ab 2019 gelten neue Grenzwerte

Blick vom Fernsehturm in Düsseldorf auf Frachtschiffe

Binnenschiffe werden von keiner Umweltzone erfasst

Ab Januar 2019 treten EU-weit neue Abgas-Grenzwerte in Kraft. Die Verordnung gelte allerdings nur für neue Binnenschiffsmotoren, heißt es seitens des NRW-Umweltministeriums: "Die Grenzwerte sollen der Senkung der Emissionen von Stickoxiden, Kohlenwasserstoffen, Kohlenmonoxid und Partikeln dienen." Ein wichtiger Schritt, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren: "Aus Gesundheitssicht ist Feinstaub das größte Problem der Binnenschifffahrt", stellt Dietmar Oelinger vom Nabu fest. "Binnenschiffe fahren oft mitten durch die Städte, werden aber von keiner Umweltzone erfasst", sagt er und ergänzt: "Besonders im Rheintal kann sich der giftige Cocktail lange halten und gesundheitsgefährdend sein."

Nachrüstung kann 60.000 Euro kosten

Dass die schärferen Grenzwerte nur für neue Schiffe gelten, sei ein Problem, heißt es beim Naturschutzverband Nabu. Die Nachrüstung mit Abgastechnik sei möglich, aber teuer. Schiffsmotor-Experte Florian Franken schätzt die Kosten für eine Partikelfilternachrüstung auf einen Richtwert von etwa 60.000 Euro. Einige Motorenhersteller hätten bereits signalisiert, dass sie aus dem relativ kleinen Markt für Binnenschiffsmotoren ausscheiden werden, weil sie die hohen Entwicklungskosten für Abgasnachbehandlung nicht auf eine angemessene Stückzahl umlegen könnten.

Aktuelle Motoren zu schwach für neue Grenzwerte

Dieses Problem sieht auch der Bundesverband der Binnenschifffahrt: "Nach dem jetzigen Stand der Technik sind keine Motoren verfügbar, die die neuen Partikelgrenzwerte einhalten können", erläutert dessen Referent Fabian Spieß in Duisburg. Nachrüstungen für Binnenschiffe seien auch deshalb so teuer, weil es sich zumeist um Einzelanfertigungen handele.

Feinstaubemissionen können um 90 Prozent sinken

Archiv: Frachtschiff auf dem Rhein

Die meisten Frachtschiffe auf dem Rhein fahren unter ausländischer Flagge

Doch die Nachrüstung mit einem Katalysator oder einem Rußpartikelfilter könnte sich lohnen, vor allem gesamtgesellschaftlich. "In Einzelprojekten konnte gezeigt werden, dass durch Nachrüstung die Feinstaubemissionen um 90 Prozent gesenkt werden konnten", teilt das nordrhein-westfälische Umweltministerium in Düsseldorf mit. Dass die schärferen Regeln EU-weit gelten, ist deshalb sinnvoll, da rund 75 Prozent der Binnenschiffe auf dem Rhein nicht unter deutscher Flagge fahren.

Stand: 21.10.2016, 06:00