Bahn sucht Glyphosat-Alternative

Ein Gleis, das bis zum Horizont reicht

Bahn sucht Glyphosat-Alternative

  • Unkraut im Gleisbett ist Sicherheitsproblem
  • aktuell nutzt Bahn Glyphosat als Unkrautvernichter
  • Elektroschocks oder Heißwasser mögliche Alternative
  • Studien zu Umweltwirkungen fehlen noch

Unkraut im Gleisbett ist für die Bahn ein Sicherheitsproblem: Die Pflanzen können sich in die Hohlräume zwischen die einzelnen Steinchen legen. Diese Hohlräume sind wichtig, um die Vibrationen und Stöße der Züge abzufangen. Pflanzen, die sich dort festsetzen, minimieren den Effekt.

Die Pflanzen, Wurzeln und abgestorbenen Pflanzenteile binden außerdem Wasser und halten es im Gleis fest. Das kann dazu führen, dass der Untergrund aufweicht. Wenn es im Winter Frost gibt, kann dadurch der Boden leichter aufbrechen. So können sich die Schienen leicht verschieben. Die Züge müssen dann langsamer fahren, es kommt zu Verspätungen und teuren Reparaturen. Deshalb sorgt die Bahn dafür, dass dort erst gar nichts wächst.

65 Tonnen Glyphosat im Jahr

Im Moment nutzt die Bahn einmal im Jahr Glyphosat, um das unerwünschte Unkraut loszuwerden. Für die über 61.000 Gleis-Kilometer in Deutschland werden 65 Tonnen verbraucht. Damit ist die Bahn der größte Einzelabnehmer von Glyphosat in Deutschland. Jetzt testet sie gemeinsam mit der Bundesregierung vier Alternativen zu Glyphosat: Elektroschocks, UV-Licht, Heißwasser und Pelargonsäure.

Pelargonsäure kommt im Öl einiger Pflanzen, beispielsweise Disteln und Geranien, vor. Es ist ein Breitbandherbizid – so wie Glyphosat auch. Das heißt, auch Pelargonsäure tötet alle Pflanzen ab: sowohl Gräser, als auch Kräuter. Welche Langzeitauswirkungen Pelargonsäure auf die Umwelt hat, ist noch nicht so gut erforscht. Außerdem ist es nicht so wirksam wie Glyphosat, es muss also in größeren Mengen eingesetzt werden.

Bei den Elektroschocks werden die Pflanzen mit Applikationen berührt, die bis zu 15.000 Volt Strom führen. Dadurch werden die Zellwände zerstört und die Pflanze stirbt ab. Das Gerät wird oberflächlich eingesetzt und tötet nur das, was auch wirklich berührt wird – im Zweifel aber auch Tiere, die sich dort auf der Oberfläche befinden.

Wie sich die Maßnahme langfristig auf die Beschaffenheit des Bodens und der Organismen auswirkt, ist noch nicht abschließend erforscht. Auch die Langzeitwirkungen, wenn Unkraut mit UV-Licht oder mit heißem Wasser vernichtet wird, sind bisher kaum untersucht.

Glyphosat gut erforscht

Glyphosat gilt als eines der besten erforschten Herbizide weltweit. Als Breitbandherbizid tötet es zwar jegliche Form von Pflanzen im Gleisbett. Die dort lebenden Tiere sind davon jedoch nicht betroffen, so auch nicht die Zauneidechse, die im Bahndamm ihren Lebensraum hat.

Stand: 17.06.2019, 17:25