#abgasalarm: So viel Stickoxid haben wir in Düsseldorf gemessen

#abgasalarm: So viel Stickoxid haben wir in Düsseldorf gemessen

  • Erstmals flächendeckende Stickoxid-Werte für eine Großstadt in NRW
  • WDR misst einen Monat lang Stickoxide (NO2) in Düsseldorf
  • Die Ergebnisse im Überblick

März war Mess-Monat für den WDR: 172 Röhrchen, so genannte Passiv-Sammler, haben wir in der Stadt aufgehängt, um die Stickoxid-Konzentration zu messen: Sowohl an den offiziellen Messstellen, aber auch dort, wo die Behörden in der Regel nicht messen, denn in Düsseldorf gibt es nur acht offizielle Messtationen.

Die höchsten Stickoxid-Werte haben wir im Rheinufertunnel (145,2), am Tunnelausgang am Joseph-Beuys-Ufer (95,6) und an der Kreuzung Völklinger Straße/Lahnweg (53,8) gemessen - jeweils Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Den niedrigsten Wert zeigte das Röhrchen in der Emmastraße, einer Sackgasse, 20,8 ug/m³.

Stickoxid-Werte nicht vergleichbar mit Jahresmittel

159 der Röhrchen konnten im Labor ausgewertet werden. 27 Stickoxide-Werte lagen über 40 Mikrogramm - das ist der zulässige Mittelwert für über ein Jahr, der nicht überschritten werden darf. Aussagen darüber, ob an "unseren" Messpunkten der Jahresmittelwert überschritten wird, lassen sich nicht treffen.

Aber unsere Messungen sind ein Indikator für Stellen, an denen hohe Schadstoffkonzentrationen zu finden sind - oder eben nicht. "Durch die außergewöhnlich hohe Datendichte kann jedoch die Verteilung von NO2 in Düsseldorf untersucht werden", betont Robert Wegener vom Institut für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich.

WDR misst Stickoxide: An vielen Stellen in Düsseldorf herrscht "dicke Luft"

WDR 2 | 02.05.2018 | 02:20 Min.

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Muster für Stickoxid-Belastung

Bei den Messungen zeichnet sich ein Muster ab: Dort, wo viel Verkehr herrscht, ist die Belastung hoch. Bei enger Bebauung steigen die Werte zusätzlich. "An großen Straßen entsprechen die Werte denen an der Corneliusstraße", erklärt Atmosphärenforscher Robert Wegener vom Forschungszentrum Jülich.

"Abseits der Straßen sehen wir ein schnelles Absinken der Stickoxid-Konzentration auf Hintergrundniveau." Die Messaktion zeigt demnach, dass Hauptverursacher der hohen Stickoxid-Konzentrationen der Verkehr mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ist.

Hochschule Düsseldorf misst ebenfalls rund um Corneliusstraße

Rund um die Corneliusstraße misst seit einigen Wochen die Hochschule Düsseldorf NO2, Feinstaub, Dieselruß und Ultrafeinstaub. Die Wissenschaftler um Prof. Konradin Weber nutzen dafür einen Messwagen und ein Mess-Pedelec für die angrenzenden Stadtgebiete.

Die Messpunkte haben wir in vier Kategorien eingeteilt:

1: Viel Verkehr, enge Bebauung: Mittelwert 42,5
2: Viel Verkehr, lockere Bebauung: Mittelwert 36,6
3: Wenig Verkehr, enge Bebauung: Mittelwert 29,1
4: Wenig Verkehr, lockere Bebauung: Mittelwert 26,9

Grenzwert sagt nichts über Gesundheitsgefährdung aus

Abgesehen von der "magischen" Zahl von 40 Mikrogramm/Kubikmeter Luft schätzt Umweltmedizinerin Barbara Hoffmann von der Uni Düsseldof die Situation so ein: "Insgesamt sind die Werte recht hoch", betont sie. Zudem sei der Grenzwert von der Politik festgelegt und habe "gesundheitlich nichts zu sagen". Auch bei einer Stickoxid-Belastung unter 40 ug/m³ bestünde eine höhere Wahrscheinlichkeit für Atemwegserkrankungen und frühere Sterblichkeit.

Das Online-Projektteam

Annika Franck, Thomas Hallet, Peter Schneider, Jutta Starke und Urs Zietan

Danke für ...

... fachliche Unterstützung an das Forschungszentrum Jülich
... den Code für die Ergebnisgrafik an Götz Gringmuth-Dallmer (rbb) und Manuel Reich (wunder&fitzig)
... Inspiration an die #abgasalarm-Teams von SWR und rbb

Stand: 02.05.2018, 10:10