#abgasalarm: Reaktionen - das sagen die Experten

Screenshot der Aktion #abgasalarm, Werkzeug

#abgasalarm: Reaktionen - das sagen die Experten

Auch wenn die Ergebnisse der WDR-Stickoxid-Messungen nicht komplett wissenschaftlichen Kriterien entsprichen, lassen sie sich dennoch einordnen. Wir haben Experten dazu befragt.

Das sagt die Umweltmedizinerin

Barbara Hoffmann, Professorin an der Uni Düsseldorf, findet die Stickoxid-Werte "insgesamt recht hoch". Auch, weil die Hintergrundbelastung in Düsseldorf hoch zu sein scheint - der niedrigste gemessene Wert lag bei 20 Mikrogramm/Kubikmetern Luft. "Der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel hat aus gesundheitsmedizinischer Sicht keine Bedeutung. Wir messen auch darunter deutliche Auswirkungen auf die Gesundheit, sowohl auf die Atemwege als auch auf die Sterblichkeit", betont die Professorin für Umweltmedizin von der Uni Düsseldorf. Es gebe keinen Wert, unter dem keine gesundheitlichen Folgen messbar seien, betont sie. Auch wenn Feinstaub der gefährlichere Stoff sei, handelt es sich bei NO2 um einen Indikator für Luftqualität generell: Dort, wo NO2-Werte hoch sind, entstehe meist auch viel Feinstaub und es gebe ein Lärm-Problem. Es ist vor allem dieser Mix, der Ursache für viele Erkrankungen sein kann.

Problematisch ist auch die Situation für Autofahrer im Auto. Wenn sie sich im Stau - vielleicht sogar in einem Tunnel - befinden, sind sie teilweise höheren NO2-Konzentrationen ausgesetzt als draußen. Auf Umluft schalten und das Fenster geschlossen halten hilft da nur bedingt, meint Hoffmann.

Das sagt der Atmosphärenforscher

Robert Wegener vom Forschungszentrum in Jülich kennt sich mit Messungen von Luftschadstoffen aus. "Eine Aussage zur Überschreitung des Jahresgrenzwertes kann man mit den WDR-Daten nicht treffen", betont er, dazu sei die Messungenauigkeit bei nur einem Monat zu hoch. So zeigen auch die offiziellen LANUV-Daten an der Corneliusstraße eine Abweichung vom Jahresmittelwert an diesem Standort von elf Prozent. Aber: "Durch die ungewöhnlich hohe Datendichte kann die Verteilung von NO2 in Düsseldorf untersucht werden."

Das sagt der Chemiker

Für Wolfgang Frenzel, Professor für Umweltchemie an der TU Berlin, "passen die Ergebnisse ziemlich gut": "Die wichtigen Punkte für die Belastung sind das Verkehrsaufkommen - wie viele und was für Autos, die Bebauung und dann noch die Meteorologie." Wenn es im Messzeitraum viel regnet und windig ist, seien die Stickoxid-Werte geringer. An und in Tunneln sei gut vorstellbar, dass der zulässige Stunden-Höchstwert von 200 µg/m³ Luft öfter als erlaubt überschritten wird, meint Frenzel. Laut EU-Richtlinie darf dies maximal 18 Mal im Jahr der Fall sein. "Meist werden solche Abgas-Hotspots vom offiziellen Messnetz nicht erfasst - weil mit den offiziellen Messpunkten ein repräsentativer Überblick entstehen soll von Orten, an denen viele Menschen betroffen sind."

Stand: 02.05.2018, 05:13