Wer am Computer lernt, ist nicht gleich klüger

Pisa-Studie zum Lernen mit PC

Wer am Computer lernt, ist nicht gleich klüger

Von Andreas Sträter

Computer im Klassenzimmer: Hört sich gut an, erhöht aber nicht unbedingt den Lernerfolg. Nur wenn Rechner richtig eingesetzt werden, bringt das die Schüler weiter. Aber wie steht es um die Medienkompetenz der Lehrer?

Lernen am Computer hat seine Grenzen. Wer als Schüler viel Zeit vor dem Rechner verbringt, wird nicht automatisch klüger. In einer am Dienstag (15.09.2015) veröffentlichten Studie hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dem Einsatz von Rechnern im Unterricht ein eher schlechtes Zeugnis ausgestellt. In Ländern, in denen massiv in die IT-Ausstattung von Schulen investiert wurde, seien demnach "keine merklichen Verbesserungen" bei den Leistungen der Schüler etwa beim Lesen, Rechnen oder in den Naturwissenschaften festgestellt worden, so die Studie.

"Wo Computer in Klassenzimmern genutzt werden, sind ihre Auswirkungen auf die Leistung von Schülern bestenfalls gemischt", sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Schüler, die an Schulen sehr häufig Computer benutzen, schnitten bei den meisten Lernergebnissen viel schlechter ab. Lediglich Schüler, die im Unterricht durchschnittlich lang am Computer sitzen, hätten etwas bessere Ergebnisse als Schüler, die nur selten mit dem Computer arbeiteten.

Lehrer entscheiden sich oft gegen Computereinsatz

Dabei könnten Informationstechnologien einen wichtigen Beitrag zum Schulunterricht leisten, erklärte die Organisation. Doch hierzulande mangele es noch an ausgereiften Konzepten, wie Lehrer den Computer im Unterricht platzieren könnten, erklärt Ferdinand Stebner vom Lehrstuhl für Lehr- und Lernforschung der Ruhr-Universität in Bochum. In seiner Forschung hat er sich unter anderem mit den Möglichkeiten von Multimedia und Computern im Lernprozess beschäftigt. "Es gibt viele Ideen und Fortbildungen zu dem Thema Neue Medien im Unterricht", erläutert der Bochumer Lern-Forscher. Aufwand und Ertrag hielten aber nicht immer die Waage, weshalb sich Lehrer gerne gegen die Neuen Medien entschieden und vor allem klassisch unterrichteten.

Dabei gebe es Inhalte, bei denen Computer durchaus lernförderlich seien. "Soll ein Kind die Funktionsweise eines Motors verstehen, so macht es Sinn, eine dynamische Visualisierung einzusetzen", sagt Stebner. Für eine Animation oder eine Simulation jedoch benötige man einen Rechner. Soll ein Schüler jedoch den Aufbau des menschlichen Skeletts lernen – also etwas Statisches –, so könne er dies genauso gut mit Text und Bild im Schulbuch machen. Mehrere Studien kämen recht deutlich zu solchen Ergebnissen, so Stebner.

"Lernen heißt arbeiten und sich anstrengen"

Schüler einer Grundschule sitzen in einem interaktiven Klassenraum vor ihren Laptops

Rechner - gut für den Erdkundeunterricht.

Auch Mathias Frost, Lehrer am Reichenbach-Gymnasium in Ennepetal, hat in der Praxis ähnliche Erfahrungen sammeln können. "Der Computer eigenet sich, um den Unterricht mit aktuellen Informationen anzureichern", sagt der Erdkunde- und Biologie-Lehrer. "Das bringt die Schüler weiter." Die Erwartungen an die Rechner würden allerdings manchmal zu hoch geschraubt. "Lernen heißt arbeiten und sich anstrengen, da kann man sich nicht nur berieseln lassen", findet Frost. Obwohl er Computer selbst gerne in der Schule einsetze, könnten die Geräte keinen Lehrer ersetzen. "Lernen ist ein sehr individueller und sozialer Prozess, das kann der Computer nicht leisten."

An vielen Schulen haben die Schüler gar keine Wahlmöglichkeiten, ob sie mit oder ohne Computer lernen wollen. Denn die IT-Ausstattung entspricht vielerorts noch nicht den allgemein üblichen Standards. Statistisch betrachtet müssen sich 4,2 Schüler in Deutschland einen Rechner teilen, so die Pisa-Studie. Damit liegen wir auf Platz 28 unter den 34 OECD-Ländern. Schulen benötigten allerdings eine gute Computerausstattung, damit die Schüler für die Anforderungen der Gesellschaft und die Berufswelt vorbereitet würden, sagt der Bochumer Lernforscher Stebner: "Sie müssen die Kompetenzen erlangen, mit diesen Geräten umzugehen. Kompetenzen werden aber nur durch Erfahrungen entwickelt, deshalb ist eine gute Ausstattung notwendig."

Soziale Unterschiede beim Umgang mit Computer

Eine Schülerin verstaut einen Tablet-PC in einem Schulranzen

Mit dem Tablet in den Unterricht?

Ein weiteres Ergebnis der aktuellen Studie ist, dass es zudem soziale Unterschiede beim Umgang mit dem Computer gibt: In Deutschland nutzen Schüler aus bessergestellten Schichten demnach das Internet mehr zur Informationsbeschaffung als sozial benachteiligte Jugendliche. Dort dienen Computer vordergründig, um Videos zu schauen, online zu spielen oder zu chatten.

Stand: 15.09.2015, 15:12