Die allgegenwärtige Gartenstraße

Die allgegenwärtige Gartenstraße

Von Torsten Fischer und Marion Werner

Klingt idyllisch und vielversprechend: Wohnen in der Gartenstraße. 340 Mal gibt es sie in NRW. Wie mag es wohl in der Pannemannstraße aussehen? Sie ist jedenfalls einmalig, fanden Daten-Experten des WDR heraus.

Fast jeder lebt weniger als hundert Meter vom nächsten Straßenschild entfernt. Als Verkehrszeichen mit der amtlichen Nummer 437 führt es ein unbeachtetes Dasein und wird von den meisten nur zur Orientierung genutzt. Während aber ein einzelnes Schild kinderleicht zu lesen ist, bleiben die Straßennamen selbst ein nur wenig erforschtes Gebiet. Zumindest in Nordrhein-Westfalen, denn hier gab es bislang kein landesweites, öffentliches Straßenverzeichnis.

"West-deutscher-Rund-funkstraße", zusammengesetzt aus Straßennamen

Ein datenjournalistisches Team des WDR hat sich auf den Weg gemacht, Nordrhein-Westfalens Straßennamen unter die Lupe zu nehmen. Themen gibt es genug: Straßennamen mit interessanten Entstehungsgeschichten, ungewöhnliche Bezeichnungen, aber auch Straßennamen, die Personen mit fragwürdiger Vergangenheit ehren. Und überhaupt: Dürfen Firmen eigentlich Straßen nach sich benennen? – Fragen, die weit über den nachbarschaftlichen Kreis hinausgehen.

Zunächst lagen Hindernisse auf dem Weg: Die Kommunen führen zwar Straßenregister, doch wer sich dafür landesweit interessiert, hat mit allen 396 Gemeinden gleichzeitig zu tun. Während manche Gemeinde nur Papier zu bieten hat, stellen andere ihr Straßenverzeichnis immerhin online zur Verfügung. In Essen kassiert man bis heute 30 Euro für eine digitale Liste mit allen 3.349 Straßennamen der Stadt. Das zugesendete Dokument ist dann auch noch mit einem speziellen Kopierschutz versehen – Weiterverarbeitung unmöglich.

So kommen die Straßen zu ihren Namen

WDR 2 | 27.01.2017 | 03:22 Min.

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Geobasisdaten als journalistische Gelegenheit

Hoffnung machte dann im vergangenen Herbst die von der Landesregierung verkündete Freigabe der so genannten "Geobasisdaten". Seit Neujahr kann nunmehr jedermann grundlegende geografische Angaben von entsprechenden Portalen des Landes herunterladen und nutzen. Auf diese Weise soll ein innovationsfreundliches Klima für all jene geschaffen werden, die mit solchen Daten neue Ideen umsetzen wollen. Die Datenjournalisten des WDR haben sich jedenfalls bedient.

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Eine Karte mit den lustigsten Straßennamen befindet sich am Ende der Seite.

Die WDR-Analysen fußen nun auf gleich zwei Quellen: dem Geoportal.NRW und einem Datensatz des Bundesamts für Kartografie. So konnten Abkürzungen entfernt, Schreibweisen und Varianten überprüft und gegebenenfalls bereinigt oder vereinheitlicht werden. Pro Gemeinde wurde jeder Straßenname nur einmal gezählt – und das sind die Ergebnisse:

Straßennamen in Zahlen

Köln führt die Liste der Gemeinden mit den meisten Straßen an und kommt auf 4.992 Straßennamen, gefolgt von Dortmund mit 4.007 und Essen mit 3.349. Die Gemeinden Havixbeck, Laer, Beelen und Schöppingen bei Münster, aber auch Much bei Bonn kommen jeweils auf nicht mal hundert Namen.

Insgesamt gibt es 95.667 unterschiedliche Straßennamen in NRW, verteilt auf rund 200.000 Straßen und Wege in den Städten und Gemeinden. Ganz genau kann man das nicht sagen, denn es gibt Straßen ohne Häuser, Wege und Autobahnen, die man mal dazuzählen und mal ausklammern kann. Viele Namen sind auch mehrmals vergeben. Den Spitzenreiter, die "Gartenstraße", gibt es in gleich 340 Orten. Zwar kommen 81,5 Prozent der Straßennamen nur einmalig vor. Weil aber die häufigeren Straßennamen teilweise auch sehr häufig vorkommen, sind so gesehen drei von fünf Straßen im Land mit mehrmals vorkommenden Namen ausgestattet.

Der durchschnittliche Straßenname ist 13,6 Buchstaben lang. Der "Aachener Pfad" in Herzogenrath, die „Kölner Straße“ in Siegen oder die "Zwoller Straße" in Wesel liegen also im absolut mittleren Bereich. Den längsten Straßennamen haben die Bochumer mit dem "Platz des Friedens und der Völkerverständigung" und 46 Textzeichen. Auf Platz 2 liegen die Krefelder mit dem "Platz der Wiedervereinigung 3. Oktober 1990". Die Bonner zogen mit der "Ernst-Theodor-Amadeus-Hoffmann-Straße" zwar den "Kürzeren", aber diese Straße ist auf dem Original-Straßenschild auch mit "E.-T.-A.-Hoffman" abgekürzt.

Diese Straßennamen haben uns gut gefallen!

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Wenn man fast 200.000 Straßennamen analysiert, stößt man auf jede Menge Kuriositäten. Diese wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.