Ein Tauchgang auf die ISS

Ein Tauchgang auf die ISS

Von Jörn Kießler

  • Forschungsprojekt in Köln und auf der ISS
  • Unterwasserstudie soll Astronautentraining verbessern
  • Ergebnisse könnten auch Parkinson-Patienten helfen

Nur ein kleiner Sprung in das fünf Meter tiefe Wasser und schon startet für die Probanden von Nils Bury die Reise ins All. Am Grund des Beckens im Schwimmzentrum der Deutschen Sporthochschule in Köln (DSHS) nehmen sie an den gleichen Experimenten teil, die auch die Astronauten der Internationalen Raumstation (ISS) in den kommenden drei Jahren durchführen werden. "Bei den Tests lösen die Teilnehmer verschiedene Aufgaben auf einem Computerbildschirm, bei denen sie ihre Position und ihre Bewegung im Raum schätzen müssen", erklärt Forschungsleiter Bury.

Auf einem Bildschirm wird ein digitaler Korridor mit einem schwebenden Fenster gezeigt

Die Probanden bekommen ein Fenster gezeigt, und müssen die Distanz dorthin schätzen

Konkret heißt das, dass die Probanden im Liegen und in aufrechter Position unter anderem einen virtuellen Korridor auf einem Bildschirm gezeigt bekommen. Dort taucht dann ein Fenster auf und die Studienteilnehmer müssen die Entfernung dorthin abschätzen. Dann verschwindet das Fenster und der Proband bewegt sich im virtuellen Korridor auf die Stelle zu, wo es sich befand. "Wenn die Probanden denken, das Ziel erreicht zu haben, drücken sie einen Knopf", erklärt Bury.

Bessere Astronautentrainings

Die gleichen Experimente werden mit den Probanden auch an Land und eben von Astronauten auf der ISS in vollkommener Schwerelosigkeit durchgeführt. Die Forscher aus Toronto, Köln und von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hoffen, durch die Daten Rückschlüsse auf die Wahrnehmung der Eigenbewegung in unterschiedlichen Gravitationsbedingungen ziehen zu können.

Nils Bury steht neben einer Frau, die auf einer Liege in einem Labor liegt

Auch an Land wird getestet

Unter Wasser erscheinen Gegenstände allerdings immer ein Drittel größer und ein Viertel näher als sie tatsächlich sind. Mit Burys Forschung könnte überprüft werden, inwieweit die veränderte Orientierung Tätigkeiten beeinflusst, die auf der ISS durchgeführt werden sollen und vorher auf der Erde im Wasser und an Land geübt wurden.

Hilfe für Parkinson-Patienten

Doch die Ergebnisse sind nicht nur für die Raumfahrt interessant. "Der Weltraum ist das perfekte Labor, um Schäden am Vestibular-Organ zu erforschen", sagt Professor Laurence Harris von der York University, der die Studienreihe initiiert hat. Denn ein Teil der Signale, mit denen das menschliche Gleichgewichtsorgan arbeitet, funktioniert anders, wenn Schwerkraft wirkt.

Fällt diese Komponente weg, können die Wissenschaftler erforschen, wie groß der Anteil der visuellen Informationen ist, die das Vestibular-Organ verarbeitet. Diese Ergebnisse könnten am Ende nicht nur der Raumfahrt nützlich sein, sondern auch Parkinson-Patienten helfen, die auch häufig Probleme haben, ihre Lage im Raum richtig einzuschätzen.

Stand: 15.08.2018, 12:31