Schlaflos durch Schichtarbeit?

Schichtarbeit, Schlaflosigkeit,

Kongress zur Schlafforschung

Schlaflos durch Schichtarbeit?

Von Antje Sieb

Arbeiten von 9 bis 17 Uhr - das gilt als normal, wird aber immer seltener. Immer häufiger sind Frühdienste, Spätdienste und Nachtschichten gefragt. Schlafforscher sehen bei etwa  jedem dritten Schichtarbeiter Schlafprobleme.

"Schlafstörungen sind bei Schichtarbeit ein häufiges Beschwerdebild," sagt Dr. Hans-Günther Weeß, Tagungspräsident der 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, die am Donnerstag (03.12.2015) in Mainz beginnt. Schichtarbeiter klagen über Müdigkeit und Einschlafschwierigkeiten - je älter sie werden, desto häufiger. Auch die Unfallgefahr steigt etwa nach mehreren Nachtdiensten in Folge.

Risiken für Schichtarbeiter

Darüber hinaus befürchten Mediziner, dass die Schichtarbeit auch für andere Erkrankungen mitverantwortlich sein könnte: Das Risiko für Verdauungsbeschwerden und eventuell auch für Magen-Darm-Erkrankungen ist nach einigen Studien erhöht. Auch ein Zusammenhang mit Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten  Krebserkrankungen wird diskutiert - Studien, die einen Zusammenhang zweifelsfrei nachweisen würden, fehlen allerdings bisher. Auf das Sozial- und Familienleben kann die Schichtarbeit ebenfalls Auswirkungen haben - Partnerschaft und Freundschaften können darunter leiden, dass der Schichtarbeiter auch schlafen muss, wenn andere wach sind.

Richtige Schichtplanung

Man kann die Schichtarbeit aber wohl besser und schlechter planen: Polizisten oder Bus-und Bahnfahrer mit „besseren“ Schichtplänen können möglicherweise einige Jahre länger ohne größere Probleme arbeiten – darauf weisen neuere Studien hin.

Dabei gibt es allerdings nicht ein ideales Schichtsystem, sondern bestimmte Kriterien, die sich oft auch nicht alle gleichzeitig verwirklichen lassen. So sollten etwa nach Möglichkeit nicht mehr als drei Nachtschichten hintereinander geplant werden. Außerdem sollten die Schichten vorwärts rotieren, also in der Reihenfolge Früh-Spät-Nachtdienst, statt rückwärts Nacht-Spät-Frühdienst – so sind ausreichende Ruhezeiten besser gewährleistet. Ebenfalls scheinen kurze Schichtwechsel nach wenigen Tagen günstiger zu sein als jeweils eine Woche Früh- oder Spätschicht. Langfristige Einsatzplanung ermöglicht es den Beschäftigten, ihr Privatleben besser um die Schichten herum zu planen.

Von Eulen und Lerchen

Viele Schlafforscher halten auch Rücksichtnahme auf den individuellen Chronotyp für wichtig, also ob es sich bei dem Betroffenen um einen Frühaufsteher (Lerche) oder einen Spätaufsteher (Eule) handelt. Eulen haben danach weniger Probleme beim Spät- oder Nachtdienst, für Lerchen wären Frühdienste ideal. Extreme Eulen und Lerchen machen allerdings nur einen kleinen Teil der Bevölkerung aus. Wenn die Schichtplanung flexibel auf die Wünsche der Beschäftigten reagieren kann, gilt das aber ohnehin als vorteilhaft.

Vorbeugung und Behandlung

Wer tagsüber schlafen muss, sollte den Schlafraum ordentlich abdunkeln, nach dem Nachtdienst mit Sonnenbrille nach Hause fahren, vor dem Schlaf nur etwas Leichtes essen, ausreichend Sport einplanen. Solche Tipps sollen vorbeugend gegen die verbreiteten Schlafprobleme helfen. Wenn die ständige Müdigkeit oder Einschlafprobleme schon Realität sind, seien vor allem verhaltenstherapeutische Maßnahmen vielversprechend, betonte Günther Weeß. Damit wollen Schlafmediziner erreichen, dass Schichtarbeiter sich zum Schlafen entspannen können, statt krampfhaft daran zu denken, dass sie jetzt dringend schlafen müssen.

Stand: 03.12.2015, 14:53