Sozialexperiment: Schlachtung beim Fleischkauf

Sozialexperiment: Schlachtung beim Fleischkauf

  • WDR-Sozialexperiment bringt Fleischesser und Schlachter zusammen
  • Landwirt schlachtet Gans in Fußgängerzone
  • Heftige Reaktionen bei Passanten

Wie reagieren wir eigentlich, wenn wir mit dem Töten von Tieren direkt beim Kauf von Fleisch konfrontiert werden? Ändert sich dadurch unser Bewusstsein zum Fleischverzehr? Das wollte die WDR-Wissenschaftsredaktion herausfinden und hat ein Sozialexperiment gemacht.

Fachmännische Schlachtung am Marktstand

Weihnachtsgans, Tierschlachtung

Für das Sozialexperiment verarbeitet der Landwirt die Gans am Verkaufsstand

Ein Geflügelmäster bot am Samstag (09.12.2017) in der Kölner Innenstadt an einem Marktstand Gänse an - und schlachtete sie direkt vor den Augen der Kunden. Ingesamt zehn Tiere hatte der Landwirt aus Essen mitgebracht. Die Kunden konnten sich zunächst ein Tier aussuchen, das dann fachmännisch unter Verwendung von Elektrobetäubung und unter Beachtung aller gesetzlichen Vorschriften geschlachtet wurde. Der Fachmann erklärte den Kunden sogar, wie das Tier gelebt hat und wie es gefüttert wurde.

Kritik am eigenen Fleischkonsum

Die Passanten reagierten sehr unterschiedlich auf die Aktion. Einige zeigten sich schockiert: "Ich finde es absolut schrecklich, was hier passiert", sagte eine Frau. Viele andere hingegen fanden das Experiment gut und sprachen selbstkritisch über ihren eigenen Fleischkonsum: "Keiner macht sich Gedanken darüber, dass die Tiere ja nicht gebraten vom Himmel fallen", so eine weitere Passantin. "Schlachtungen gibt es jeden Tag, aber hier regt sich jeder auf, wenn mal eine Gans gerupft wird."

Ernährungspsychologe findet Experiment sinnvoll

Professor Christoph Klotter von der Hochschule Fulda findet das Experiment wichtig: "Damit wird gezeigt: Wenn wir Fleisch essen, muss ein Tier dafür sterben." Mit der Konfrontation könne ein Nachdenken angeregt werden: "Wie ernähren wir uns? Was machen wir mit Fleisch? Und was bewirken wir, wenn wir Fleisch essen?", erläutert der Ernährungspsychologe.

Nur kurzfristiger Effekt auf Fleischkonsum

Dass sich unsere Einstellung zum Fleisch grundlegend ändert, glaubt Klotter nicht. "Wenn jemand gerne Fleisch isst, wird es nur ein kurzfristiger Effekt sein", so der Psychologe. Trotzdem gebe es vermehrt Widerstand gegen Massentierhaltung.

Bio-Fleisch und bewusste Ernährung liegen aber im Trend. "Wer jung, weiblich und gebildet ist, hasst Fleischkonsum", erklärt Klotter. Diese Gruppe werde immer größer. Demgegenüber stehen die oft männlichen Fleischesser, die sich das tägliche Fleisch essen nicht nehmen lassen wollen.

Stand: 09.12.2017, 23:00

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