Stabil im Wind

Videocopter im Einsatz 00:46 Min. Verfügbar bis 13.07.2020

Videodrohne im Einsatz für Quarks & Co

Stabil im Wind

Von Anne Preger

Quarks & Co betrachtet Bekanntes aus außergewöhnlichen Perspektiven. Für einen Film über Bergsenkungen steigt deswegen eine Spezial-Kameradrohne auf. Drohnen-Pilot und -Kameramann trotzen dem Wind am Drehtag dank acht Motoren.

Die Wolken fliegen über den Kirchvorplatz in Bottrop Kirchhellen. Das Turmdach von St. Johannes der Täufer leuchtet in jeder Wolkenlücke strahlend grün auf - Tolle Lichtverhältnisse für das WDR-Kamerateam, das die Kirche für Quarks & Co filmen soll. Doch Markus Kecker schaut mit zusammengekniffenen Augen nach oben auf die vom Wind durchgeschüttelten Baumkronen. Kecker ist Pilot des Videocopters. Zusammen mit Drohnen-Kameramann Michael von Harpe bereitet er Fluggerät und Kamera für den Start vor - aber erst nachdem er die Windgeschwindigkeit auf dem Kirchplatz gemessen hat.

Bis Windstärke 5

Der Windmesser kommt auf 32 km/h am Boden. Und über den Dächern weht der Wind noch stärker. Für die Flugsicherheit der Drohne ist das kein Problem. "Bei diesem Wind ist in erster Linie ein ausreichender Abstand zu Hindernissen wichtig," erklärt Markus Kecker, während die Motoren der Drohne anfangen leise zu surren. Also kein Rendezvous mit dem Wetterhahn oder andere riskante Flugmanöver über dem Platz. Aber liefert die Kamera des Videocopters unter diesen Bedingungen noch stabile Luftbilder von der Kirche?

Senkrechtstarter

Videodrohne fliegt über Kirchturm

Unter Beobachtung von oben - St. Johannes der Täufer

Der Videocopter startet vom Gestell senkrecht in die Höhe. Wegen des Windes zieht der Pilot die Drohne möglichst schnell über die Baumwipfel. Markus Kecker und sein Kollege Michael von Harpe sind ein eingespieltes Team: Der Drohnen-Pilot hat die Augen immer auf den Flieger gerichtet. Er steuert die Bewegungen der Drohne,  der Kameramann die der Drohnenkamera. Beide haben eine Steuerungseinheit mit Bildschirm. Beim Blick auf den Schirm kommt Erleichterung auf: Trotz Wind wackelt das Bild nicht. Für Markus Kecker ist das keine Überraschung: "Der Copter schafft bis zu 70 km/h. Das bedeutet, dass er theoretisch bei 70 km/h Wind noch auf der Stelle stehen könnte." Doch das riskiert der Drohnenpilot aus Sicherheitsgründen nicht.

Acht sind besser als vier

Der Videokopter hat acht Motoren. Fällt einer aus, ist das kein Problem. Dann regelt das Gerät den gegenüberliegenden Motor herunter, und aus dem Oktocopter wird ein Hexacopter (sechs Motoren), der sicher zu steuern und landen ist. Ein Quadrokopter (vier Motoren) würde bei einem Motorausfall dagegen unkontrolliert abstürzen. Für den Notfall sind an Bord außerdem zwei Akkus. Wie viele Minuten die bei welchem Wind halten, weiß Markus Kecker aus Erfahrung und durch Sprachansagen auf seinem Kopfhörer. Zwei Akkus machen den Videokopter schwer: 4,95 Kg. Die magische Gewichtsgrenze liegt bei fünf Kilogramm. Schwerere Drohnen bräuchten für jeden Start eine Einzelgenehmigung.

Erst fragen, dann abheben

Videocopter wird am Boden für denFlug vorbereitet

Letze Handgriffe vor dem Start

Dem leichteren Videocopter reicht eine "Allgemeine Aufstiegserlaubnis für unbemannte Luftfahrtsysteme". Kirchhellen liegt nicht in der Kontrollzone eines Verkehrsflughafens, so wie etwa Teile von Köln, Düsseldorf oder Dortmund. Dort dürfen selbst kleine Hobby-Drohnen nur mit Freigabe des Towers starten. Das Quarks& Co-Team hat allerdings die Stadt Bottrop über den Dreh im Stadtgebiet informiert und sich die Erlaubnis vom Grundstücksbesitzer geholt. Pfarrer Klaus Klein-Schmeink von der Katholischen Gemeinde St. Johannes der Täufer war sofort einverstanden mit dem Dreh über der Pfarrkirche.

Höhenflug

Die Kirchhellener Passanten lassen sich das kleine Schauspiel auf dem Kirchvorplatz nicht entgehen. Für Interessierte, die sich eine Videodrohne anschaffen wollen, hat Drohnen-Profi Markus Kecker folgenden Rat: "Erst mal gründlich üben, wie man startet und landet, auf freiem Feld ohne laufende Kamera. Den Umgang mit Hindernissen sollte man in Ruhe trainieren und die Entfernung zwischen Pilot und Drohne nur langsam steigern." Bevor der Videokopter nach knapp acht Minuten mit ausreichend Akkureserve landet, ist er fast hundert Meter über den Kirchplatz aufgestiegen. Von da oben sieht man auch bis zum Förderturm von Schacht 10. Dort holt die Zeche Prosper Haniel noch bis Ende 2018 Kohle aus der Tiefe. Dass sich deswegen Teile von Kirchhellen und auch die St. Johanneskirche absenken, sieht die Drohnen-Kamera nicht. Dafür braucht es einen Blick von ganz oben - von Radarsatelliten im All.