Was ist besser als Palmöl?

Was ist besser als Palmöl?

Von Alexandra Hostert

  • Die Zahl der Orang-Utans ist auf Borneo dramatisch gesunken
  • Ihr Lebensraum wird für Palmöl-Plantagen zerstört
  • Palmöl durch andere Fette zu ersetzen, hat aber ebenfalls Nachteile

100.000 Orang-Utans weniger auf Borneo – seit 1999. Diesen drastischen Rückgang hat ein internationales Forscherteam jetzt nachgewiesen. Er ist besonders dramatisch, weil es diese Art von Orang-Utans nur auf der Insel Borneo gibt. Die beiden anderen Arten von Orang-Utans auf der Nachbarinsel Sumatra sind ebenfalls stark bedroht.

Ölpalmen statt Regenwald

Die stärksten Rückgänge bei den Menschenaffen zeigte die Studie auf Borneo dort, wo ihr Lebensraum zerstört wurde. Auf der Insel, die im Norden zu Malaysia und im Süden zu Indonesien gehört, sind in den letzten Jahrzehnten viele Regenwälder abgeholzt worden, um das Holz der Tropenbäume zu verkaufen und dann große Monokulturen mit Ölpalmen auf den ehemaligen Waldflächen anzulegen.

Orang-Utans auf Borneo vom Aussterben bedroht

WDR 5 Leonardo Top Themen | 16.02.2018 | 06:17 Min.

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Weltweit wird immer mehr Palmöl verbraucht

Früchte von Ölpalmen

Aus diesen Früchten wird Palmöl

Der Verbrauch von Palmöl steigt weltweit stetig an. Neben Indien und China ist auch Europa ein wichtiger Importeur: Europa hat 2016 rund 6 Millionen Tonnen Palmöl eingeführt.

Zum Putzen, Essen und Verbrennen

Palmöl wird bei uns für viele Zwecke genutzt: Für Biodiesel, als Brennstoff in Heizkraftwerken, als Grundstoff für Putzmittel oder Kosmetik und als preiswertes Fett in vielen Lebensmitteln – in Margarine, Pizza, Chips, Eis, Schokoriegel und vielen Fertigprodukten. Seit Ende 2014 muss auf Lebensmitteln genau angegeben werden, welches Fett verwendet wurde. Heißt: Zumindest kann man nun erkennen, wo Palmöl enthalten ist.

Boykottieren – eine gute Idee?

Um Regenwälder zu schützen, wollen heute viele Menschen kein Palmöl mehr verwenden. Nur haben Ölpalmen auch einen Vorteil: Im Vergleich zu anderen Ölpflanzen bringen sie auf kleinen Flächen einen hohen Ertrag.

Andere Ölpflanzen brauchen mehr Fläche

Würde die Industrie also das Palmöl in den Fertigprodukten durch andere Öle ersetzen, müssten andere Ölpflanzen wie Soja, Sonnenblumen, Kokospalmen oder Raps angebaut werden. Dafür würde mehr Fläche verbraucht als bisher.

Einschränken statt ersetzen

Besser als Fertiggerichte, Snacks und Süßigkeiten mit anderen Ölsorten zu essen wäre es, den Verbrauch der Öle einzuschränken und auch mit Putzmitteln und Kosmetik und Bioenergie sparsamer umzugehen – also insgesamt den Verbrauch an Pflanzenöl zu senken. Dann wäre weltweit auch weniger Fläche für ihren Anbau nötig.

Nachhaltiges Palmöl

Eine andere Möglichkeit ist es, Produkte mit nachhaltig angebauten Ölen, zum Beispiel zertifiziertem Palmöl zu kaufen. Siegel für nachhaltiges Palmöl, wie das des "Roundtable on Sustainable Palm Oil" (RSPO) stehen zwar in der Kritik. Der Vorwurf: Ihre Richtlinien seien zu lasch und würden oft nicht eingehalten. Aber: Grundsätzlich ist es möglich, auch Ölplamen nachhaltig anzubauen – und Studien zeigen, dass durch ökologischen Anbau die Artenvielfalt in den Plantagen gesteigert werden kann.

Stand: 16.02.2018, 17:30