EU verbietet Bienengifte – und jetzt?

Insektensterben - wie schädlich sind Neonicotinoide?

EU verbietet Bienengifte – und jetzt?

Von Alexandra Hostert

  • EU verbietet drei Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide
  • Der Grund: Sie schaden auch Bienen und anderen harmlosen Insekten
  • Wie können Landwirte Schädlinge jetzt bekämpfen?

Sie gelten als wichtige Ursache für das Bienensterben: Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide. Deshalb hat haben die EU-Staaten heute mit knapper Mehrheit beschlossen, drei dieser Mittel auf Äckern und Feldern zu verbieten. Sie sind künftig nur noch im Gewächshaus erlaubt.

Orientierungslos, vergesslich, schwach

Neonicotinoide sollen Obst, Gemüse oder Getreide vor Schädlingen schützen. Als Spritzmittel oder mit gebeiztem Saatgut gelangen sie auf die Felder und verteilen sich in der ganzen Pflanze – auch in Pollen und Nektar und somit in der Nahrung der Bienen. Bienen oder Hummeln sterben meist nicht sofort an daran, aber die Mittel greifen die Nerven an: Die Tiere finden kaum zum Stock oder ihrem Futterplatz, werden schwächer und anfälliger für Krankheiten.

Neonicotinoide – einst Wunderwaffe, jetzt unkalkulierbares Risiko 01:27 Min. Verfügbar bis 22.03.2023

Landwirte suchen Alternativen

Nach dem Verbot der drei Neonicotinoide stehen viele Bauern vor der Frage, wie sie ihre Ernte in Zukunft schützen: „Wenn wir jetzt eine effektive Wirkstoffgruppe verlieren, ist es eine echte Herausforderung, Alternativen zu entwickeln“, so Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied.

Für einige Anwendungen gebe es derzeit keine geeigneten zugelassenen Mittel mehr, sagt auch das Julius Kühn-Institut, das in Deutschland für die Prüfung von Pflanzenschutzmitteln verantwortlich ist, für andere – zum Beispiel im Obstanbau – gebe es dagegen Alternativen.

Sind andere Spritzmittel besser?

Bei vielen Pflanzen kann man zum Beispiel Mittel aus der Gruppe der Pyrethroide anwenden. Einige Pyrethroide gelten als weniger schädlich für Bienen. „Wir haben aber in den letzten Jahren so stark auf die Neonicotionide geguckt, dass es zu ihrer Wirkung auch viel mehr Studien gibt, als bei anderen Wirkstoffen“, so die Freiburger Ökologin Alexandra Klein. Deshalb müsse man alle Pflanzenschutzmittel noch genauer untersuchen, selbst Mittel aus dem Ökoanbau.

Pflanzenschutzmittel-Einsatz auf einem Feld mit Winterraps.

Andere Pflanzenschutzmittel sind oft nicht gut untersucht

Fruchtfolgen statt Spritzmittel

Eine andere Möglichkeit: Keine neuen Insektizide zu suchen, sondern den Anbau verändern. „Wenn man nicht jedes Jahr dieselben Pflanzen auf einem Acker anbaut, sondern eine Reihe von Pflanzen in Fruchtfolgen abwechselt, können sich Schädlinge nicht so stark ausbreiten“, sagt Corinna Hölzel vom Umweltverband BUND.

Außerdem kann man natürliche Feinde der Schädlinge fördern, zum Beispiel andere Insekten oder Vögel. Ökologin Alexandra Klein ist überzeugt, dass ein Anbau ohne Pestizide möglich ist: „Das wird aber auch bedeuten, dass der Anbau aufwendiger ist und die Lebensmittel teurer werden. Die Bauern werden dann nicht mehr zum gleichen Preis produzieren können.“

Stand: 27.04.2018, 12:50