Wow-Signal: Außerirdische oder Computerfehler?

Wow-Signal, handschriftlich, Zahlen und Buchstaben, empfangene Codes (1977)

Wow-Signal: Außerirdische oder Computerfehler?

Von Andreas Sträter

  • Am 15. August 1977 sorgte kosmisches Signal für Erstaunen
  • Zum Ursprung gibt es mehrere Theorien
  • Herkunft des starken Geräusches bleibt rätselhaft

Für Außerirdische gibt es keinen Beweis. Doch heute vor 40 Jahren, am 15. August 1977, schien es, als sei ein erster Kontakt geglückt. Mit dem Radioteleskop "Big Ear" haben Wissenschaftler der Ohio State University im Klang des Universums einen historischen Ton – das Wow-Signal – eingefangen. Die Mitarbeiter wollten gerade Feierabend machen, als ihre Computer ihnen ein ungewöhnlich starkes Signal meldeten. Der Ton auf 1420 Megahertz (MHz) war kein bekanntes Signal - kein Ton, wie ihn das Universum aus sich selbst heraus erzeugen kann.

300 Lichtjahre von der Erde entfernt

Das Signal stammte direkt aus dem Sternbild des Schützen, 300 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das Computerprotokoll der Wissenschaftler notierte eine Zeichenfolge, die längst Astronomiegeschichte ist: "6EQUJ5". Die erste Schlussfolgerung des Astronomen Jerry R. Ehman: "Wow". Diese Buchstaben schrieb er auf das Protokoll. Sie gaben dem 72 Sekunden langen Geräusch seinen Namen.

Die Zeichenfolge "6EQUJ5" gibt an, wie stark das Signal über dem normalen Hintergrundrauschen liegt. Je höher die Zahlen, desto höher das Rauschen. Ab einer Signalstärken-Stufe von 10 werden Buchstaben eingesetzt. U ist der höchste Buchstabe. Das bedeutet: Das Rauschen war bis zu 30 Mal stärker als das normale Rauschen im All.

Waren es Außerirdische?

Die Ursache ist ungeklärt - bis heute: "Das Wow-Signal bleibt rätselhaft", sagt die Bochumer Astronomie-Professorin Susanne Hüttemeister: "Es ist nie wieder gekommen, der Ton hat sich nie wieder wiederholt." Dass es Außerirdische waren, sei daher "sehr sehr unwahrscheinlich", erläutert sie dem WDR.

"Das Wow-Signal war ein einzelner Glitch einer 40 Jahre alten Funktechnik", sagt Hüttemeister, die das Bochumer Planetarium leitet. "Ein Glitch ist ein Störsignal von kurzer Dauer, danach ist wieder alles normal", erläutert sie. Nach der Entdeckung des Signals wurde im gleichen Sternbild noch viel intensiver und mit viel empfindlicherer Funktechnik geforscht.

Big Ear

Mit dem Teleskop Big Ear wurde das Wow-Signal 1977 entdeckt.

"Doch es wurde nie wieder etwas gefunden", sagt Hüttemeister. "Daher wird die Bedeutung dieses Ereignisses in der Tendenz eher übertrieben." Es gibt viele Theorien zur Ursache des Wow-Signals. Eine lautet, Außerirdische hätten versucht, uns zu kontaktieren oder sie hätten miteinander kommuniziert.

Ausgelöst von einem Kometen?

Die jüngste, allerdings vielfach umstrittene Theorie stammt von dem Astronomie-Professor Antonio Paris vom St. Petersburg College in Florida. Seiner Mutmaßung nach könnte Komet 266P/Christensen an dem Sternbild vorbei geflogen sein. Dieser Brocken aus Gestein sei vor 40 Jahren noch nicht bekannt gewesen, er hätte sich allerdings in der Nähe des Signal-Ursprungs befunden.

Zweifel an der Studie

Die Studie wird aus mehreren Gründen bezweifelt. Robert S. Dixon, Direktor des SETI-Programms der Ohio State University, erläutert in einem Statement, Komet 266P/Christensen sei nicht in der Nähe des aufgefangenen Signals gewesen. Zudem zitiere der Wissenschaftler keine Hinweise auf Beobachtungen der Wasserstoffemissionen von Kometen.

Ob das Wow-Signal Signal also ein wegweisender Ton für die Menschheit, ein Komet oder nur ein simpler Computerfehler war, darüber lässt sich spekulieren. Das Signal vom 15. August 1977 wird Astronomen und Astrophysiker auch noch in der Zukunft beschäftigen.

Stand: 15.08.2017, 06:00