Urteil im Wisentstreit: "Keiner hat gewonnen"

Erwachsenes Wisent mit Kalb

Urteil im Wisentstreit: "Keiner hat gewonnen"

Der Trägerverein des Wisent-Auswilderungsprojektes in Wittgenstein muss weiter dafür sorgen, dass die Tiere nicht Bäume in den Wäldern des Sauerlandes beschädigen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm am Montag (29.05.2017) entschieden.

Neu ist allerdings, dass die Richter die Wisente als geschützte wilde Tiere ansehen. Damit müssten alle Maßnahmen, die verhindern sollen, dass die Tiere in den Sauerländer Wäldern Bäume anknabbern, mit den Naturschutzbehörden abgesprochen werden.

Geklagt hatten zwei Waldbauern aus dem Sauerland, weil die freilebenden Wisente ihre Buchen beschädigen, indem sie die Rinde abschälen.

Herde wieder einzäunen?

"Heute hat also keine der Parteien gewonnen oder verloren", so schätzte Gerichtssprecher Christian Nubbemeyer das Urteil ein. Das Gericht habe einen Weg weisen wollen, um eine Lösung für das Problem zu finden. Eine Lösung könnte auch sein, die Wisente wieder einzuzäunen, wenn die Naturschutzbehörden das genehmigten.

Das Oberlandesgericht Hamm hat ausdrücklich die Revision zugelassen. Die Richter sehen einige Rechtsfragen, die höchstrichterlich geklärt werden sollten. Es geht im Grunde darum, ob Artenschutz oder Eigentumsrechte schwerer wiegen.

Nächste Instanz Bundesgerichtshof?

Wenn der Trägerverein und die Waldbauern weiter kämpfen wollen, dann wird der Streit vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe landen. Sollten beide Parteien das Urteil annehmen, wäre der Trägerverein "Wisent-Welt-Wittgenstein" am Zuge, sich Maßnahmen einfallen zu lassen, um die Wisente aus den Wäldern der klagenden Waldbauern fernzuhalten. Das müsste er in Absprache mit den Naturschutzbehörden tun.

Der Trägerverein hat bereits versucht, im Auswilderungsgebiet größere Wiesenflächen zu schaffen und spezielle Samenmischungen ausgestreut. Doch bisher gehen die Wisente immer wieder auf Wanderschaft. Offenbar mögen sie die lichteren Buchenwälder im Schmallenberger Sauerland lieber als die dunklen Fichten auf Wittgensteiner Seite.

Auch über einen Wisent-Hirten wurde schon diskutiert. Zur Zeit wird außerdem wissenschaftlich erforscht, warum die Wildrinder so gerne Buchenrinde knabbern.

Stand: 29.05.2017, 13:15