Wo sind die Insekten hin?

Wo sind die Insekten hin?

Von Katja Goebel

Kein Summen, kein Krabbeln - viele Insekten fallen jetzt in eine Art Winterstarre - und überleben dank eingebautem Frostschutzmittel. Andere suchen wärmere Lager und verirren sich dabei auch mal zu uns ins Haus.

Bienenvolk mit Königin

Bienen: "Gemeinsam sind wir warm", lautet das Motto der staatenbildenden Honigbienen im Winter. Allerdings nur bei den weiblichen Tieren. Männliche Drohnen werden noch im Herbst aus dem Stock geworfen und sterben. Die Arbeiterinnen rotten sich im Winter in einer großen Traube um die Königin, denn diese gilt es, gesund ins Frühjahr zu bringen. Um Wärme zu erzeugen, lassen die Bienen permanent die Muskeln zucken. Wer am äußeren Rand mitzittert, wird irgendwann nach innen eingewechselt, um nicht auszukühlen. Im Januar, wenn im Stock das Brutgeschäft beginnt, bringen es die Bienen durch Bewegung zu Temperaturen von bis zu 30 Grad, erklärt Insektenexperte Karl-Heinz Jelinek vom Naturschutzbund (NABU).

Bienen: "Gemeinsam sind wir warm", lautet das Motto der staatenbildenden Honigbienen im Winter. Allerdings nur bei den weiblichen Tieren. Männliche Drohnen werden noch im Herbst aus dem Stock geworfen und sterben. Die Arbeiterinnen rotten sich im Winter in einer großen Traube um die Königin, denn diese gilt es, gesund ins Frühjahr zu bringen. Um Wärme zu erzeugen, lassen die Bienen permanent die Muskeln zucken. Wer am äußeren Rand mitzittert, wird irgendwann nach innen eingewechselt, um nicht auszukühlen. Im Januar, wenn im Stock das Brutgeschäft beginnt, bringen es die Bienen durch Bewegung zu Temperaturen von bis zu 30 Grad, erklärt Insektenexperte Karl-Heinz Jelinek vom Naturschutzbund (NABU).

Nur um ihr Geschäft zu machen, verlassen die Bienen schnell mal den Stock, so Jelinek. "Die versauen sich ja nicht das Nest". In Imkerkreisen würde man dann übrigens auch keine Wäsche in die Nähe eines Bienenstocks hängen. "Die Wäsche wäre dann mit gelben Flecken versaut." Gibt es doch einmal milde sonnige Tage, können auch die Bienen plötzlich wieder aktiv werden. Das Bild zeigt eine Biene beim Landeanflug auf eine winterliche Christrose.

Wespen: Die meisten Mitglieder eines Wespenvolkes überleben den Winter nicht. Sie sterben schon im Herbst. Nur die befruchteten Königinnen eines Volkes überwintern. Sie suchen sich frostfreie Schlafplätze in Baumritzen, Erdlöchern oder Mauerspalten, um hier in einer Winterstarre die kalte Jahreszeit zu überstehen.

Mücken: Wer immer dachte, strenge Winter würden die nächste Generation Stechmücken dezimieren, der irrt gewaltig. Mücken können sogar gut Eis und Schnee überleben - allerdings nur die Weibchen. Zu schaffen macht den Tieren eher ein zu milder, feuchter Winter. Dann nämlich wächst die Gefahr, von Pilzkrankheiten befallen zu werden. So können Mücken regelrecht verschimmeln, wenn es im Winter zu warm ist. Mückeneier hingegen lagern in der kalten Jahreszeit frostgeschützt im schlammigen Gewässerboden.

Zitronenfalter: Ein wahrer Überlebenskünstler ist der heimische Zitronenfalter. Auch er fällt in eine Art Winterstarre und hängt dabei frei und regungslos wie ein totes Blatt an einem Ast. Durch eingelagertes Glyzerin gefriert seine Körperflüssigkeit nicht. Außerdem scheidet der Zitronenfalter zu Beginn der kalten Tage einen Teil seiner Körperflüssigkeit aus. Er lässt praktisch alles Wasser ab, das er nicht braucht. So kann der Zitronenfalter Temperaturen bis zu minus 20 Grad Celsius überstehen. Andere Falter hingegen überleben den Winter nur als Puppe, Raupe oder Ei. Manchmal fliegen sie - wie der Admiral - sogar lieber zum Überwintern in den Süden.

Tagpfauenauge: "Im Winter bekomme ich öfter mal Anrufe von Leuten, die ein Tagpfauenauge in der Wohnung finden", erzählt Naturschützer und Schmetterlingsfachmann Jelinek. Wie das kommt? Die schönen Schmetterlinge verirren sich auf der Suche nach einem Winterquartier auch schon mal in unsere Wohnung. Doch warme Heizungsluft und Licht lassen den Falter nicht zur Ruhe kommen. "Am besten, man bringt ihn an einen kühleren, frostfreien und dunkleren Ort, von dem aus er im Frühjahr wieder nach draußen fliegen kann", rät Jelinek. In der Wohnung würde der Schmetterling seine letzten Energiereserven verbrauchen und den Winter nicht überleben.

Marienkäfer: Der Marienkäfer liebt es im Winter gesellig. Im großen Pulk suchen sich die Käfer ihre Quartiere in Mauerritzen, Laubhaufen oder Holzspalten. Ihr Trick: Auch sie produzieren körpereigenes Glyzerin, das den Gefrierpunkt ihrer Körperflüssigkeit senkt. Damit tragen sie also ihr eigenes Frostschutzmittel im Körper, was dafür sorgt, dass ihre Körper nicht platzen. Das Massenkuscheln im Winter hat übrigens noch einen enormen Vorteil: Die Käfer müssen im Frühjahr nicht so lange nach einem Partner suchen - der liegt ja quasi schon neben ihnen!

Kreuzspinne: Während erwachsene Tiere den Winter nicht überleben, überwintert der Nachwuchs der Kreuzspinne in einem warmen Kokon aus Seide. Die Weibchen haben dort im Herbst ihre Eier abgelegt. In den Kokons überstehen sie dann selbst Temperaturen von unter minus 20 Grad Celsius. Im Frühjahr schlüpfen daraus die Jungen.

Winterlibelle: Bei den Libellen überstehen eigentlich nur die Eier und Larven den Winter - mit einer Ausnahme: Die Winterlibelle schafft es bis zum Frühjahr. "Zum Beginn des Herbstes suchen sie geschützte Quartiere abseits der Gewässer auf, in denen sie überwintern. Meist sind dies flach bewachsene Waldlichtungen, wo sich die Tiere an Pflanzenstängeln hängend, bei starkem Schneefall komplett zuschneien lassen", erklärt Willi Wünsch, Mitglied der zoologischen Fachgesellschaft von Libellenforschern. Die Winterlibelle ist eher im Tarnkleid unterwegs, damit Fressfeinde sie möglichst nicht von einem Blattstängel unterscheiden können.

Blattlaus: Im Herbst legen die Blattläuse noch einmal Eier. Die halten sogar Frost aus. Erwachsene Tiere überleben den Winter nicht - es sei denn, sie tun es auf unseren Topfpflanzen.

Ameise: Die Waldameisen überwintern in ihren unterirdischen Bauten. Für den Winter dichten die Ameisen ihren Bau gegen Schnee und Regen ab und ziehen sich tief ins Innere des unterirdischen Nestes zurück. Nahrungsvorräte für den Winter legen die Tiere nicht an. "Sie stellen die Aktivitäten ein, halten Winterruhe und fressen auch nichts", so Jelinek. Nur die Arbeiterinnen, die die nächste Frühlingsbrut versorgen, futtern sich Fettdepots an.

Winterquartiere im Garten: Auch der Mensch kann übrigens mit null Aufwand für Winterschlafplätze sorgen. Wer verblühte Stauden im Garten einfach stehen lässt oder angefallenes Laub nicht immer akribisch entsorgt, bietet Insekten, zum Beispiel auch nützlichen Läusevertilgern wie dem Marienkäfer, passenden Unterschlupf.

Stand: 16.12.2016, 06:00 Uhr