Warum das Klimaziel von Paris in Gefahr ist

Klimawandel

Warum das Klimaziel von Paris in Gefahr ist

Von Lars Tepel

  • Klimavertrag von Paris lässt Hintertüren offen.
  • Technologien mit "negativen Emissionen": überbewertet.
  • Die Technologien fehlen noch.

Maximal zwei Grad Celsius Erderwärmung – dieses Ziel haben die Regierungen der Welt 2015 in Paris beschlossen und inzwischen auch weltweit in nationales Recht umgesetzt.

Dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen, könnte aber schwieriger werden, als bislang angenommen. Das zeigt eine neue Studie des Wissenschaftlichen Beirats der Europäischen Akademien (EASAC).

Klimavertrag mit Hintertüren

Das Problem: Der Vertrag von Paris lässt verschiedene Hintertüren offen. Eine davon erlaubt den Vertragsstaaten, zunächst mehr CO2 auszustoßen, als eigentlich erlaubt wäre. Die Idee: In der Zukunft sollen Technologien entwickelt werden, mit denen der CO2-Überschuss aus der Luft wieder herausgefiltert und anschließend einlagert werden kann.

Es fehlen Technologien

Das Problem: Die Techniken existieren bislang nicht – niemand weiß, ob sie tatsächlich in dem gewünschten Maß realisierbar und finanzierbar sind.

Klimakiller Straßenverkehr

Verstopfte Straßen

Der Weltklimarat geht in 344 von 400 Wenn-dann-Szenarien davon aus, dass es künftig Technologien mit negativen Emissionen gibt. Diese Negativ-Emissions-Technologien (Nets) sind also eine Wette auf die Zukunft – die nicht verloren werden darf.

"Wir werden negative Emissionen benötigen", sagt Frank Schilling vom Karlsruher Institut für Technologie. "Je langsamer wir bei der Emissionsreduktion sind, umso mehr müssen unsere Kinder später im Untergrund speichern."

Leider habe der Bericht recht, sagt Schilling. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir scheitern. Wenn wir jetzt jedoch konsequent handeln, können die Ziele noch erreicht werden."

So ließe sich Kohlenstoffdioxid einlagern

Mehr Kohlenstoffdioxid einlagern als ausstoßen – das ließe sich etwa realisieren, indem man große Flächen mit schnellwachsenden Pflanzen bewirtschaftet. Die Pflanzen ziehen während ihres Wachstums CO2 aus der Luft. Diese Biomasse soll dann in Kraftwerken verbrannt werden. Das CO2 wird dabei wieder frei, soll aber aus dem Abgas herausgefiltert und unterirdisch eingelagert werden. So bliebe das CO2 der Atmosphäre dauerhaft entzogen. So die Theorie.

Was unser Essen mit Klimawandel zu tun hat

05:26 Min.

Besser heute vermeiden als morgen entziehen

Die Technologien, mit denen Ingenieure Kohlenstoffdioxids einlagern wollen, sind sehr aufwendig. Zudem können sie nur dazu dienen, die Symptome (CO2-Gehalt in der Atmosphäre) zu bekämpfen. Die Ursache an sich (zu hohe CO2-Emissionen) wird damit aber nicht bekämpft.

Stand: 31.01.2018, 16:17