Wespen - viel besser als ihr Ruf

Wespen - viel besser als ihr Ruf

Von Katja Goebel

Sie sind Jäger, Handwerker und Schädlingsbekämpfer, machen sich als Bestäuber nützlich oder sind schmackhafte Beute für andere Tiere - Wespen. Nur zwei der vielen Wespenarten in Deutschland haben dem Rest den Ruf versaut ...

Nauhaufnahme einer Wespe

Typisches Wespenmotiv im Sommer: Das Tierchen macht sich auf unseren Lebensmitteln breit und wir halten respektvoll Abstand. Dabei sind Wespen durchaus mit ganz anderem beschäftigt, als uns die Marmelade vom Brot zu schlecken. "Sie fangen zum Beispiel jede Menge Fliegen", erklärt Harry Abraham, Wespenexperte beim Naturschutzbund in Viersen. Deshalb fallen sie dem Menschen - zumindest am Sommeranfang - auch gar nicht auf.

Typisches Wespenmotiv im Sommer: Das Tierchen macht sich auf unseren Lebensmitteln breit und wir halten respektvoll Abstand. Dabei sind Wespen durchaus mit ganz anderem beschäftigt, als uns die Marmelade vom Brot zu schlecken. "Sie fangen zum Beispiel jede Menge Fliegen", erklärt Harry Abraham, Wespenexperte beim Naturschutzbund in Viersen. Deshalb fallen sie dem Menschen - zumindest am Sommeranfang - auch gar nicht auf.

Man unterscheidet solitär lebende Wespen von solchen, die ganze Staaten bilden. Letztere sind zum Beispiel auch für einen spektakulären Nestbau bekannt. Die Wespenkönigin raspelt aus verwittertem Holz feinste Fasern ab, vermengt sie für den Nestbau mit Speichel zu einer Art Pappmaschee. Viele Menschen geraten beim Anblick eines Wespennestes in Panik. Doch da kann Harry Abraham beruhigen: Die Wespen, die gut sichtbare Nester bauen, sind friedliche Wespen, die nicht durch Lebensmittel angelockt, menschliche Nähe suchen. Lässt man sie in Ruhe, greifen sie auch nicht an. Falls sich Wespen an ungünstiger Stelle angesiedelt haben, rät der Naturschutzbund, einen Fachmann zu rufen. Nester können auch schonend umgesiedelt werden, anstatt sie zu vernichten.

Im April oder Mai beginnen Wespen mit dem Nestbau. Wenn die Brut schlüpft, müssen viele hungrige Mäuler gestopft werden. Wespenlarven hängen kopfüber im Nest und brauchen tierisches Eiweiß. "Die gefangenen Fliegen werden sorgfältig filetiert", so Abraham. "Kopf, Flügel und Beine werden abgetrennt, nur die Brust wird zerkaut und dann an die Larven verfüttert. Damit sind die Wespen Monate beschäftigt."

Rund 100 Wespenarten gibt es in Mitteleuropa. Für ihren schlechten Ruf hierzulande sorgen aber eigentlich nur zwei Arten: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Ihre Nester sitzen meist unsichtbar in der Erde, unter Verkleidungen oder in Mauerritzen. Beide Arten sind auch Aasfresser und zeichnen sich im August und September durch großen Appetit auf fleischhaltige Lebensmittel aus. Sie sind es also, die unsere gedeckten Tische anfliegen, um Fleisch und Süßspeisen zu ergattern. Ist die Brut aufgezogen, stoßen die Tiere auf der Suche nach süßen Pflanzensäften zudem auch schon mal auf Fruchtsäfte in Trinkgläsern. Praktisch für die Tiere und mundgerecht serviert. "Dann trinken sie auch unsere Cola oder Limo als Treibstoff zum Fliegen", erklärt Harry Abraham.

Kommt die Wespe uns zu nah, sollten Speisen und Getränke abgedeckt werden. Bei heftigen Bewegungen oder Wegpusten können die Tiere zum Gegenangriff übergehen. Besser ist es, ein Ablenkungsmanöver zu starten und auf einem Extrateller in entsprechender Entfernung mit den Wespen zu teilen.

Zu den solitär lebenden Wespen gehört zum Beispiel die Holzwespe: Sie bohrt mit einem besonderen Werkzeug an ihrem Hinterleib, dem sogenannten Legestachel, ein Loch ins Holz, um dort ihre Eier zu platzieren. An diesem Stachel befinden sich drei unterschiedliche Raspeln, die unabhängig voneinander arbeiten. Das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik hat sogar einen Raspelbohrer nach Vorbild der Holzwespe entwickelt.

Einen besonderen Ort zur Eiablage findet auch die Schlupfwespe - ein Parasit unter den Wespen. Sie legt ihre Eier in Larven, Raupen oder Motteneier und ernährt sich gerne von Läusen. Deshalb wird sie in der Landwirtschaft längst als natürlicher Schädlingsbekämpfer eingesetzt.

Groß und laut: Hornissen gehören ebenfalls zu den Wespen. Auch wenn sie Angst einflößend auftreten, denken sie beim Anblick des Menschen doch eher an Flucht, sagt Harry Abraham. Es sei denn, sie wollen ihr Nest verteidigen. Hornissen sind übrigens streng geschützt. Die Beseitigung eines an kritischer Stelle befindlichen Nestes ist nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörden möglich.

Wespen bestäuben natürlich auch Pflanzen. Allerdings nicht in dem Maße, wie Bienen oder Hummeln es tun. Der Bienenwolf (Foto) ist eine Wespenart, die sogar Jagd auf Bienen macht.

Wespen sind aber auch selber Gejagte. Sie gehören ins Beutespektrum von Vögeln, wie Bienenfresser, Neuntöter oder Wespenbussard. Das Bild zeigt einen Eichelhäher mit erlegter Wespe. Um den Stachel unschädlich zu machen, drückt der Vogel ihn vorher aus. Auch Kreuzspinnen, Raubfliegen oder Libellen fressen Wespen.

Ein Wespenleben währt nicht lang. Höchstens ein halbes Jahr. Nur die jungen Königinnen eines Volkes überwintern. Sie werden im nächsten Frühjahr wieder mit dem Nestbau und Eiablage beginnen. Bei den sozial lebenden Wespen verströmt die Königin dabei ein Pheromon, das bewirkt, dass sich die Eier nicht zu Königinnen, also fruchtbaren Weibchen entwickeln, sondern zu unfruchtbaren Arbeiterinnen, die das Nest weiter vergrößern und sich um die Brut kümmern. Im Herbst lässt dann die Pheromonabgabe der Königin nach und aus den Larven entwickeln sich Königinnen. Die legen ihrerseits Eier, aus denen Drohnen schlüpfen, die die Königinnen anderer Nester begatten. Im Spätherbst stirbt die alte Königin und der Staat löst sich auf.

Meister der Tarnung: Die hier tut nur so, als sei sie eine Wespe. Die völlig harmlose Schwebfliege hat ein perfektes schwarz-gelbe Tarnkleid entwickelt. Mimikry nennen Biologen dieses Phänomen.

Für den Menschen ist die Schwebfliege leicht von echten Wespen zu unterscheiden. Die geringelten Fliegen können wie Hubschrauber in der Luft stehen.

Auch andere Tiere bevorzugen den Trick mit dem Wespen-Tarn-Kostüm - zum Beispiel die gestreifte Quelljungfer (eine Libelle), der Wespenkäfer, der Hornissen-Glasflügler (ein Schmetterling) oder die Wespenspinne (Foto).

Stand: 11.08.2018, 14:16 Uhr