Was Sie über Weihnachtsbäume wissen sollten

Weinachtsbäume

Was Sie über Weihnachtsbäume wissen sollten

Von Anke Riedel

  • 24 Millionen Bäume standen 2016 in deutschen Wohnzimmern
  • Der Trend geht zum regionalen Tannenbaum
  • Plastikbäume keine Alternative

Millionen Christbäume werden jedes Jahr in Deutschland liebevoll geschmückt. Ein Fest für die Sinne: Weihnachtsbäume strahlen Wärme aus, duften dezent nach Grünzeug und bringen einen Hauch von Wald ins Wohnzimmer.

Hinterlassen abgeholzte Weihnachtsbäume im Wald eine Lücke?

Für Kinder sind die geschmückten Bäume ein Highlight, für Forstwissenschaftler dagegen eher ein Nebenprodukt. "Bäumefällen gehört für Forstbetriebe zum Alltagsgeschäft", so Sven Wagner, Professor für Waldbau von der TU Dresden. "Genauso wie Bäume säen, pflanzen und verjüngen." Die Baumreihen müssen immer wieder ausgedünnt werden, um Platz zum Wachsen zu schaffen. Weihnachtsbäume entstehen dabei quasi als Abfallprodukt. Die Forstbetriebe laden deshalb gerne ein, bei einem leckeren Glühwein den Baum selbst zu schlagen.

Doch nur ein Teil der Weihnachtsbäume stammt aus dem Wald um die Ecke. Die meisten Tannenbäume der Deutschen wachsen unter ihresgleichen in Weihnachtsbaumplantagen auf. Deutschlandweit gibt es rund 35.000-40.000 Hektar Anbaufläche.

Wie funktionieren Weihnachtsbaumplantagen?

"Weihnachtsbaumplantagen gehören nicht zum Wald", so Sven Wagner, Professor für Waldbau von der TU Dresden. "Die Bäume stehen dort zehn Jahre, das ist Landwirtschaft." Und wie in der Landwirtschaft werden Herbizide, Insektizide oder Dünger eingesetzt, damit die Bäume gut wachsen und vor allem gut aussehen.

Mehrere Erntehelfer stehen in einer Weihnachtsbaumkultur im Sauerland

Weihnachtsbaumgeschäft - eine Nische

In Deutschland werden rund 6.600 Bäume pro Hektar Bodenfläche auf den Plantagen angepflanzt. Vor allem Nordrhein-Westfalen ist ein Weihnachtsbaum-Eldorado. Allein im Sauerland gibt es über 18.000 Hektar Anbaufläche. Trotzdem fristet das Weihnachtsbaumgeschäft in der Gesamtbetrachtung eher ein Nischendasein: Gerade einmal 3,9 Prozent der Baumschulflächen im Freiland waren 2017 für Weihnachtsnadelgehölze reserviert, so das Statistische Bundesamt.

Was passiert mit dem Boden nach dem Baumfällen?

Zehn bis zwölf Jahre "Tanne" verändert das Bodenmilieu, das verlangt nach Maßnahmen: "Wie bei jeder Dauerkultur braucht der Boden nach dieser Zeit eine Zwischenkultur", erklärt Doktor Martin Rometsch, Geschäftsführer des Bundesverbands der Weihnachtsbaumerzeuger in Deutschland. "Es eignen sich zum Beispiel Ölrettich oder Senf."

Wenn der Weihnachtsbaum schließlich gefällt wird, bleiben die Wurzelballen zurück und verrotten. Nach und nach kommen Würmer und Pilze und zersetzen den Stumpf. So wird der Rest des Tannenbaums zu Dünger und irgendwann wird an dieser Stelle ein neuer Christbaum wachsen.

Warum ist die Nordmanntanne die Königin unter den Weihnachtsbäumen?

Die Nordmanntanne ist die Blaupause eines Weihnachtsbaumes: gleichmäßig im Wuchs - weiche Nadeln, die lange am Baum bleiben - und farblich satt grün. Ökologisch betrachtet liegt Abies nordmanniana allerdings eher auf den hinteren Rängen, zumal wenn sie importiert ist und mit viel Düngemitteln und Herbiziden versorgt wurde. Denn ursprünglich kommt die Nordmanntanne aus dem Kaukasus. Auch ihre Kollegin, die Nobilistanne, ist bei uns nicht heimisch, sondern stammt eigentlich aus Nordamerika.  

Ein Traktor fährt durch die Schneise einer Weihnachtsbaumkultur

Bäume aus dem heimischen Wald mit vielen Vorteilen

Unproblematischer sind Sorten aus dem heimischen Wald, das sind je nach Region Fichte, Kiefer oder Weißtanne - mit allen Nebenwirkungen wie herabfallenden Fichtennadeln.

Doch Jahr für Jahr gehen unzählige Weihnachtsbäume auf Reisen: Polnische Bäume kommen nach Deutschland, deutsche Bäume werden in die Niederlande gebracht und niederländische Bäume nach Deutschland. Unser größter Baumlieferant ist Dänemark: 2016 kamen laut Statistischem Bundesamt 2,18 Millionen Christbäume aus dem hohen Norden zu uns. 

Gibt es neue Züchtungen für Weihnachtsbäume?

"Es gibt neue Zuchtformen von Bäumen, die erblich bedingt ohne viel Dünger auskommen und besonders intensive blaue oder grüne Nadeln tragen", so Waldbauexperte Professor Sven Wagner. "Das ist keine genetische Manipulation, sondern Selektion der richtigen Samen und Zapfen." So werden gezielt Bäume produziert, die gute Weihnachtsbaumeigenschaften haben und gleichzeitig wenig anfällig sind.

Luftaufnahme einer riesigen Fläche mit kleinen Tanenbäumen, dahinter Tannenwald und Berge

Neue Züchtungen machen Weihnachtsbäume robuster

Vor allem Läuse und Pilzerkrankungen machen den Forstleuten immer wieder zu schaffen. Im schlimmsten Fall droht Nadelverlust. Doch: "Wenn Tannen unter Triebläusen oder Pilzerkrankungen leiden, ist das eine Frage der Vitalität. Ist der Baum gut ernährt, steckt er Schaderreger weg", erklärt Wagner. Glück für den Waldbesitzer, der so auf den großzügigen Einsatz von Insektiziden oder Dünger verzichten kann.

Sind Plastikbäume oder Mietbäume eine Alternative?

Eine amerikanische und eine australische Studie kommen zu dem Schluss: Nein. Es sei denn, man behält seinen Plastikbaum für eine sehr lange Zeit, im Idealfall mindestens sieben bis neun Jahre. Die amerikanischen Forscher fanden heraus, dass bei einem künstlichen Baum von der Produktion bis zur Entsorgung 18,6 Kilogramm CO2 anfallen. Ein natürlich gewachsener Baum hingegen bindet 3,13 Kilo CO2, wenn er nach dem Gebrauch kompostiert wird - oder produziert 5,12 Kilo CO2, wenn er im Anschluss verbrannt wird.

Auch Miettannenbäume mit Wurzelballen sind umstritten. Waldbauexperte Professor Sven Wagner: "Weihnachtsbäume mit Ballen zu mieten, hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun. Die Rechnung Ausgraben, Transport, Abholung sichert eher Arbeitsplätze als die Umwelt zu schonen."

Tatsächlich überleben nicht alle Weihnachtsbäume den Ausflug ins warme Wohnzimmer. Denn in der Natur schlummern die Nadelgewächse zu dieser Zeit noch. Deshalb müssen sie langsam an die neue Temperatur gewöhnt werden, damit sie nicht plötzlich Frühlingsgefühle bekommen.

3 Dinge zum Weitersagen - Über Tannen

WDR 5 Leonardo - 3 Dinge zum Weitersagen | 21.11.2017 | 03:12 Min.

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Stand: 01.12.2017, 06:00